Wissenschaft trifft Theater: Vom 6. bis 9. November 2019 findet als Kooperation zwischen Deutschlands größtem Science Center, der experimenta in Heilbronn, und dem Theater Heilbronn erstmals das internationale Festival »Science & Theatre« statt, das sich mit den Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Theater auseinandersetzen wird.

Teil des Festivals ist ein Dramenwettbewerb für noch nicht ur- oder im deutschsprachigen Raum erstaufgeführte Theatertexte, die sich einem gesellschaftlichen Diskurs im Kontext der modernen Wissenschaften, insbesondere der Naturwissenschaften und Technik, stellen. 27 Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland haben sich an dem Dramenwettbewerb unter der Themenstellung „Der optimierte Mensch“ beteiligt, darunter 22 aus dem deutschsprachigen Raum und fünf aus dem Ausland. Elf Einsendungen gingen von Autorinnen ein. Alle Stücke wurden anonym von einer fünfköpfigen Jury beurteilt Die drei besten Dramen werden in szenischen Lesungen während des Festivals vom Schauspielensemble des Theaters Heilbronn vorgestellt: »Schwarze Schwäne« von Christina Kettering (D); »Girl in the Machine« von Stef Smith (GB) und »Endstation Leben« von Charles Way (GB). Das preisgekrönte und mit 5000 Euro dotierte Gewinner-Stück hat in der darauffolgenden Spielzeit als Inszenierung des Theaters Heilbronn im spektakulären Science Dome der experimenta Premiere. Welches Stück gewonnen hat, darüber entscheidet neben der Jury auch das Publikum. Auch Platz 2 und 3 werden ausgezeichnet und sind mit jeweils 2000 Euro dotiert. Die Autorinnen und Autoren sind zu den Lesungen und zu Nachgesprächen des Festivals eingeladen.

Dieser Wettbewerb versteht sich als Initialzündung und Förderung für Autoren, die sich mit dem Thema Wissenschaft auf der Bühne auseinandersetzen. Er wird ebenso wie das gesamte Festival von der Dieter-Schwarz-Stiftung gefördert.

Zu den drei Siegerstücken
»Endstation Leben« von Charles Way (Theaterstückverlag München)Deutsch von Anke Ehlers

Der junge Journalist Simon kommt ins Haus des berühmten Künstlers Charles, der ihm ein Exklusiv-Interview versprochen hat. Eine große Chance für Simon, denn Charles scheut gewöhnlich jeden Kontakt zur Außenwelt. Simon ist beeindruckt von dem eindrucksvollen Anwesen des Künstlers, das durch die Kombination von technischer Raffinesse und künstlerischer Gestaltung sofort besticht.

Bald aber wird ihm bewusst, dass hier etwas nicht so läuft, wie es sollte. Simon bekommt es mit der Angst zu tun, doch er muss feststellen, dass er bereits ein Gefangener ist: Das prächtige Haus stellt sich als Ort heraus, an dem skrupellose Genforscher ihn und Charles als Versuchskaninchen festhalten, um an das Geheimnis des ewigen Lebens zu kommen.

In seinem Stück "Endstation Leben" setzt sich Charles Way intensiv mit der Frage auseinander, welche moralische Herausforderung wissenschaftliche Erkenntnisse für uns bedeuten und wo die Grenze zwischen Erfolgen und Gefahren der Genforschung verläuft.

»Girl in the Machine« von Stef Smith (Verlag S. FISCHER Theater & Medien)Deutsch von Valerie Melichar

Polly und Owen haben’s raus. Beruflich erfolgreich und total verliebt, fühlen sie sich bereit, es mit der Welt aufzunehmen – und nach Pollys jüngster Beförderung kann das Leben kaum noch besser werden. Aber als eine geheimnisvolle neue Technologie sich in ihr Leben schleicht, die Entspannung und Erholung vom anstrengenden Alltag verspricht, wird ihre Welt auf den Kopf gestellt.

Während sich die Grenze zwischen Realität und Virtualität rasch auflöst und die Menschen anfangen sich zu wehren, sehen sich Polly und Owen mit der Frage konfrontiert, ob sie sich einig sind in ihren Vorstellungen von Leben und Freiheit.

“Girl in the Machine holds up a vision of the future that poses vital questions of our time… This is a play that gets in to your head.” (Edinburgh Guide)

»Schwarze Schwäne« von Christina Kettering (Drei Masken Verlag)In Christina Ketterings neuem Stück »Schwarze Schwäne« werden Fragen rund um das Thema humanoide Roboter aufgeworfen. Als die jüngere Schwester sich entscheidet, selbst für die pflegebedürftige Mutter zu sorgen, kämpft sie mit der Überforderung. Kurzerhand besorgt die ältere Schwester einen humanoiden Pflegeroboter namens Rosie, der ihr unter die Arme greifen soll. Was anfangs als Entlastung wahrgenommen wird, kippt schnell in Eifersucht und Missgunst, denn Rosie nimmt immer mehr Raum ein. Es kommt zur Katastrophe.

Christina Kettering behandelt in ihrem Stück die Vor- und Nachteile des Einsatzes von Robotern in der Pflege. Sie blickt in einen Abgrund, der von der Wissenschaft oft ausgeblendet wird.

Mitglieder der Jury sind Agnes Christner, Kulturbürgermeisterin der Stadt Heilbronn, Dr. Wolfgang Hansch, Geschäftsführer der experimenta, Axel Vornam, Intendant des Theaters Heilbronn, Andreas Frane, Chefdramaturg des Theaters Heilbronn, und Kenan Bromann, Bereichsleiter Technik/Science Dome der experimenta.

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