In einem ersten Schritt werden im Herbst und Winter 2026 zehn MS-Zentren und MS-Schwerpunktzentren, die sich freiwillig für die Pilotphase gemeldet haben, die 34 definierten Anforderungen auf ihre Prozesse und Dokumente in der eigenen niedergelassenen Praxis bzw. Klinik anwenden und ihre Ergebnisse dokumentieren. Jeweils ein unabhängiger Fachexperte und ein Auditor werden die Ergebnisse in der Pilotphase vor Ort überprüfen und den Zentren Feedback geben. Umgekehrt erhält auch die Zertifizierungskommission Rückmeldungen über die Anwendbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Anforderungen unter realen Bedingungen.
Neu: Überprüfung durch unabhängige Fachexperten und Auditoren
Mit dem neuen Zertifizierungssystem passt die DMSG die bisherige, auf Selbstauskunft beruhende Auszeichnung an die Anforderungen des Institutes für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) an und sorgt damit für eine noch bessere Orientierung bei der medizinischen Versorgung von Menschen mit MS und ihren Angehörigen.
Unabhängige Zertifizierungsstelle sorgt für standardisierten Ablauf
Durch die Einbeziehung von ClarCert als unabhängiger Zertifizierungsstelle hat die DMSG einen im Gesundheitswesen erfahrenen Anbieter an ihrer Seite, der das Verfahren von der Antragstellung bis zur Empfehlung zur Zertifikatserteilung durch den Zertifizierungsausschuss begleitet. ClarCert schult zudem Fachexperten darin, den Anforderungskatalog gemeinsam mit einem erfahrenen Auditor und den antragstellenden Zentren zur Verbesserung der Versorgung in der Praxis einzusetzen.
Professor Lutz Harms, Vorsitzender der Zertifizierungskommission, äußert sich zur Zielsetzung des neuen Zertifizierungssystems: „Es ist ein zentrales Anliegen der DMSG zusammen mit der DGN, dem KKNMS, dem BDN und den Patientenvertreterinnen (Bundesbeirat MS-Erkrankter) die Situation von Menschen mit MS nachweisbar zu verbessern und den behandelnden Zentren die dafür notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Dazu möchte die DMSG die bereits vorhandenen Maßnahmen zur Qualitätsdarlegung, Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung zusammen mit den bereits jetzt von der DMSG ausgezeichneten Zentren intensivieren.”
34 Anforderungen an die Zentren im Erhebungsbogen
Die Anforderungen an die Zentren sind in drei Abschnitte mit insgesamt 34 Unterpunkten gegliedert. Darin werden die Struktur bzw. Organisation, die Prozesse und die sektorenübergreifende Versorgung adressiert. Generell orientiert sich der Kriterienkatalog hinsichtlich Diagnose und Therapie an der Multiple Sklerose-Leitlinie der DGN. Darüber hinaus sind die Zusammenarbeit mit dem MS-Register der DMSG, wie bisher, sowie die enge Zusammenarbeit mit den DMSG-Landesverbänden verpflichtend. Die Anforderungen sind in Muss-, Soll- und Kann-Kriterien mit Hilfe eines Farbcode eingeteilt, sodass auch für die Zentren eine schnelle Orientierung möglich ist.
Professor Dr. med. Ralf Gold, Vorsitzender des Ärztlichen Beirats der DMSG weist insbesondere auf die Verbesserung für die Menschen mit MS hin: „Persönlich glaube ich, dass die Anerkennung und fachliche Tiefe des Zertifikats letztlich gestärkt werden und damit auch der Versorgung unserer MS-Patientinnen und -patienten zusätzlich dienen wird.“
„Für uns Menschen mit MS sind die festgelegten Anforderungen und das dahinterstehende Überprüfungssystem ein wichtiger Garant für eine qualitativ hochwertige und umfassende Versorgung”, so Daniela Rogall, stellvertretende Vorsitzende des Bundesbeirates MS-Erkrankter. „Gerade in der derzeit angespannten gesundheitspolitischen Lage geben uns die von den Zentren zu erfüllenden Standards Sicherheit und Vertrauen. Sie gewährleisten in der immer komplexer werdenden Therapie unserer Erkrankung, dass wir unabhängig von den regionalen Gegebenheiten verlässlich Zugang zu einer kompetenten, bedarfsgerechten und kontinuierlichen Versorgung erhalten,“ ergänzt Annelie Märker, ebenfalls Mitglied des Bundesbeirats MS-Erkrankter und gemeinsam mit Daniela Rogall Kommissionsmitglied.
Pilotphase als Praxistest
„Die Pilotphase gibt uns die Möglichkeit, gemeinsam mit den Pilotzentren den erarbeiteten Anforderungskatalog zu testen und wichtige Rückmeldungen aus den Zentren zu erhalten. Uns liegt sehr daran, die bisherige gute Zusammenarbeit mit den ausgezeichneten MS-Zentren, die für die Versorgung der MS-Erkrankten bundesweit notwendig sind, fortzusetzen und weiterzuentwickeln. Wir schätzen die Arbeit sowohl in den niedergelassenen Praxen als auch in den stationären Einrichtungen für die Menschen mit MS sehr”, erklärt Professor Judith Haas, Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes.
Transparente Informationen auf den Websites von DMSG und ClarCert
DMSG und ClarCert werden auf ihren Websites über die neuen Kriterien und das neue Verfahren transparent informieren. Auch für Patientinnen und Patienten werden die Anforderungen nachvollziehbar erläutert.
Der DMSG-Bundesverband e.V., 1952/1953 als Zusammenschluss medizinischer Fachleute gegründet, vertritt die Belange Multiple Sklerose Erkrankter und organisiert deren sozialmedizinische Nachsorge.
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft mit Bundesverband, 16 Landesverbänden und derzeit mehr als 750 örtlichen Kontaktgruppen ist eine starke Gemeinschaft von MS-Erkrankten, ihren Angehörigen, mehr als 3380 engagierten ehrenamtlichen Helfern und 220 hauptberuflichen Mitarbeitern. Insgesamt hat die DMSG 42.000 Mitglieder.
Mit ihren umfangreichen Dienstleistungen und Angeboten ist sie heute Selbsthilfe- und Fachverband zugleich, aber auch die Interessenvertretung MS-Erkrankter in Deutschland. Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes ist Christian Wulff, Bundespräsident a.D.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark), die zu Störungen der Bewegungen, der Sinnesempfindungen und auch zur Beeinträchtigung von Sinnesorganen führt. In Deutschland leiden nach Zahlen des Bundesversicherungsamtes mehr als 280.000 Menschen an MS. Trotz intensiver Forschungen ist die Ursache der Krankheit nicht genau bekannt.
MS ist keine Erbkrankheit, allerdings spielt offenbar eine genetische Veranlagung eine Rolle. Zudem wird angenommen, dass Infekte in Kindheit und früher Jugend für die spätere Krankheitsentwicklung bedeutsam sind. Welche anderen Faktoren zum Auftreten der MS beitragen, ist ungewiss. Die Krankheit kann jedoch heute im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Deutschlandweit sind schätzungsweise 280.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt, weltweit etwa 2,9 Mio. Menschen.
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