Der Rohstoff für das nächste Bier wird in diesem Jahr knapper und ungleichmäßiger. Laut dem Bericht „Sommergerste Europa“ der Braugersten-Gemeinschaft e.V. vom Juli 2026 standen in Deutschland 287.000 Hektar Sommergerste im Feld, nach 308.000 Hektar im Vorjahr. Wer die Folgen im eigenen Sudhaus auffangen will, braucht vor allem eine verlässliche Temperaturmessung, wie sie der Ratgeber zum digitalen Braumeister-Thermometer für die Temperaturkontrolle beschreibt. Für Hobbybrauer, Mälzereien und kleine Brauereien in ganz Europa verschiebt sich damit die Ausgangslage des Braujahrgangs 2026.

Wie sich die Anbauflächen in den europäischen Anbauländern verschoben haben

Die Braugersten-Gemeinschaft e.V. besteht seit 1950 als Bundesverband der Wertschöpfungskette Braugerste und veröffentlicht regelmäßig Saatenstands- und Ernteberichte. Der Bericht bildet den Stand der Saaten von Ende Juni 2026 ab und stammt von Dagmar Hofnagel, Korrespondentin der agrarzeitung. Die Zahlen zeigen kein einheitliches Bild, sondern ein starkes Gefälle zwischen den Ländern.

  • Deutschland: 287.000 Hektar Sommergerste 2026 gegenüber 308.000 Hektar 2025, dazu 13.000 Hektar Herbstaussaat.
  • Frankreich: 630.000 Hektar 2026 gegenüber 680.000 Hektar 2025, davon 210.000 Hektar im Herbst gesät.
  • Großbritannien: 590.000 Hektar 2026 gegenüber 717.000 Hektar 2025.
  • Dänemark und Schweden: 580.000 beziehungsweise 230.000 Hektar, beide nahezu unverändert.

Warum die Hitze Ende Juni die Kornqualität verändert hat

Hitze in der Kornfüllungsphase entscheidet über zwei Größen, die jedes Malz prägen: die Sortierung, also den Anteil großer Körner, und den Eiweißgehalt. Nach Angaben der Braugersten-Gemeinschaft beeinträchtigte in Frankreich eine Kombination aus Hitzewellen und Wasserstress Ende Mai und Mitte Juni die Kornfüllung. Erwartet werden dort geringe Sortierungen und ein hoher Proteingehalt, die Ernteerwartung sank auf rund 3,3 Mio. t und damit um etwa 17 Prozent unter den Vorjahreswert.

In Großbritannien fielen laut demselben Bericht in weiten Teilen Englands im ersten Halbjahr nur 20 bis 40 Prozent der erwarteten durchschnittlichen Niederschläge, im Juni kamen in Südengland Rekordtemperaturen dazu. Der Bericht nennt eine Erwartung von 3,2 Mio. t bis 3,5 Mio. t nach 4,1 Mio. t im Vorjahr. In Tschechien erreichten die Temperaturen fast 42 Grad, weshalb dort ein kleineres Tausendkorngewicht erwartet wird.

Was der Jahrgang für Malzpreise und Beschaffung bedeutet

Malzpreise entstehen am Rohstoffmarkt, und der reagierte im Sommer 2026 verhaltener als die Erntemeldungen vermuten lassen. Die Braugersten-Gemeinschaft nennt für Anfang Juli fob-Preise in Dänemark von 216,00 Euro je Tonne bis 218,00 Euro je Tonne auf Basis Oktober 2026. Franko Oberrhein wurden im selben Bericht 225,00 Euro je Tonne bis 230,00 Euro je Tonne aufgerufen. Als Gegengewicht wirken ein Überhang aus der alten Ernte, ein geringerer Bierkonsum und stillgelegte Mälzereien.

Wer im Hobbykeller mit dem neuen Jahrgang arbeitet, merkt den Unterschied weniger am Preis als an der Schüttung. Ein Rezept, das die Eigenheiten einzelner Malze vorführt, ist das Bierrezept auf Basis von Münchner Malz mit seiner kräftigen Farbe und Malzsüße. Malzsorten reagieren unterschiedlich auf schwankende Eiweißwerte, weshalb sich ein Vergleich zwischen zwei Jahrgängen lohnt.

„Ein Erntejahr mit hohem Eiweiß ist kein schlechtes Braujahr, es ist ein anderes. Wer die Rasten anpasst und misst statt schätzt, holt aus diesem Malz genauso ein sauberes Bier heraus“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Woran Hobbybrauer den neuen Jahrgang im Sudhaus erkennen

Hoher Eiweißgehalt im Malz zeigt sich beim Brauen an drei Stellen: an einer trüberen Würze, an stärkerem Schaumverhalten im Kessel und an einer Läuterung, die länger dauert als gewohnt. Eine Eiweißrast bei rund 50 Grad und eine sorgfältig gehaltene Verzuckerungsrast gleichen einen Teil davon aus. Genaue Temperaturmessung ist dabei die Voraussetzung, weil schon zwei Grad Abweichung das Verhältnis der Enzyme verschieben.

Der Braujahrgang 2026 verlangt damit vor allem Aufmerksamkeit beim Einkauf. Wie stark die Junihitze am Ende durchgeschlagen ist, klärt sich für Hobbybrauer im September 2026 erst mit den Analysewerten der ersten Malzchargen – die Richtung gibt der kleinere europäische Anbau bereits vor.

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