• Motorsport wie in den guten alten Tagen: Die Bosch Hockenheim Historic vom 5. bis 7. Mai 2023
  • 79 und kein bisschen leise: Harald „Nippel“ Grohs startet in Hockenheim bei den „Tourenwagen Goldene Ära“
  • Attraktives auf und abseits der Piste: Preiswerte Tickets, offenes Fahrerlager und ganz viel zu sehen

Seine Liebe zum Motorsport verströmt Harald Grohs mit jeder Faser seiner Existenz. Wenn er von Racing spricht, dann spürt der Zuhörer Leidenschaft pur. Und deswegen ist der Essener auch im zarten Alter von 79 Jahren noch immer sofort und gerne dabei, wenn es darum geht, sich ins Cockpit eines historischen Tourenwagens zu klemmen – sofern der Name BMW draufsteht. „Ich mache jede Woche zehn Stunden Sport, hab‘ immer noch gute Luft und bin beweglich wie Gummi. Deswegen kann ich auch die jungen Hüpfer immer noch schlagen“, lacht der Essener, den Freunde, Fans und Gegner seit jeher liebe- und respektvoll „Nippel“ nennen.

Mit den „Tourenwagen Goldene Ära“ begeht Harald Grohs am ersten Maiwochenende im Rahmen der „Bosch Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival“ sein 50-Jahr-Rennjubiläum. Dass er überhaupt 1973 im Alter von bereits 29 Jahren als Quereinsteiger sein Renndebüt feierte, was heutzutage fast undenkbar wäre, geht auf ein Missgeschick zurück: „Der Besitzer des Kfz-Betriebs, in dem ich gearbeitet habe und der den Porsche eigentlich fahren sollte, war auf einem Sektkorken ausgerutscht und hatte sich ein Bein gebrochen. So kam ich zum Zuge und wurde auf Anhieb Dritter. So fing alles an …“ Im Rennen der legendären DTM- und Gruppe-A-Tourenwagen vor der Klasse-1-Ära pilotiert Grohs in Hockenheim einen BMW M3 – und zwar nicht irgendeinen, sondern genau ein Fahrzeug jenes Typs und im gleichen Vogelsang-Design, mit dem er 1987 den allerersten DTM-Laufsieg eines M3 überhaupt gefeiert hatte.

Die gute alte Zeit also. War sie denn so viel besser, Nippel? „Sie war unkomplizierter. Wir Fahrer waren nicht so gläsern, hatten mehr freie Hand. Heute ist alles strukturierter, dadurch aber auch nicht mehr so locker. In der Classic-Szene ist zwar auch alles teurer geworden, der Geist der alten Tage ist aber noch immer stark zu spüren.“

Im Vergleich der jungen mit der alten Technik schneiden die Klassiker naturgemäß schlechter ab. Fahrwerke, Motoren, Getriebe, Bremsen, Aerodynamik – die Neuen können alles besser. Doch der Reiz der früheren Boliden ist ungebrochen, sei es für Piloten oder Fans. „Die alten Autos stellen hohe Anforderungen an den Fahrer“, erklärt Harald Grohs. „Du brauchst viel Gefühl und musst körperlich voll fit sein, denn die Autos sind nicht nur in Bezug auf die Lenk- und Pedalkräfte schwer zu fahren. Und was die Fans betrifft: Da kann im Hauptprogramm fahren, was will – wenn wir unsere Motoren warmlaufen lassen, strömen die Leute aus allen Himmelsrichtungen zusammen. Absperrungen oder so etwas gibt es ja bei uns nicht. Die Fans kommen, machen Bilder, holen Autogramme, quatschen ein bisschen mit uns. Wir sind eine große Familie. Ich genieße das sehr!“

Auch wenn die Piloten in der Classic-Szene in aller Regel schon einige Motorsport-Jahre auf dem Buckel haben, mangelt es ihnen keineswegs an Ehrgeiz. Und so weist Grohs die ihm unterstellte Attitüde „weniger Kampf, mehr Genuss“ empört zurück: „Nein, nein, nein! Spätestens in der Aufwärmrunde vergesse ich alles. Okay, im Nahkampf nehmen wir etwas Rücksicht auf den ja doch hohen Wert der Fahrzeuge. Aber jeder will gewinnen, zumal, wenn‘s gegen Haudegen wie Klaus Ludwig, Armin Hahne, Roland Asch, Kurt Thiim oder andere geht. Da musst du dich richtig strecken und auch mal mit einem sechsten Platz zufrieden sein. Ich freue mich jedes Mal, wenn wir auf der Strecke miteinander raufen.“ Wer Harald Grohs kennt, der weiß: Wenn er raufen sagt, dann meint er raufen.

Liebevolle Sonderausstellungen zu Jim Clark und Lotus
Die „Bosch Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival ist vor allem eines: ein Festival für die Fans. Nicht nur die „Tourenwagen Goldene Ära“, sondern auch die übrigen Rennserien im Programm lassen die Herzen von Enthusiasten höherschlagen. Egal ob die vier bei der Bosch Hockenheim Historic vertretenen Kategorien des „Masters Historic Racing“, der Group C Supercup, die BOSS GP, der Raceclub Germany, die Historic Racecar Association, die Lurani Trophy für Formel-Junior-Renner und natürlich die Historische Formel 2 – für jeden ist etwas dabei.

Und wer dann doch mal eine kleine Pause von der Rennaction braucht, der findet auch abseits der Piste vielfältige Attraktionen: Das Boxendach bietet nicht nur einen coolen Kids Club für die Jüngsten, sondern auch die Sonderausstellung „Black & Gold Collection“. Wie der Name schon sagt, dominieren hier die Farben Schwarz und Gold, womit dem Nostalgiker sofort klar ist, um welche fünf legendären Buchstaben es geht: LOTUS.

Der Kongress-Pavillon im Fahrerlager beherbergt eine weitere Sonderausstellung über Jim Clark, die mit liebevoll präsentierten Memorabilia das Leben und Wirken des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters aus Schottland abbildet. Wie im Vorjahr ist der Kongress-Pavillon auch Schauplatz heißer Slotcar-Rennen. Und last but not least steigt am Samstag und Sonntag im Bereich der Osttribüne ein Markenclubtreffen für diverse Old- und Youngtimer aller Baujahre.

Der familienfreundlichen Ausrichtung der Veranstaltung tragen auch die Eintrittspreise Rechnung:  Schon ab 15 Euro für ein Freitags-Ticket geht’s los, die Tageskarten für Samstag und Sonntag kosten 35 respektive 30 Euro. Wer das gesamte Wochenende erleben möchte, ist ab 49 Euro dabei. Der Bezug ist über den Online-Ticketshop oder unter der Hotline +49(0)6205 950-222 möglich, weitere Informationen gibt’s unter www.hockenheim-historic.de.

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