Es ist soweit: Die Zugvögel sind unterwegs. Zweimal im Jahr legen unzählige Vögel Tausende von Kilometern rund um den Erdball zurück. Jetzt geht es Richtung Winterquartier – und im Frühjahr zurück ins Brutgebiet. Dabei sind Orientierung und Navigation der Zugvögel ein komplexes Gefüge. Viele Faktoren greifen ineinander, damit die Vögel nicht vom Weg abkommen. Angeborene Mechanismen und erworbene Lernprozesse sind eng miteinander verwoben. Denn die Vögel nutzen beispielsweise einen inneren Magnetkompass. Sie haben damit sozusagen eine eigene geomagnetische Landkarte, um den Kurs zu halten. Je nachdem, ob sie nachts fliegen – so wie Kuckuck, Nachtigall oder Rotkehlchen – oder tagsüber – so wie Kranich, Weißstorch und Star – richten sie sich zusätzlich nach dem Stand der Sterne oder der Sonne. Mit solchen Raffinessen ausgestattet, finden Zugvögel jedes Jahr ihre Rastgebiete wieder: etwa den Galenbecker See und das 250 Quadratkilometer große Niedermoor Friedländer Große Wiese nahe des Guts Klepelshagen der Deutschen Wildtier Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern. Tausende Kraniche, Gänse und Enten futtern sich dort an Grünpflanzen wie auch Kleinlebewesen satt und nutzen den See als sicheren Schlafplatz.  

Erfahrene Vielflieger erkennen aus der Luft auch Landmarken wie Flüsse oder Gebirgszüge, an denen sie sich orientieren, um bei starkem Wind nicht vom Weg abzukommen. „Zugvögel müssen sich an Windstärke und Windrichtung anpassen – wer das gut kann, hat Vorteile“, sagt Lea-Carina Mendel, Ornithologin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Eine Studie mit besenderten Küstenseeschwalben zeigte, dass Brutpopulationen derselben Art an unterschiedlichen Orten unterschiedliche Verhaltensweisen aufwiesen. So nutzten Seeschwalben aus Spitzbergen auf ihrer Route den stärkeren Rücken- und Seitenwind, ließen sich vom Wind treiben und flogen auf ihrem Weg in die Antarktis längere Wege über den offenen Ozean als ihre Verwandten aus den Niederlanden. Die blieben enger an der Küstenlinie Afrikas, weil die Windstärke dort geringer war. „Forscher gehen davon aus, dass die Seeschwalben aus Spitzbergen künftig auf klimatisch bedingte Windveränderungen besser reagieren als ihre Artgenossen von der Nordseeküste – denn sie haben bereits Erfahrungen sammeln können“, sagt Mendel. 

Ob, wann und wohin ein Vogel zieht, ist zum großen Teil genetisch festgelegt – das haben Untersuchungen gezeigt: Grasmücken, die in Volieren lebten, schlugen im Frühjahr und Herbst mit den Flügeln und bewegten sich in eine Richtung, die ihrer natürlichen Zugrichtung entsprach. Dennoch gibt es Vögel, die ihre Zugroute erst erlernen müssen. Im Falle der Waldrappe aus dem Projekt des Waldrappteams Conservation & Research übernehmen die Flugausbildung sogar Menschen: 35 von Hand aufgezogene Waldrappe aus Baden-Württemberg prägen sich in diesem Jahr erstmalig die rund 2 300 Kilometer lange Flugstrecke nach Andalusien ein. Dies gelingt ihnen mithilfe ihrer menschlichen Zugführerinnen und Zugführer, die in einem Ultraleichtflugzeug vor ihnen herfliegen. Im nächsten Frühjahr finden die Jungvögel ihre Zugroute dann in der Regel allein. Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt das Projekt mit GPS-Sendern. Mit ihnen kann der Zug der Waldrappe genau dokumentiert werden. 

Der bestmögliche Abflugtermin der Zugvögel hängt von den Faktoren Tageslänge, Temperatur und Wetter ab. Und während Gänse auf ihrem langen Weg in geordneter V-Formation gemeinsam fliegen, verlässt ein junger Schreiadler das Nest Richtung Afrika allein. Viele Gefahren muss er auf seinen rund 10 000 Flugkilometern bewältigen – aber das ist eine andere Geschichte.

Tipp: Mit der App Animal Tracker (https://www.icarus.mpg.de/4331/animal-tracker-app) kann man die Flugrouten der Waldrappe und vieler anderer Arten verfolgen und selbst Zugvogelbeobachtungen melden.

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