• Herausforderung trotz Job-Turbo und „Get Work in Germany”
  • Forderung nach flexibler Anerkennung von beruflichen Qualifikationen
  • Zeitarbeit als Schlüssel zur Integration – Reformen gefordert

Seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 haben über eine Million Menschen Zuflucht in Deutschland gesucht, davon sind mehr als 716.000 im erwerbsfähigen Alter. Zu diesen Geflüchteten gehören Iryna, Alexander und Andrii. Inzwischen haben sie in der Nähe von Wilhelmshaven eine feste Unterkunft gefunden und arbeiten dort als Zeitarbeitskräfte für ein Logistikunternehmen.

Damit gehören sie einer Minderheit an, denn bisher gehen nur 150.000 der Ukraine-Geflüchteten einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung oder einem Minijob nach. Der Bundesregierung ist diese Zahl deutlich zu niedrig und die Quote derjenigen, die Bürgergeld beziehen, zu hoch.

In den nächsten Monaten werden etwa 400.000 Personen ihre Integrationskurse absolvieren und stehen als Arbeitskräfte zur Verfügung. Aufgrund der EU-Massenzustromrichtlinie, die in Deutschland im § 24 des Aufenthaltsgesetzes umgesetzt ist, ist für sie kein Asylverfahren erforderlich.

Netzwerken für den Job-Turbo

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat deshalb den „Job-Turbo” gestartet: Im Oktober letzten Jahres hat der Arbeitsminister große Konzerne, Zeitarbeitsfirmen und Branchenverbände von einer Selbstverpflichtung überzeugt, künftig verstärkt Geflüchtete aus der Ukraine einzustellen. Jeder Geflüchtete, der einen Integrationskurs abgeschlossen hat, soll konkrete und verbindliche Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt erhalten.

Um die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen, plant die Bundesregierung eine intensivere Betreuung durch die Bundesagentur für Arbeit. Dabei ist die enge Vernetzung von Wirtschaft, Kommunen, Geflüchtetenorganisationen und Weiterbildungsträgern vorgesehen, um die Menschen schnell in Arbeit zu bringen.

„Get Work in Germany” mit der Bundesagentur für Arbeit

Dafür hat die Bundesagentur für Arbeit unter anderem die Aktionstage „Get Work in Germany” organisiert. Hier haben interessierte Ukrainer die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen mit deren Einstiegs-, Praktikums- und Qualifizierungsmöglichkeiten in einer kompakten Stunde hautnah kennenzulernen – online und Präsenz. Die Veranstaltungsreihe wird auf Unternehmerseite sehr positiv bewertet.

Nicole Munk, Geschäftsführerin von SYNERGIE Personal: „Integration und soziale Teilhabe erfolgen über Arbeit. Doch es braucht die richtigen Anreize und eine Willkommenskultur. Gerne möchten wir in den nächsten Jahren viele Geflüchtete aus der Ukraine einstellen. Doch wenn sie weiter auf diesem Niveau Bezüge erhalten, ohne zu arbeiten, wird das schwierig. Die Politik muss weitere Anreize schaffen, um die Menschen in Arbeit zu bringen.”

Durch eine sparsame Haushaltsführung kommen viele Geflüchtete mit dem aktuell gezahlten Bürgergeld aus: Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern erhält monatlich zwischen 1.200 Euro und 1.500 Euro, abhängig vom Alter der Kinder. Eine vierköpfige Familie kann mit einem Betrag zwischen 1.700 und 1.900 Euro rechnen. Zusätzlich übernimmt das Jobcenter die Kosten der Unterkunft, darunter Miete, Nebenkosten und Heizung – sofern sie in einem angemessenen Rahmen sind.

„Die Bundesregierung sollte dringend die Fördertöpfe optimieren", betont Philipp Geyer, CEO von RGF Staffing. Er empfiehlt einen Wechsel von der Incentivierung für Nicht-Arbeiten hin zu Fördermitteln für Betriebe, damit sie attraktive Gehalts- und Lohnpakete schnüren können. RGF habe in den vergangenen zwei Jahren bereits ohne diese Hilfen und trotz hoher Attraktivität für das Nicht-Arbeiten über 1.000 Ukrainer in Arbeit vermittelt. „Mit den richtigen Rahmenbedingungen ist ein Vielfaches möglich”, ist Philipp Geyer überzeugt. Gleichzeitig warnt er: „EU-Arbeitskräfte und ukrainische Zuwanderer werden jedoch nicht ausreichen, um den Bedarf an Arbeitskräften in Deutschland zu decken.”

Zeitarbeit kann die Arbeitsmarktprobleme lösen

Auch Niklas Krenz, Geschäftsführer von headwaypersonal, erwartet mehr als nur den Job-Turbo vom Staat: „Die Politik muss Bürokratie abbauen und Hürden im Arbeitsmarkt senken”. Niklas Krenz wünscht sich eine Transformation des gesamten Arbeitsmarkts: „Wir müssen Weiterbildungs- und Qualifizierungskonzepte entwickeln, doch nur wenn die Kundenunternehmen diesen Weg mitgehen, kann es gelingen.” Als positives Beispiel nennt er multinationale Teams im Mittelstand: „Noch vor ein paar Jahren war dies undenkbar.”

