in halbes Jahr nach dem Erdbeben in der syrisch-türkischen Grenzregion ist die Situation vor Ort immer noch extrem angespannt. Dies berichtet Anita Starosta, Referentin für Syrien und Türkei bei der Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international, nachdem sie kürzlich von einem Besuch im türkischen Erdbebengebiet zurückgekehrt ist. Allein in der Türkei sind bis heute über 5 Millionen Menschen auf direkte Hilfe angewiesen, Hunderttausende leben unter schwierigen Bedingungen in Containern und Zeltlagern. Die Aufräumarbeiten liefen schleppend, von Wiederaufbau sei bisher nichts zu sehen. Besonders eklatant seien die Missstände in Gebieten, wo ethnische oder religiöse Minderheiten, zum Beispiel Kurden, Aleviten, Armenier oder arabische Christen leben.

Aufgrund der strukturellen Diskriminierung bei der staatlichen Verteilung der Hilfe seien es in diesen Gebieten zunehmend lokale und zivile Organisationen, die das Notwendige organisieren. Mehrere Partnerorganisationen von medico koordinieren ein Netzwerk zivilgesellschaftlicher Hilfsorganisationen, die beispielsweise eine Suppenküche in Antakya betreiben oder psychosoziale Beratung für Frauen in Adiyaman organisieren. Sie versorgen die kurdische oder alevitische Bevölkerung, aber auch andere Minderheiten. Auch die Zeltlager der syrischen Geflüchteten erreichen sie. "Es gilt weiterhin: Die Hilfe muss endlich alle erreichen, es darf zu keinen Ausschlüssen oder sogar Verfolgungen aufgrund von Herkunft oder politischer Einstellung kommen. Doch die Diskriminierung gegen einen Großteil der kurdischen Bevölkerung und andere Minderheiten geht auch ein halbes Jahr nach dem Erdbeben weiter", so Starosta.

Auch in Nordsyrien ist die Lage weiter katastrophal. Im Juli wurde der einzige Grenzübergang für UN-Hilfsgüter erneut geschlossen, so dass Hilfsorganisationen zur Kooperation mit dem Assad-Regime gezwungen werden und die humanitäre Lage in Idlib sich erneut verschärft. Die Rehabilitierung des Diktators schreite laut Starosta über die Hilfe voran, Assad instrumentalisiere diese für politische Zwecke. In Syrien und in der Türkei fehle es außerdem an Unterstützungsangeboten mit langfristiger Perspektive. "Es bedarf der psychosozialen Betreuung Überlebender, sozialer Angebote in den Notlagern und der medizinischen Versorgung, auch in abgelegenen Regionen."

 

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