Heute mal keine rein sprachliche Betrachtung. Es geht mir um das Thema Zinsen für Schulden. Während unser Finanzminister auf je 1.000 Euro Staatsschulden 2 Euro Zinsen gutgeschrieben bekommt, darf Otto Normalbürger bei seiner Bank aktuell zwischen 4,17 und 12,75 Prozent Dispokreditzinsen berappen. Das sind 41,70 Euro bis 127,50 Euro auf 1.000 Euro Schulden. Wo sind Überwachung und Zensur, wenn man sie wirklich mal braucht?

Wie wäre es in dem Punkt mit Gleichberechtigung? Wenn die Wirtschaft jammert, dass der Verbraucher nicht genug verbraucht: hier liegt Potenzial brach. Aber Achtung, Warnung an alle Mathe-Genies: Mit den sogenannten Negativzinsen wird man nicht reich, man wird nur nicht so schnell noch ärmer.

Und jetzt zum sprachlichen Teil:

Das Wort Negativzinsen ist ein zweischneidiges Schwert. Denkt man an Sparguthaben, dann ist der negative Eindruck, den das Wort vermittelt, durchaus angemessen. Jedenfalls wenn man dem Konzept anhängt, dass Geld wertvoller wird, wenn man es auf einem Konto bei einer Bank liegen lässt. Dies dürfte allerdings nur der Fall sein, wenn das Geld in etwas wirtschaftlich Sinnvolles investiert wird.

Negativzins auf Staatsschulden klingt genauso „böse“. Ich habe den Verdacht, dass wir es hier mit Framing zu tun haben. Es soll wohl negativ klingen, damit die Sparer nicht auf die Barrikaden gehen. Oder fällt Ihnen noch ein anderer Grund ein? Das passendere Wort in dem Zusammenhang wäre doch so etwas wie Schulden-Bonus. Das würde auch besser zum sonstigen Gebaren unserer Geldhäuser passen. Oder irre ich mich hier?

Solange wir die Dinge nicht beim richtigen Namen nennen, kann nichts Gutes dabei herauskommen. Das wusste Konfuzius schon vor ca. 2500 Jahren: „Wenn die Begriffe nicht stimmen, dann ist das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte ist, dann sind auch die Taten nicht in Ordnung.“ Setzen wir alles daran, dass unsere Worte wieder wahr sind im Sinne der Sache, die gemeint ist.

Sprachliche Tipps gibt es zum Beispiel in meinem Blog und in meinen firmeninternen Korrespondenz-Seminaren . Oder schreiben Sie mir eine kurze  E-Mail, wenn Sie mir Ihre Sicht zu diesem Thema mitteile wollen.

Die Autorin:

Gabriele Baron, seit 25 Jahren freiberufliche Texterin sowie Trainerin mit dem Schwerpunkt empfängerorientierte Korrespondenz und Kundenorientierung in der Kommunikation. Autorin u.a. des Bestsellers „Praxisbuch Mailings. Print- und Online-Mailings planen, texten und gestalten.“, mi-Verlag sowie „Glückwunsch! Passende Worte zu Jubiläum, Beförderung & Co.“, Verlag C.H. Beck.

Gabriele Baron, Text & Training, Abt-Walther-Straße 4, 94081 Fürstenzell,
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