Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, Wissenschaftler, IT-Unternehmer und ehemaliger Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom, warnt erneut vor einem Verfall der IT- Kompetenz in Deutschland und Europa. Bereits in seiner Bitkom-Amtszeit hat er ein europäisches Aktionsprogramm nach Vorbild des Airbus-Programms gefordert, damit Europa gegenüber den USA und Asien aufholen kann. Aber seine Mahnungen wie „Deutschland hat den Computer erfunden, aber stellt heute keine mehr her“ wurden wenig verstanden. So machen deutsche staatliche Stellen große Umsätze mit internationalen IT-Konzernen, ohne die deutsche IT-Industrie genügend zu stärken. Universitäten und staatlich subventionierte Forschungsorganisationen sind stolz auf ihre Kooperationen mit ausländischen Konzernen und sehen sie als „Ritterschlag“ ihrer Kompetenz, ohne zu merken, dass sie diesen damit ihre mit Steuergeldern finanzierten Forschungsergebnisse zum Nulltarif anbieten oder deren Low-cost-Forschung unterstützen.

Ein Umdenken ist dringend erforderlich, wenn Deutschland und Europa nicht noch weiter zum IT-Konsumland absinken will. „Programme und Gesetze zu Datenschutz und Datensicherheit sind wichtig, dürfen aber nicht dazu führen, dass wir nur die Rolle eines Schiedsrichters einnehmen, während andere auf dem Rasen das Spiel machen“, betont Scheer. Chancen, noch einmal erfolgreich in den Wettbewerb einzugreifen, sieht Scheer nicht nur bei neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz oder Blockchain, sondern vor allem in deren Verwertung in neuen Geschäftsmodellen und -prozessen. „Hier sind die Karten noch nicht endgültig gemischt“, so Scheer. „Wenn wir den Mut haben, unsere Forschungsergebnisse und Prototypen auch wirklich in den praktischen Alltag umzusetzen – etwa im Bereich der Prozessautomatisierung – dann können wir uns in der IT wieder mit an die Spitze der Bewegung setzen!“

In seinem neuen Buch „Unternehmung 4.0“ zeigt Scheer auf, wie Unternehmen ihr eigenes digitales Geschäftsmodell entwickeln sowie ihre Geschäftsprozesse automatisieren können und demonstriert an seinem eigenen Innovationsnetzwerk, wie Forschung, Start-up-Unternehmen und etablierte Unternehmen erfolgreich zusammenarbeiten können.
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