Hermann Hesses „Steppenwolf“ ist DER Sinnsucher schlechthin und  eine der wichtigsten literarischen Figuren des 20. Jahrhunderts. Generationen von jungen Menschen hat dieser Roman in ihrer eigenen Findungsphase geprägt. Harry Haller, dieser hochsensible Mensch, erfährt die Verzerrungen und Entgleisungen seiner Epoche so sehr am eigenen Leib, dass er daran krankt. In die Abgründe seiner eigenen Gedanken aber wagt er nicht hinab zu sehen. Malte Kreutzfeldt, der in Heilbronn bereits „Die Buddenbrooks“ nach Thomas Mann inszenierte, bringt nun die Theaterfassung dieses Romans auf die Große Bühne des Theaters Heilbronn. Er ist in Personalunion für Regie, Bühne und Musik verantwortlich. Premiere ist am  19. Januar um 19.30 Uhr. Stefan Eichberg spielt Harry Haller, genannt der Steppenwolf.

Zum Inhalt
„Es war einmal einer names Harry, genannt der Steppenwolf. Er ging auf zwei Beinen, trug Kleider und war ein Mensch, aber eigentlich war doch eben ein Steppenwolf. Er hat viel von dem gelernt, was Menschen mit gutem Verstand lernen können, und war ein ziemlich kluger Mann. Was er aber nicht gelernt hatte, war dies: mit sich und seinem Leben zufrieden zu sein.“ So beginnt der „Tractat vom Steppenwolf“, den Harry Haller eines Abends von einer mysteriösen Person zugesteckt bekommt und dessen anonymer Verfasser ihn bestens zu kennen scheint. „Nur für Verrückte“ lautet die Unterzeile. Wenn verrückt – ver-rückt, also im Ungleichgewicht bedeutet, dann ist Harry Haller, ein hochsensibler Mann von Ende 40, ver-rückt.

Er leidet an der Krankheit der Zeit; der Krieg ist gerade vorbei und schon taumelt eine besinnungslose Gesellschaft, die die Millionen von Toten und zerstörten Städte schon verdrängt zu haben scheint, der nächsten vielleicht noch schlimmeren Katastrophe entgegen. Harry fühlt sich wie ein Fremdkörper in dieser Welt, deren Freuden er nicht zu teilen vermag und deren geistlose Zufriedenheit er ablehnt. Harry leidet auch an seiner persönlichen Zerrissenheit. „Er verachtet den Bourgeois und lebt doch ganz und gar bürgerlich“, berichtet der Tractat über ihn.  Die eine Hälfte, die er als wölfische an sich selbst fürchtet, will fressen, saufen und sich ganz den animalischen Gelüsten hingeben, die andere Hälfte, die er als menschlich anerkennt, will denken, lesen, schreiben und Mozart hören. „Bei dem armen Kerl sind Mensch und Wolf Todfeinde“, macht sich der Tractat lustig. Die eine Seite in ihm hasst die jeweils andere und vergällt ihm so alle Freude. Er ist unwirsch und in höchstem Maße ungesellig, verkriecht sich in seine Bücher und trinkt. Der Selbstmord scheint ihm die einzige Rettung aus dieser unerträglichen Zerrissenheit zu sein. Da begegnet ihm Hermine, eine faszinierende und schöne junge Frau, die ihn einfach an die Hand nimmt und sagt: „Du wirst sehen, dass das Leben kinderleicht ist.“  Sie findet, dass Harry viel zu wenig verrückt ist, befiehlt ihm, tanzen zu lernen und die Frauen zu lieben. Ganz langsam führt sie ihn zu einer mutigen und aufrichtigen Begegnung mit sich selbst und den vielen abgründigen Facetten seiner Persönlichkeit. Ein Höllentrip – im Magischen Theater – nur für Verrückte – der Eintritt kostet den Verstand.

