Wenn ein Dachstuhl brennt, ein Auto in den Graben gerutscht ist oder jemand aus einer misslichen Lage gerettet werden muss, stehen sie ganz besonders im Mittelpunkt: die vielen Ehrenamtlichen im Vogelsbergkreis, die in den verschiedenen Hilfsorganisationen tätig sind. Doch wenn es um Brandabschnitte, technische Hilfe oder die Koordination von Rettungsmaßnahmen geht, tritt ein wichtiger Faktor in den Hintergrund. Denn dass die Handgriffe an den Einsatzstellen sitzen, ist keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr dokumentieren sie viele Stunden der Trainings- und Ausbildungsarbeit, die im Vogelsbergkreis von insgesamt 110 ehrenamtlichen Ausbildern geleistet wird.

Am Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr in Schlitz kommen aktuell einige Stunden hinzu. Denn dort absolvieren knapp 30 angehende Einsatzkräfte die „Truppmannausbildung Teil 1“ – oft auch „Grundausbildungslehrgang“ genannt. Sie ist die erste für dieses Jahr und gehört somit zu den rund 40 Seminaren und Lehrgängen, die an den acht Standorten in Alsfeld, Grebenhain, Herbstein, Homberg, Lauterbach, Mücke, Schlitz und Schotten angeboten werden. In Schlitz vor Ort ist an diesem Wochenende Kreisbrandmeister Andreas Leinweber, der für die Ausbildung im Kreisgebiet mitverantwortlich ist.

Dort stehen an den fünf Wochenenden die Grundlagen für die Feuerwehrarbeit im Mittelpunkt, berichtet Kreisbrandmeister Leinweber. Die Teilnehmer bekommen zum Beispiel theoretische und rechtliche Hintergründe erläutert, lernen die persönliche Schutzausrüstung, die Löschtechnik oder technische Hilfeleistung kennen und absolvieren einen Erste-Hilfe-Kurs. „Wenn die angehenden Einsatzkräfte die Leistungsnachweise erbracht haben, verfügen sie über alle grundlegenden Techniken und Fähigkeiten, die für den aktiven Dienst in der Feuerwehr nötig sind“, berichtet Leinweber. Die Truppmannausbildung Teil 1 ist aber auch die Voraussetzung für weitere Lehrgänge, um mit diesen das Aufgabenspektrum zu erweitern. „Später kann man beispielsweise den zweiten Teil des Grundlehrgangs absolvieren, den Sprechfunklehrgang machen oder Atemschutzgeräteträger werden“, erläutert Leinweber weitere Ausbildungsschritte.

An einer langen Steckleiter aufgereiht lernen die Teilnehmer nun zuerst einmal Knoten und Stiche kennen. Und was unscheinbar aussieht, ist für die Feuerwehrarbeit elementar. Denn beim Retten, Löschen, Bergen und Schützen kommt man nicht ohne sie aus. Besonders dann nicht, wenn es – so wie beim Lehrgang in Schlitz – ernst wird und die Selbstrettung sowie der Einsatz der Steckleiter auf dem Programm stehen.

Generell sind Eigensicherung und Sicherheit für die anderen Kameraden bei Übungen und besonders im Einsatz ganz wichtige Ausbildungsbestandteile, berichtet Kreisbrandmeister Leinweber. „Das fängt bei der persönlichen Schutzausrüstung und der Zusammenarbeit im Trupp an und hört bei der richtigen Nachbereitung des Einsatzes auf“, merkt er an. Denn alle wollen unbeschadet von Übung oder Einsatz zurück nach Hause kommen.

Umfassendes Lehrgangsangebot

Das steht auch für die insgesamt 764 Ehrenamtliche aus Vogelsberger Wehren im Vordergrund, die im vergangenen Jahr einen der rund 40 Lehrgänge absolviert haben. „An unseren Lehrgangsstandorten bieten wir ein umfassendes Angebot für zukünftige und erfahrene Einsatzkräfte an, das bei Bedarf angepasst und verändert wird“, berichtet Leinweber. Und nennt als Beispiel einen Lehrgang, der speziell auf die Technische Hilfe und Brandbekämpfung bei Bahnunfällen zugeschnitten ist.

In Schlitz endet der Lehrgang am Wochenende, „und wir freuen uns schon jetzt darüber, die neuen Einsatzkräfte – natürlich nach bestandener Prüfung – in den Reihen der Vogelsberger Feuerwehrfamilie begrüßen zu können“, sagt der Kreisbrandmeister und appelliert zum Mitmachen: „Unsere Feuerwehren im Vogelsbergkreis freuen sich über zusätzliche Einsatzkräfte, die sich im Ehrenamt engagieren, und bei den Lehrgängen auf Kreisebene viel Neues entdecken und lernen wollen“, sagt Leinweber. Auch Kreisbrandinspektor Marcell Büttner ist „stolz über die so große Zahl von Ausbilderinnen und Ausbildern, die sich weit über das normale Maß hinaus engagieren und einbringen, damit die Einsatzkräfte im Vogelsberg gut ausgebildet sind“, ergänzt er abschließend.

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