Seit Anfang März stehen viele Deutsche im Supermarkt vor leeren Toilettenpapier-Regalen. Selbst der Ministerpräsident unserer niederländischen Nachbarn wurde im Supermarkt zum begehrten Papierprodukt befragt. Der deutsche Handel betont: Es gibt keine Lieferengpässe. An dieser Stelle erklärt Hafen Hamburg Marketing (HHM), wie es dennoch zur empfundenen Knappheit kommt, wie die Lieferketten für Papier funktionieren, wie viel Deutschland produziert und welche Güter es hierfür einführt.

Nachfragehoch kurzfristig – Lieferketten bei hoher Produktion intakt

Deutsche Einzelhändler und Produzenten melden zurzeit eine Konjunktur des Körperhygieneprodukts. Laut Europas größtem Drogeriekonzern dm gibt es beim Toilettenpapier deutlich mehr Nachfrage als im vergangenen Jahr. Im Jahr 2019 kaufte durchschnittlich jeder Deutsche WC-Papier im Wert von 20,22 Euro. Viele greifen dabei zu den Händler-Eigenmarken. WEPA, mit 13 Werken einer der größten Hygienepapier-Hersteller Europas, produziert einige dieser Private-Label-Artikel. Der Durchschnittsverbrauch einer Person beträgt sechs Rollen im Monat. Bei Betrachtung des deutschen Gesamtverbrauchs wird sich dieser auch langfristig nicht ändern: Trotz Hamsterkäufen in der Coronakrise bleibt der Gesamtbedarf der Bevölkerung gleich. Deshalb erwarten der Verband deutscher Papierindustrie (VDP) und WEPA für die Folgezeit zunächst eine sinkende Nachfrage. Was bleiben könnte, sei ein erhöhtes Hygienebewusstsein der Verbraucher, zitiert das Handelsblatt den WEPA-Vorstandsvorsitzenden Martin Krengel.

Die Auftragsflut seit Anfang März führt bei Hygienepapier-Herstellern wie WEPA nicht zu Lieferengpässen. Auch der VDP betont, dass die Produktion und Lieferketten einwandfrei funktionieren. Selbst bei Maßnahmen wie Ausgangssperren und Grenzschließungen blieben Warenverkehr und Versorgung unbeeinträchtigt. Hierfür laufen bei WEPA die Papiermaschinen 24 Stunden am Tag. Nach der Gesundheit und Sicherheit von Mitarbeitern habe die Versorgungssicherheit höchste Priorität, bekräftigt der Vorstandsvorsitzende. Auch der schwedische Marktführer bei Hygienepapieren Essity demonstriert sein Produktionsvermögen. Kürzlich versandte er innerhalb einer Woche über 66.000 Paletten Toilettenpapier aus seinem Werk in Mannheim. Auf Essitys deutschem Twitteraccount verkündet der Hersteller von Marken wie Tempo und Zewa: Nachschub ist unterwegs. Auch im Zentrallager des mittelständischen Großhandelsunternehmen Bartels-Langness in Neumünster wird zurzeit im Zweischichtsystem und am Wochenende gearbeitet, um täglich 1500 Einzelhändler, Kioske und Tankstellen in Norddeutschland zu beliefern.

Die Toilettenpapier-Bestellungen der Filialen erfolgen normalerweise in längeren Abständen, da Lagerkapazitäten begrenzt sind und Klopapier nicht zu Waren wie Milch gehört, die häufiger gekauft werden. Durch das plötzliche Nachfragehoch gerät die bedarfssynchrone Logistikkette durcheinander: es kommt zu Verschiebungen. Aufgrund seines geringen Gewichtes und Kaufpreises ist der Lkw-Transport von Hygienepapier erst bei kurzen Anfahrtswegen zum Verbraucher von bis zu maximal 500 Kilometern profitabel. Daher braucht es viele Produktionsstätten.

Produktion, Rohstoffversorgung und Umschlag

Deutschland ist gut aufgestellt beim Toilettenpapier: Wir besitzen die größte Papierindustrie Europas. Beim weltweiten Umsatz mit Hygienepapier liegt die Bundesrepublik laut dem Statistik-Portal statista auf Platz acht, mit 4.983 Millionen Euro. Platz eins belegt China. Im Jahr 2018 erzeugte Deutschland rund 1,5 Millionen Tonnen Hygienepapier, bei einer Produktionskapazität von rund 1,6 Millionen Tonnen. Der Absatz in Deutschland betrug im Januar 129.000 Tonnen und damit 0,6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Altpapier ist seit einigen Jahren der wichtigste Rohstoff für die Papierindustrie in Deutschland. Das zur Produktion benötigte Holz stammt zum Großteil von hier. Zellstoff macht etwa 15 Prozent der verbrauchten Rohstoffe aus und wird meist importiert. Der überwiegend verwendete Kurzfaserzellstoff kam 2018 zu 45 Prozent aus Brasilien, Langfaserzellstoff fast zur Hälfte aus Schweden. Der Hamburger Universalhafen ist spezialisiert auf den Umschlag von Papier und Papierprodukten, die zum Stückgutumschlag zählen. Jährlich werden rund 8 Millionen Tonnen Pappe, Papier und Papierprodukte im Hafen umgeschlagen, davon etwa 2,5 Millionen Tonnen im Import. Papier und Papierprodukte kommen zum größten Teil in Containern verpackt in den Hafen oder werden in den genormten Stahlboxen für den Export verschifft.

Deutschland leidet also nicht unter Klopapiernot. Der Hafen, Produzenten, Lieferanten und Händler können die kurzzeitig gestiegene Nachfrage stillen.

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