Die Diskussion über das Wittwer-Gebäude in Stuttgart gibt aus Sicht der Architektenkammer Baden-Württemberg Anlass, grundsätzlicher über die Herausforderung „Stadtumbau“ nachzudenken. „Es geht um mehr als ein einzelnes Projekt“, sagt deren Präsident Markus Müller. Informations- und Diskussionsveranstaltung am 1. Juli 2026, 19 Uhr, in StadtPalais Stuttgart

„Seit Anfang des 19. Jahrhunderts denken Generationen von Stadtplanerinnen und Architekten über das Vis-a-vis des Neuen Schlosses nach“, erinnert AKBW-Präsident Müller. Ob als Kirche auf einer Ebene zum Schloss oder als um fünf Meter erhöhter Deckel über einem Autobahnkreuz – der „Kleine Schlossplatz“ war stets Experimentierfeld der Stadtplanung. In der nutzungsgetrennten Stadt sollte er Auftakt einer Passerelle sein, die sich am Konzept der „Stadtlandschaft“ von Hans Scharoun orientierte. Die Passerelle ist längst abgerissen. „Was Generationen vor uns mit deren jeweiligen Idealen der Stadt beschäftigte, bleibt eine Aufgabe für uns“, so Müller. Wir denken heute dezidiert anders über innerstädtische Nutzungsmischung, öffentlichen Raum, Topografie, Stadtreparatur, Bezahlbarkeit und Ressourcenschonung.

Wo, wenn nicht am Schlossplatz, mitten im „Herz von Stuttgart“, müsse die gesamte Komplexität verhandelt werden, so Müller. Eine Debatte über das „Wittwer-Haus“ verweigere sich geradezu einer Verengung auf einzelne Fragmente des Betrachtungsraums. Sie gebe vielmehr Anlass, über dieses „Herz der Stadt“ im Dialog der Stadtgesellschaft zu diskutieren. Dass Investor und Verwaltung dafür offen seien, begrüßt die Architektenkammer Baden-Württemberg ausdrücklich. Die AKBW ging früh auf eine Gesprächsanfrage von Eigentümer und Stadt ein und empfahl, dem Realisierungswettbewerb für ein neues/erneuertes Gebäude eine städtebauliche Phase voranzustellen, in der eine Idee für das komplexe Umfeld gefunden werden soll. Abweichend von den ursprünglichen Überlegungen ist nun ein konkurrierendes Planungsverfahren mit einem städtebaulichen Ideenteil angedacht, das von dem renommierten Hamburger Büro Luchterhand & Partner vorbereitet und koordiniert werden wird.

Die Architektenkammer Baden-Württemberg und die FÜNF Stuttgarter Kammergruppen veranstalten am 1. Juli ab 19 Uhr im StadtPalais eine öffentliche Diskussion unter dem Titel „Nachdenken über das Herz der Stadt“. Hier wird über den Sachstand informiert, hier sind vertiefende Statements zu einzelnen Aspekten geplant, hier kommen alle fachlichen Positionen zu Wort.

Die AKBW versteht sich als Plattform für Sach- und Fachargumente. Sie vertritt 26.000 Mitglieder aller Disziplinen – Architekt:innen UND Stadtplaner:innen. Markus Müller: „Es spricht vieles gegen einen Abriss des Wittwer-Gebäudes. Und es spricht ebenso einiges dafür, die Chance zur Stadtbild-Korrektur zu ergreifen. Aber definitiv alles spricht dafür, miteinander zu reden im Geiste jener Haltung, die der Philosoph Hans-Georg Gadamer als Voraussetzung für echte Gespräche ansieht – in dem Bewusstsein, dass der andere auch recht haben könnte.“

Weitere Infos zu
„Wittwer / Kleiner Schlossplatz – Nachdenken über das ‚Herz der Stadt‘“:
www.akbw.de/…

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