Erstmals für Duisburg wurde in der Helios St. Anna Klinik die Kardiokapsel Micra eingesetzt. Bei bestimmten Vorerkrankungen bietet sie dieselben Vorzüge eines „großen“ Herzschrittmachers, ist bei gleichzeitig verbesserter Sicherheit aber von außen „unsichtbar“ und vor allen Dingen: kabellos.

Das Herz von Johannes Gith war aus dem Takt geraten – und damit auch sein Leben. Schwindel und Luftnot hielten ihn davon ab, spazieren zu gehen und in seinem geliebten Garten zu arbeiten. „Mir ging es sehr mies. Ich war kaum belastbar und hätte mich nach dem Aufstehen sofort wieder hinlegen können. In den Beinen habe ich massiv Wasser eingelagert“, erinnert er sich. An der Helios St. Anna Klinik in Duisburg-Huckingen wurde der 84-Jährige gründlich durchgecheckt. Die Diagnose: Bradykardie. „Dabei handelt es sich um eine langsame Herzrhythmusstörung. Das Herz von Herrn Gith schlug nur rund 27 Mal pro Minute. 60 bis 80 Schläge im Ruhezustand sind für einen Erwachsenen normal“, erklärt Michael Klyszcz, Oberarzt der Kardiologie am St. Anna. 

Eine klare Indikation für einen Herzschrittmacher. Das Gerät sendet elektrische Impulse ans Herz. Bei jedem Impuls zieht sich der Herzmuskel zusammen und schlägt so wieder im richtigen Takt. Konventionelle Schrittmacher sind in etwa so groß wie ein Streichholzbriefchen und werden unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut implantiert. Bei ihnen wird der Impuls durch zwei Kabel, sogenannte Sonden oder Elektroden, übermittelt, die durch eine größere Vene bis ins Herz geschoben werden.

„Die Elektroden sind gleichzeitig auch die Schwachstelle der konventionellen Schrittmacher und hätten für Herrn Gith zum Problem werden können“, so Klyszcz. „Bei bestimmten Vorerkrankungen, zu denen beispielsweise Diabetes, Nierenschwäche oder eine erhöhte Infektanfälligkeit zählen, ist das Risiko von Infektionen, bei denen Bakterien im schlimmsten Fall auch aufs Herz übergreifen können, erhöht. Herr Gith leidet zudem unter einer Undichtigkeit der rechten Herzklappe, die durch das Hindurchführen der Elektrode zusätzlich belastet worden wäre.“

Doch glücklicherweise hat der Kardiologe, der im September 2021 ans Anna wechselte, von seiner vorherigen Wirkungsstätte das Know-how und die Zulassung zur Implantation der Kardiokapsel „Micra“, dem kleinsten Herzschrittmacher der Welt, mitgebracht. Neben einem Spezialtraining sind regelmäßige Erfahrungen aus konventionellen Herzschrittmacherimplantationen, im Umgang mit Zugängen zu den großen Blutgefäßen sowie im Notfallmanagement erforderlich, um das Gerät einsetzen zu dürfen.

Mit der Größe einer Vitamintablette lässt die Kardiokapsel sich über einen Katheter von der Leiste bis ins Herz schieben. Dort wird sie mit winzigen Ärmchen aus Titan in der Herzwand verankert und gibt den elektrischen Impuls über einen Pol an der Spitze des Gerätes ab. „Das ging ratzfatz. In der Leiste hat es ein wenig gedrückt, ansonsten habe ich nichts gemerkt“, fasst Gith den rund 30-minütigen Eingriff unter lokaler Betäubung aus Patientensicht zusammen. Umso bemerkenswerter sind schon wenige Tage später die Folgen des Eingriffs: „Es geht mir endlich wieder gut. Ich kann Spaziergänge unternehmen und taste mich auch wieder an die Gartenarbeit heran. Außerdem habe ich rund 10 Kilogramm Wasser aus den Beinen verloren.“

Und auch der Kardiologe zeigt sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Herr Gith wird ihm in Erinnerung bleiben. Nicht nur, weil der Wedauer der erste Duisburger mit der Kardiokapsel ist, sondern weil auch die kleinsten Herzschrittmacher der Welt halbjährlich mit einem Abfragegerät kontrolliert und kardiale Ereignisse ausgelesen werden. Wie bei einem konventionellen Schrittmacher hält die Batterie auch bei der Kardiokapsel rund 10 Jahre lang. Angenehmer kosmetischer Nebeneffekt: Anders als „der große Bruder“ ist die Kardiokapsel von außen nicht sichtbar.     

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