Damit sich eine Gesellschaft ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst wird, braucht es Vordenker und Vorreiter – auch aus der Wirtschaft. Dieses Fazit lässt sich aus dem Rahmenprogramm der diesjährigen Mitgliederversammlung des Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) ziehen. Denn, Nachhaltigkeit lässt sich nicht top down verordnen. Um der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung gerecht zu werden und die globalen Ziele zu erreichen, müssen sich neben der Regierung auch die Zivilgesellschaft und vor allem die Privatwirtschaft engagieren. So, wie zum Beispiel die Mitglieder des IBU als Hersteller von Bauprodukten und -komponenten, die sich seit Jahren dieser Verantwortung stellen und gemeinsam das nachhaltige Bauen fördern. Dafür erhielten sie viel Lob. 

Von Ressourceneffizienz bis Kreislaufwirtschaft

„Wir bewegen uns weg vom EPD-Verein, hin zum Anbieter von Nachhaltigkeitsinformationen“, verkündete Hans Peters, Vorsitzender des IBU, zu Beginn der Veranstaltung. Das IBU wolle sich künftig breiter aufstellen und mehr Informationen über alle baubezogenen, nachhaltigkeitsrelevanten Prozesse und Anforderungen bereitstellen. Beim Thema Nachhaltigkeit, sind Akteure und Unternehmen gefragt, die Umweltmanagement betreiben, in Kreisläufen denken, Ressourcen effizient nutzen sowie Technik und Digitalisierung dynamisch voranbringen. Um genau diese Themen drehten sich die Vorträge der fünf Rednerinnen und Redner, die Nachhaltigkeit aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten.

Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, stellte zunächst die verschiedenen Handlungsfelder der Institution vor, die sich insbesondere für die Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) einsetzt und u. a. den Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP) unterstützt. In diesem Zusammenhang dankte er dem IBU ausdrücklich für die bislang bereits dreimalige Beteiligung am DNP mit der Vergabe des Sonderpreises für Ressourceneffizienz. Wenn es gelänge die deutschen Baustandards mehr in die Welt zu tragen, sei das ein Beitrag dazu, die Sustainable Development Goals (SDG), also die globalen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 in und durch Deutschland umzusetzen.

 „Das Detail im Fokus. Das Ganze im Blick. – Um diesen Slogan beneide ich Sie“, betonte Prof. Dr. Klaus Töpfer, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit a.D. Damit sei das IBU vorangegangen und habe sein Engagement in Sachen Nachhaltigkeit auf den Punkt gebracht. Töpfer stellte das „Bauen für die Zukunft einer Welt mit 9 Milliarden Menschen“ in den Mittelpunkt seiner Rede. „Stellen Sie sich auf diese volle Welt ein“, so sein Appell. Worauf es ihm zufolge ankommt, sind Ressourceneffizienz, langfristige Nutzungszeiten von Produkten, dynamische Produktentwicklungen sowie Offenheit von Grenzen und Märkten. „Wir werden uns eine lineare Wegwerfwirtschaft nicht mehr leisten können.“ Kurze Produkt-Lebenszeiten produzierten Unmengen an Abfall. Es gelte, dem entgegenzuwirken und verstärkt Kreisläufe zu schließen. Gleichzeitig verwies er darauf, dass „man kein Thema aufgreifen kann, ohne zu wissen, in welcher Welt man lebt“. Am Beispiel der Mehrwegflasche machte er deutlich, dass das, was für Deutschland richtig sei, nicht auf ein Land wie Afrika, das mit Wasserknappheit und Hygieneproblemen zu kämpfen habe, übertragen werden könne. Bei Bauwerken, die 50 Jahre überdauerten, sei es wichtig, genau zu wissen, was darin verbaut werde und welche Bauprodukte sich angesichts einer globaler werdenden Bauwirtschaft zum Beispiel für Bauwerke in Afrika eigneten.

Fundierte, digitalisierte Informationen: Wegbereiter für Nachhaltigkeit

Trine Dyrstad Pettersen vom norwegischen Verband der Baustoffindustrie lenkte die Aufmerksamkeit auf eine aktuelle Pilotstudie, das Norwegian Zero Emissions Buildings project, die belegt, dass der beim Bauen entstehende CO2-Rucksack durch Energiegewinnung während der Nutzungsphase eines Gebäudes und im Recyclingprozess ausgeglichen werden kann. Die Referentin hob dabei die Bedeutung von ökobilanzbasierten Informationen über die Umweltwirkungen einzelner Bauprodukte, sprich Umwelt-Produktdeklarationen (Environmental product declarations, kurz: EPDs), hervor. Die Erstellung von EPDs für einzelne Bauprodukte bzw. Produktgruppen gibt Unternehmen häufig den Impuls für ein weitreichenderes Engagement in Sachen Nachhaltigkeit. So werden zunehmend auch die Prozesse in den Blick genommen, um diese entlang der Wertschöpfungskette zu optimieren.

Das Eco-Management and Audit Scheme – kurz EMAS – ist ein Instrument der Europäischen Union, das Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt, ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern und zu kommunizieren. Dr. Marianne Schönnenbeck, Vorsitzende des Umweltgutachterausschusses (UGA), der sich aktiv für die Umsetzung und Verbreitung von EMAS einsetzt, sprach über verschiedene Nachhaltigkeitsinstrumente aus Produkt- sowie aus Organisationsperspektive. Für eine umfassende Nachhaltigkeitsbetrachtung im Sinne der SDG brauche es beides: Die produktbezogene Lebenszyklusanalyse, die normierte, transparente und verifizierte Daten liefert und auch ein Umweltmanagementsystem zur Validierung des Gesamtsystems.

„Die Baubranche hat in Sachen Digitalisierung noch Nachholbedarf.“ Darauf verwies Dr. Alexander Rieck vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Ein Pluspunkt sei, dass EPD-Datensätze auf IBU.data und ÖKOBAUDAT digital zur Verfügung stünden. Allerdings mangele es an Kommunikation und Rückkoppelung zwischen den an Entwurf bis Bauausführung beteiligten Akteuren. Aufgrund des Arbeitskräftemangels müssten Prozesse stärker automatisiert werden. „Überall wird künstliche Intelligenz genutzt, nur beim Bauen nicht“, beschrieb er das noch nicht genutzte Potenzial. Derweil entwickelt das IBU ein spezielles Produkt-Informationssystem, das den Herstellern ermöglicht, den unterschiedlichen Informationsansprüchen von Gebäudezertifizierungssystemen gerecht zu werden und so die Planung nachhaltiger Gebäude und deren Bewertung zu erleichtern.   

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