„Ein Mehr an Tierwohl ist wichtig und gewinnt auch beim Verbraucher zunehmend an Bedeutung“, unterstreicht Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) die Position des Verbandes. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel hat mit seinem System www.haltungsform.de nun auch den Milchmarkt in sein vierstufiges Kennzeichnungssystem für Handelsmarkenprodukte einbezogen. Bereits zuvor hatten Verbraucher die Möglichkeit, sich z. B. über Labels auf Milch und Milchprodukten über Haltungsbedingungen von Rindern zu informieren und sich bewusst für oder gegen einen Kauf zu entscheiden.

Zunächst soll die Haltungskennzeichnung nach haltungsform.de im Markt für Konsummilch eingeführt werden. Erste Produkte liegen bereits in den Regalen des Handels. In Zukunft werden dann verschiedene Systemanbieter wie QM-Milch, DLG oder der Deutsche Tierschutzbund u. a. für das Label anerkannt und weitere Produkte mit haltungsform.de gekennzeichnet.

Den Mitteilungen der Handelshäuser ist zu entnehmen, dass man in kurzer Zeit möglichst viel Milch aus den höheren Stufen 3 und 4 bekommen will und gleichzeitig niedrige Stufen ausgeschlossen werden. Ein Wettlauf um den höchsten Standard und die Verbrauchergunst hat begonnen, die dafür benannten Zeiträume sind je nach Handelshaus unterschiedlich bemessen.

Milcherzeuger und Molkereien stehen für eine Weiterentwicklung im Sinne des Tierwohls und sind bereit, hier auch zu investieren. Zum Thema Anbindehaltung hat sich der Milchindustrie-Verband bereits 2020 klar positioniert: In der Branchenstrategie Milch haben sich die Verbände zum Auslaufen der Anbindehaltung bis 2032 bekannt und die amtliche Statistik weist auf ein Auslaufen dieser Haltungsform hin. Ein ähnlicher Übergangszeitraum für die ganzjährige Anbindehaltung wird nun auch von der neuen Koalition benannt und gibt daher gerade den betroffenen häufig kleinen Milcherzeugern die Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten. Die Molkereien werden alles dafür tun, dass die Milch auch aus anderen Haltungsstufen einer guten Vermarktung zugeführt wird.

Klar ist aber auch: Ein hohes Maß an Tierwohl kann es nicht zum Nulltarif geben. „Wir erwarten daher auch, dass sich Handel und somit die Verbraucher entsprechend an den höheren Produktionskosten für Milcherzeuger und Molkerei beteiligen werden“, sagt Stahl. Denn auch ohne die vier neuen Stufen gibt es bereits heute eine große Menge an verschiedenen Milchsorten. Sammelwagen fahren jeweils für Kleinstmengen ins gleiche Gebiet, es müssen mehr kleinere Tanks gebaut werden, das verursacht Kosten auch auf Molkereiebene. Die Herausforderung wird daher für jede Molkerei individuell sein, welche Milchmengen für die jeweiligen Stufen vorhanden sind.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass Deutschland die Hälfte seiner Milchprodukte im Ausland verkauft, wo rein nationale Systeme wie haltungsform.de keine Rolle spielen und auch nicht vergütet werden.

Der Milchindustrie-Verband vertritt die Molkereien und ist aktiv in der Weiterentwicklung von QM-Milch sowie durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in die Arbeit zum staatlichen Tierwohllabel eingebunden. „Eine große Herausforderung wird daher in Zukunft sein, wie eine Koexistenz der Wirtschaftsinitiativen und ein staatliches Tierwohllabel zusammenpassen werden, ohne Milcherzeuger und Vermarkter zu überfordern“, merkt der MIV-Vorsitzende an.

Über den Milchindustrie-Verband e.V.

Der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) repräsentiert rund 80 leistungsstarke private, genossenschaftliche und multinationale Unternehmen der deutschen Milch- und Molkereiwirtschaft. Mit rund 27 Milliarden Euro Jahresumsatz ist die Milchindustrie der größte Bereich der deutschen Ernährungsbranche.

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