»Schlaraffenland öffnete plötzlich seine Pforten.« Mit diesen Worten beschrieb der Antiquar Walter Zadek die Berge von Büchern, die ihm und anderen Händlern 1946/1947 in Prag und einigen böhmischen Schlössern zum Kilo-Preis angeboten wurden. Unter ihnen waren zahllose Bestandsfragmente jüdischer Bibliotheken, als Reste des NS-Kulturgutraubs Symbol der Zerstörung jüdischer Kultur in Europa. Das DLA bewahrt den Nachlass eines Chronisten dieser Situation: H.G. Adler, 1942 nach Theresienstadt deportiert, überlebte Auschwitz und ein Außenlager von Buchenwald. 1945 nach Prag zurückgekehrt, fand er sich inmitten von Bibliotheksruinen wieder, deren »rechtmäßige Eigentümer zum größten Teil gemordet und zum kleineren Teil in aller Welt verstreut sein mögen«. Bücher aus Adlers Besitz veranschaulichen die Überlieferungswege von Büchern aus Privatsammlungen, von denen Caroline Jessen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, in ihrem Vortrag berichtet. Ob und wie sich die Kafka-Sammlung Hartmut Binders einfügt in den Zusammenhang des NS-Bücherraubs, der Verfolgung von Jüdinnen und Juden in Prag unter deutscher Besatzung und des Antiquariatsmarkts nach 1945, wird ebenfalls Thema sein.

Das Beispiel der Bücher aus Prag macht deutlich – ausgehend von Karl Wolfskehls Kontrastierung des privaten Sammelns und den Aufgaben öffentlicher Bibliotheken – welche Schwierigkeiten der Erwerb privater Büchersammlungen für Forschungsbibliotheken mit sich bringt. Die Geschichten der erhaltenen Bücher aufzuarbeiten, ist nicht zuletzt deswegen schwierig, weil Sammlerinnen und Sammler Ankaufsquellen nur selten dokumentieren. Zur Herausforderung wird dies, wo öffentliche Bibliotheken im Gegensatz zu privaten Sammlern im Kontext der NS-Raubgutforschung zur Transparenz aufgefordert sind.

Die Veranstaltung findet am 30. November um 17 Uhr im Kilian-Steiner-Saal (Archivgebäude) statt. Um Anmeldung wird gebeten: bibliothek@dla-marbach.de.

 

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