Erwerbstätigkeit mit und trotz MS ist die Regel
MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die häufig im jungen Erwachsenen diagnostiziert wird – in einer Lebensphase, in der berufliche Entwicklung, finanzielle Sicherheit und persönliche Perspektiven eine Rolle spielen. Entsprechend groß ist die Verunsicherung. Die Annahme „Mit MS kann ich bald nicht mehr arbeiten“, entspricht jedoch nicht der Realität. Daten aus dem MS-Register von 2023 für Baden-Württemberg zeigen, dass zwei Drittel aller MS-Erkrankten uneingeschränkt ihrer aktuellen Tätigkeit nachgingen. Vom restlichen Drittel hatten 38 Prozent ihre Tätigkeit reduziert, 62 Prozent hatten sie unterbrochen oder ganz aufgegeben. Damit bleibt die Mehrheit der Menschen mit der MS-Diagnose im Erwerbsleben – oft sogar bis zum Renteneintritt.
Individuelle Lösungen ermöglichen den Joberhalt
Der Verlauf einer MS-Erkrankung variiert stark von Mensch zu Mensch. Viele Betroffene haben über Jahre hinweg nur geringe Einschränkungen. Aber Symptome wie Fatigue (abnormale Erschöpfung), Sehstörungen, Konzentrationsprobleme oder motorische Einschränkungen können den Arbeitsalltag beeinflussen. Dazu kommt, dass bestimmte Situationen wie Schichtdienst, extreme Temperaturen oder Reisetätigkeiten unter Umständen nicht mit der Krankheit
vereinbar sind. Oft können Anpassungen im Arbeitsumfeld helfen: flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, ergonomische Hilfsmittel oder zusätzliche Pausen. Viele MS-Erkrankte entwickeln Strategien, um mit den Herausforderungen umzugehen und um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Offenheit gegenüber dem Arbeitgeber und den Kollegen kann helfen, passende Lösungen zu finden.
Aufklärung und Unterstützung
Berufliche Teilhabe ist ein wichtiger Faktor für Lebensqualität und Selbstbestimmung. AMSEL e.V. setzt sich dafür ein, Vorurteile abzubauen und realistische Perspektiven zu vermitteln. Wenn aufgrund der fortschreitenden Erkrankung Veränderungen unerlässlich sind, hilft AMSEL, alternative Wege aufzuzeigen und berät auf sozialer, sozialrechtlicher und medizinisch-therapeutischer Ebene. Sowohl Erkrankte als auch ihre Arbeitgeber finden Informationen über rechtliche Ansprüche, Fördermöglichkeiten und konkrete Anpassungen am Arbeitsplatz unter www.amsel.de
AMSEL – wer ist das?
Die AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. ist Fachverband, Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für MS-Kranke in Baden-Württemberg. Die Ziele der AMSEL: MS-Kranke informieren und ihre Lebenssituation nachhaltig verbessern. Der AMSEL-Landesverband hat rund 7.200 Mitglieder, rund 60 AMSEL-Gruppen und 15 Junge Initiativen in ganz Baden-Württemberg. Mehr unter www.amsel.de
Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Aus bislang noch unbekannter Ursache werden die Schutzhüllen der Nervenbahnen an unterschiedlichen Stellen angegriffen und zerstört, Nervensignale können in der Folge nur noch verzögert oder gar nicht weitergeleitet werden. Die Symptome reichen von Taubheitsgefühlen über Seh-, Koordinations- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Lähmungen. Die bislang unheilbare, aber mittlerweile behandelbare Krankheit bricht gehäuft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus.
MS in Zahlen
38.000 – MS-Kranke in Baden-Württemberg
3,4 – MS-Kranke pro 1.000 Einwohner in Baden-Württemberg
2.000 – Neuerkrankungen pro Jahr in Baden-Württemberg
5 – 6 – Diagnosen täglich in Baden-Württemberg
280.000 – MS-Kranke deutschlandweit
1,2 Mio. – MS-Kranke europaweit
2,9 Mio. – MS-Kranke weltweit
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