Woran man einen Herzinfarkt erkennt, was im Ernstfall zu tun ist und welche Risikofaktoren man selbst beeinflussen kann, erklärt der Coswiger Kardiologe Dr. Robert Flieger im Interview.

Mehr als 300.000 Menschen im Jahr erleiden in Deutschland einen Herzinfarkt. Doch was passiert dabei im Körper genau? Was sind die Risikofaktoren und Ursachen für einen Herzinfarkt und wie kann man im Ernstfall helfen? Antworten auf diese Fragen hat Dr. Robert Flieger, Chefarzt für Kardiologie und Angiologie im MEDICLIN Herzzentrum Coswig. 

„Bei einem Herzinfarkt kommt es zum Untergang von Herzmuskelgewebe, in der Regel dadurch, dass eine akute Durchblutungsstörung einsetzt. Diese Durchblutungsstörung wird meist durch eine Enge, eine sogenannte Stenose der Herzkranzgefäße ausgelöst“, sagt Flieger. Mit Untergang von Herzmuskelgewebe ist gemeint, dass das Gewebe abstirbt. „Klassische Ursache für die zum Herzinfarkt führenden Gefäßveränderungen ist das Rauchen. Aber: Die Koronare Herzkrankheit (KHK), die zu einem Herzinfarkt führen kann, ist ein sogenanntes polyfaktorielles Geschehen. Das heißt es gibt unterschiedliche Faktoren, die die Entwicklung einer KHK begünstigen, etwa Bluthochdruck, Diabetes, genetische Veranlagung“, erklärt Flieger.
Welche Folgen ein Herzinfarkt habe, sei abhängig von der Schädigung des Herzens durch den Infarkt. Je mehr Herzmuskelgewebe abgestorben sei, desto schlechter werde die Pumpleistung des Herzens. „Es entsteht eine Herzschwäche, im schlimmsten Fall mit Rhythmusstörungen und akutem Herzversagen.“

Zeit ist Herz: im Notfall schnell reagieren
Beim Herzinfarkt gilt es, so früh wie möglich zu reagieren. Denn: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto mehr Schaden kann man verhindern. Jedoch sei es manchmal nicht so einfach, den Herzinfarkt zu erkennen, erzählt Flieger: „Der Herzinfarkt ist ein Chamäleon. Es gibt klassische Symptome wie linksseitige Brustschwäche mit Ausstrahlungsschmerz in Arm oder Rücken, Brustschmerzen und Brustenge, andere Symptome sind Luftnot, Oberbauchschmerzen, Hals- oder Zahnschmerzen“, sagt Flieger. Die Symptome unterscheiden sich außerdem je Geschlecht, bei Frauen sind diese viel unspezifischer: „Wenn eine Frau von Rückenschmerzen oder Herzrasen bei Belastung spricht, wird das leider oft nicht gleich ernst genommen.“ 

Wer bei sich selbst oder einem Angehörigen einen Herzinfarkt vermutet, sollte sofort den Rettungsdienst informieren.  „Wenn Brustenge oder Brustschmerzen auftreten, die länger als fünf bis zehn Minuten anhalten oder sogar stärker werden, ist das immer ein Notfall. Die Schlagworte akuter Brustschmerz oder akute Luftnot lösen beim Rettungsdienst sofort eine Rettungskette aus“, sagt Flieger. Doch wie begleite ich meinen Angehörigen in der Zeit bis der Rettungsdienst da ist? „In der Regel sollte sich der Betroffene ruhig verhalten, also etwa eine halbsitzende oder liegende Position einnehmen. Angehörige sollten immer beim Betroffenen bleiben, versuchen, zu beruhigen und im Notfall bei einem Kreislaufzusammenbruch auch eine Reanimation beginnen. Eine gute Herz-Druck-Massage kann ganz viel Schaden abwenden, auch wenn man sich nicht traut, den Betroffenen gleichzeitig zu beatmen“, erklärt Flieger. 

Sauerstoff, EKG, Blutabnahme: was in der Notaufnahme passiert
„In der Notaufnahme oder Chest-Pain-Unit wird der oder die Betroffene sofort untersucht. Das heißt, es wird ein EKG geschrieben, bei Luftnot erhält er oder sie Sauerstoff und es wird Blut abgenommen“, erzählt Flieger. Wenn sich die Diagnose Herzinfarkt bestätigt, wird der bzw. die Betroffene direkt in das Herzkatheterlabor gebracht. „Erkennt man beim Herzkatheter einen Herzkranzgefäß-Verschluss wird dieses auch sofort wieder eröffnet − durch Ballonaufdehnung oder auch durch das Einsetzen eines sogenannten Stents, einer Gefäßstütze, die das Gefäß wieder gut offen hält“, sagt der Kardiologe. „Sollten wir ein schwer verändertes Herzkranzgefäßsystem mit chronischen Verschlüssen finden oder sehr komplexen Gefäßveränderungen, die mit dem Herzkatheter nicht behandelt werden können vorliegen, ist unter Umständen eine Bypass-Operation nötig.“ 

Reha nach Herzinfarkt: wie sie die Prognose verbessert
In der Reha geht es nicht nur um die körperliche Wiederherstellung der Betroffenen. „Vielmehr ist nach einem Herzinfarkt wichtig, dass der Patient oder die Patientin weiß, woher dieser kam und auf welche Symptome man achten muss. Auch zu verstehen, ob eine Lifestyle-Änderung nötig ist oder  warum man bestimmte Medikamente regelmäßig einnehmen muss, ist wichtig, um die eigene Prognose zu verbessern“, sagt Flieger.

Podcast-Staffel: Gesundheitsratgeber von MEDICLIN-Expert*innen für Betroffene
Das gesamte Interview zum Thema Herzinfarkt können sich Interessierte im MEDICLIN-Podcast anhören. In der fünften Staffel „Ihr Gesundheitsratgeber“ klären MEDICLIN-Expert*innen über verschiedenste Krankheiten auf. Die Folgen erscheinen im zweiwöchigen Rhythmus. Zu hören sind sie auf Podcast-Plattformen wie Apple, Spotify, Google Podcasts, Deezer und Amazon Music. Die aktuelle Folge „Herzinfarkt“ finden Interessierte auch auf der Übersichtsseite: https://www.mediclin.de/…

Über das MEDICLIN Herzzentrum Coswig
Das MEDICLIN Herzzentrum Coswig ist ein interdisziplinäres Zentrum für kardiovaskuläre Medizin. Unter einem Dach vereint das Herzzentrum die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, die Klinik für Kardiologie und Angiologie sowie die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Die im Jahre 1998 eröffnete Klinik verfügt über 113 Betten und beschäftigt rund 340 Mitarbeiter*innen.

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