Winterkälte bringt immer mehr Kindern im Nordwesten von Syrien den Tod. Mindestens vier Kinder starben im Laufe der letzten Woche in inoffiziellen Notlagern, da die Temperaturen unter Null Grad fielen. Unter den Toten ist ein acht Monate alter Junge, dessen Mutter bemerkte, dass sich seine Brust nicht bewegte und seine Gesichtsfarbe sich mitten in der Nacht veränderte. Ein Arzt bestätigte später, dass der Junge im Schlaf an der Kälte starb. Dies berichten lokale Helfer, die mit der Kinderhilfsorganisation World Vision zusammenarbeiten.

"Wir fordern erneut dringend einen Waffenstillstand, damit humanitäre Hilfe die Bedürftigen erreichen kann und weiteres Sterben verhindert werden können", sagt Friedensexperte Ekkehard Forberg, der für die Kinderhilfsorganisation die Entwicklung in Syrien genau mitverfolgt.

Aktuell fliehen mindestens 6.500 Kinder jeden Tag aufgrund der Eskalation im Nordwesten aus ihren Häusern – andere sterben unter Bombenangriffen oder in eisigen Zelten. Viele flüchtende Familien sind den ganzen Tag unterwegs und suchen ohne Erfolg eine Unterkunft. Sie schlafen unter einer Plane, in Autos und in Rohbauten ohne Fenster. Die Mehrheit kann sich weder Heizungen noch Brennstoff leisten, und viele haben nicht genügend Decken oder Winterkleidung.

"Es ist etwa minus 7 Grad Celsius hier, und jeder bettelt um Zelte oder Unterkünfte, um Schutz vor der Kälte zu suchen", berichtet Ahlam, eine Schutzberaterin von World Vision in Idlib. "20 Kinder kauern zusammen in unterirdischen Lagerräumen ohne Fenster und ohne Belüftung. Sie sind seit drei Tagen auf der Flucht, krank und bekamen noch keine Decken oder Matratzen, um darauf zu schlafen, weil die Vorräte der Helfer nicht ausreichen". Ein Ehepaar, das sich mit seinen Kindern und sieben weiteren Familien dort aufhält, erzählte ihr, dass sie rund 100 Euro Miete im Monat zahlen sollten, obwohl die Wände verschimmelt seien und es keine sanitären Einrichtungen gebe.

In der letzten Woche erhielt World Vision auch Berichte über Kinder, die bei Zeltbränden starben oder die an den behelfsmäßigen Heizungen erstickten. Außerdem seien drei Kinder bei einem Erdrutsch umgekommen, als sie im Müll nach Essensresten und Stoffen zum Verbrennen suchten.

Duncan Amoyo, Gesundheitsberater im Syrien-Einsatz von World Vision betont: "Babys und Kleinkinder sind besonders gefährdet, wenn sie bei eisigem und nassem Winterwetter auf offenem Feld oder ohne angemessene sanitäre Einrichtungen leben. Viele haben aufgrund von Unterernährung ein geschwächtes Immunsystem, und wir beobachten eine steigende Zahl von Lungenentzündungen und Atemwegsinfektionen, die bei Kleinkindern tödlich sein können."

Matratzen, Küchenartikel und Hygieneprodukte, auch Wasserspeicher, Wassertransporte und Latrinen werden von World Vision und den syrischen Partnern im Rahmen der gemeinsamen Hilfsmaßnahmen bereitgestellt.

"Dennoch ist die Situation in Idlib verzweifelt und unhaltbar", sagt Ekkehard Forberg. "Die internationale Gemeinschaft darf die Augen davor nicht verschließen und muss sofort handeln, um das Leben bedrohter Kinder zu retten."

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