Seismograph
Hermann Hesse gilt als „Autor der Krise“, als ein Dichter, der sich schreibend einer quälenden Selbstanalyse unterzog, immer auf der Suche nach der eigenen, der wirklichen Identität. Den „Steppenwolf“ begann er 1925 in Basel und vollendete ihn 1927 in Zürich. Wie ein hochempfindlicher Seismograph spürte er bereits die Erschütterungen, die das Herannahmen der nächsten gesellschaftlichen Katastrophe ankündigten, und es machte ihn krank. In dieser Stimmung, die auch von privaten Depressionen, derentwegen er sich der Psychoanalyse unterzog, geprägt war, schuf er mit der Geschichte des Harry Haller nicht nur ein schonungsloses Zeit-, sondern auch ein Selbstporträt. Nicht von ungefähr trägt die Hauptfigur seine Initialen, heißt das weibliche Alter Ego Hermine und erinnert an Hallers Jugendfreund Hermann. „Der Steppenwolf“ bewegt sich in einem eigentümlichen Zwischenreich zwischen Traum, Vision und Wirklichkeit und erfuhr unterschiedlichste Beurteilungen – von schärfster Ablehnung bis zu größter Verehrung –  letzteres vor allem durch die Jugend – von Generation zu Generation neu.

Archaischer Theaterabend über eine faustische Sinnsuche
Harry Haller hat nicht nur zwei Seelen in seiner Brust, sondern Hunderte, die alle ihre Berechtigung haben. Den Weg der Erkenntnis dahin vergleicht Regisseur Malte Kreutzfeldt mit einer „faustischen Sinnsuche“. Mit jedem Verstehen werden neue Türen aufgestoßen, hinter denen unbekannte Räume liegen, die es zu erkunden gilt. Diese Sinnsuche möchte Kreutzfeldt in einem analogen, archaischen Theaterabend nacherlebbar machen. Auf der leeren Bühne werden Orte und Situationen über Lichtinstallationen, über Klangflächen und den Einsatz von Bühneneffekten geschaffen –  leicht und kraftvoll zugleich. Kreutzfeldt wünscht sich dadurch, einen Raum für eigene Bilder erzeugen zu können und einen Ort der Magie, der junge und die ältere Generation gleichermaßen berührt.

Malte Kreutzfeldt, geboren 1969 in Lübeck, studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Nach seiner Abschlussinszenierung wurde er Oberspielleiter in Quedlinburg/Halberstadt. Dort entstanden über zehn Schauspielproduktionen, und mit Händels „Cesare in Egitto“ gab er in der Spielzeit 2002/03 auch sein Operndebüt. Seitdem ist er freischaffend tätig. Am Opernhaus Kiel inszenierte er Waits/Wilsons „The Black Rider“, am Staatstheater Darmstadt anlässlich des Büchner-Jahres 2013 dessen drei Dramen „Woyzeck“, „Leonce und Lena“ und „Dantons Tod“. 2016 brachte er Henriette Dushes „In einem dichten Birkenwald, Nebel“ zur Uraufführung und wurde mit dieser Arbeit zu den Autorentheatertagen an das Deutsche Theater Berlin eingeladen. Seine Bearbeitungen von Tolstois „Krieg und Frieden“ sowie von Bulgakows „Meister und Margarita“ werden vom Verlag der Autoren in Frankfurt/M. verlegt. Aus einer langjährigen Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmakademie in Berlin ist unter anderem die DVD „Faszination Film“ mit Daniel Brühl und Jana Pallaske entstanden. Außerdem drehte er Imagefilme für die Industrie und nahm Lehraufträge für Lichtdesign wahr. In der Spielzeit 18/19 inszeniert er Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ am Theater Potsdam, Hermann Hesses „Steppenwolf“ am Theater Heilbronn sowie eine eigene Bearbeitung von Victor Hugos „Die Elenden“ am Schauspiel Kiel.

Premiere am 19. Januar 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus, Theater Heilbronn
Der Steppenwolf
Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Hesse
Für die Bühne eingerichtet von Joachim Lux

Regie/Bühne/Musik: Malte Kreutzfeldt
Kostüme: Elisabeth Weiß
Choreografie: Barbara Buck
Dramaturgie: Sophie Püschel

Harry Haller: Stefan Eichberg
Hermine: Sonja Isemer
Pablo/Mozart: Sven-Marcel Voss
Maria: Malin Kemper
Goethe: Sabine Unger
Professor/Loering: Frank Lienert-Mondanelli
Gustav/seltsamer Mann: Gabriel Kemmether
Die Unsterblichen: Ensemble
Tanzpaare: Statisterie

Weitere Vorstellungstermine: 26. Januar 2019, 29. Januar 2019, 30. Januar 2019 (18 Uhr),
6. Februar 2019, 20. Februar 2019, 22. Februar 2019 – jeweils um 19.30 Uhr  mit Ausnahme des 30. Jan.

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