Insgesamt sei ein Umdenkprozess dringend notwendig: Die Integrationskurse haben als Ziel das Sprachniveau B1. Das bedeutet: „einfache Kommunikation im Alltag”. Dieses Level reicht in der Regel nicht aus für eine Integration in den Beruf. Zudem haben mehr als Hälfte der Lernenden den Integrationskurs abgebrochen, dies geht aus einem Prüfbericht an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hervor, das heißt viele Ukrainer sprechen die deutsche Sprache nur rudimentär. Chris Hauenstein, Vorstand der meteor Personaldienste, bestätigt dies: „Die Sprachbarriere und der Beschäftigungsdruck der Regierung werden maßgeblich darüber entscheiden, wie erfolgreich der Job-Turbo sein wird.”

Iryna, Andrii und Alexander sprechen wenig Deutsch, einen Integrationskurs haben sie bisher nicht besucht. Obwohl sie schon anderthalb Jahre in Deutschland sind, war es ihnen bisher nicht möglich, einen Platz in einem Kurs zu ergattern, da diese schnell ausgebucht und die Wartelisten lang sind. Dennoch haben sich die drei bisher gut mit ihren Englischkenntnissen beholfen. Das gilt auch für das Logistikzentrum: Zwar sind dort die Arbeitsanweisungen hauptsächlich auf Deutsch, doch Iryna, Andrii und Alexander erhalten tatkräftige Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen.

Wie die nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt gelingen kann

Doch ein internationales Logistikunternehmen hat eine andere Sprachbarriere als viele mittelständische Betriebe. „Die Initiative der Regierung ist gut, doch es braucht weitere Anreize”, ist sich Martin Klingen, Mitglied der Geschäftsführung bei der Gi Group, sicher: „Viele Geflüchtete aus der Ukraine beabsichtigen, nur so lange in Deutschland zu bleiben, bis der Krieg zu Ende ist. Die Bundesregierung sollte Initiativen entwickeln, die Bleibeperspektive verbessern und wirtschaftliche Anreize schaffen. Dazu gehört auch die schnellere Anerkennung von Berufsabschlüssen. Denn der Arbeitsmarkt braucht dringend qualifizierte Fachkräfte.”

Trotz schwächelnder Konjunktur prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über 1,7 Millionen offene Stellen. Im Jahr 2023 wurde der Beschäftigungsaufbau in Deutschland ausschließlich durch ausländische Arbeitskräfte realisiert. Besonders Zeitarbeitsunternehmen und Personaldienstleister haben sich als Spezialisten in der Integration ausländischer Arbeitskräfte bewährt. Schon im Juli 2023 titelte die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Broschüre „Entwicklungen in der Zeitarbeit”: „Die Zeitarbeit bietet somit offenbar für Ausländer eine gute Einstiegsmöglichkeit in den deutschen Arbeitsmarkt." Der Anteil der Zeitarbeitnehmer mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag im Jahresdurchschnitt 2022 mit über 40 Prozent dreimal so hoch wie bei den Beschäftigten insgesamt (14 Prozent).

Mark Pollok, CEO von Trenkwalder Group: „Wir sind Experten in der Personalbeschaffung und in der Vermittlung von Arbeits- und Fachkräften aus dem Ausland – die Politik kann uns dabei unterstützen, indem sie § 40 (1) 2. Aufenthaltsgesetz abschafft, sodass wir Personaldienstleister auch außerhalb der EU rekrutieren können.” Dem stimmt Andreas Brohm, Geschäftsführer von iperdi, zu: „Wir suchen und finden Mitarbeiter für unsere Kunden, und das sollte so unkompliziert wie möglich sein.”

Weitere Informationen

Gegründet 2019, ist das Unternehmerbündnis Zeitarbeit ein Zusammenschluss von Qualitätsdienstleistern in Deutschland. Die beteiligten Unternehmen verfolgen das Ziel, interessierten Unternehmen, politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren Einblicke in die betriebliche Praxis der Zeitarbeitsbranche zu geben.

UNTERNEHMERBÜNDNIS ZEITARBEIT
Maistraße 31
80337 München
www.unternehmerbuendnis.de

Über die DEKRA Arbeit GmbH

Die DEKRA Arbeit Gruppe gehört zu den erfolgreichsten Personaldienstleistungsunternehmen in Deutschland. Als Teil der Business Unit Personnel des DEKRA Konzerns unterstützt die DEKRA Arbeit GmbH seit 1998 sowohl Kundenunternehmen als auch Arbeitnehmer bei der qualifizierten Berufs- und Personalplanung. Kern des Dienstleistungsangebots bildet ein vermittlungsorientiertes Modell klassischer Arbeitnehmerüberlassung, das den Mitarbeiterbedarf auf Unternehmensseite mit attraktiven Jobperspektiven für Zeitarbeitnehmer verknüpft. Wie gut dieser partnerschaftliche Ansatz funktioniert, zeigen nicht zuletzt Auszeichnungen wie „Great Place to Work 2012“, „Deutschlands Kundenchampion 2014“ oder der vom Focus-Magazin verliehene Titel „TOP Personaldienstleister 2014“.

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