American Jesus – der apokalyptisch-satirische Abgesang auf Gesellschaft und Religion, geschrieben von Comic-Legende Mark Millar (Kick-Ass u.a.) und gezeichnet von Peter Gross (The Unwritten u.a.), gehört zu den absoluten Comic-Highlights der letzten Jahre. Der Dreiteiler (Der AuserwählteDer neue MessiasDie Offenbarung) spart dabei nicht mit überraschenden Wendungen und krassen Bildern. Nun hat die düstere Groteske um die Reinkarnation des Erlösers in unserer Zeit und die Ränkespiele, die um ihn geschmiedet werden, mit Der Auserwählte eine grandiose TV-Adaption bekommen, die ab heute auf Netflix zu sehen ist.

Jodie Christianson ist zwölf Jahre alt und ein ganz normaler Junge in einer ganz normalen US-Kleinstadt. Doch seine einfache Kindheit endet abrupt, als Jodie einen Unfall mit einem Truck ohne einen einzigen Kratzer überlebt. Ein Wunder – oder gar ein sicheres Zeichen dafür, dass Jodie der wiedergeborene Erlöser Jesus Christus ist? Als Jodie noch mehr Dinge tut, die ihm eigentlich unmöglich sein sollten, ist in seinem Leben und seiner Stadt plötzlich nichts mehr wie zuvor: Religiöse Fanatiker, Kirche, Politiker und geldgierige Vermarkter, ganz zu schweigen vom Militär, beginnen sich für den Jungen zu interessieren. Die wenigsten haben dabei mehr als ihre eignen Interessen oder gar das Wohl des Jungen im Kopf – dabei sieht die Welt dem Untergang entgegen und bräuchte ganz dringend einen Heiland.

Mark Millar und Peter Gross stellen faszinierend und enorm unangenehm die Frage: Was würde eine Gesellschaft, die ganz real ihren eigenen Untergang durch Gier und Raubbau an der Umwelt vorantreibt, tun, wenn ihr ein Erlöser geschenkt würde? Zudem war es Millar immer ein Anliegen – ob in Kick-AssJupiters’s LegacyGenosse Superman oder Wolverine – zu hinterfragen, ob und wie sich Helden von ihrer Macht und der sie umgebenden Welt korrumpieren lassen. Dieses Gedankenspiel treibt er in American Jesus auf die Spitze, denn der Messias wäre doch wohl der größte aller Helden, selbst wenn er kein Cape trägt …

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