• Die konjunkturelle Erholung in Euroland legt eine Verschnaufpause ein. Nach zuletzt fünft Anstiegen in Folge gibt der sentix Konjunktur-Gesamtindex für Euroland marginal um -0,3 Punkte ab.
  • Die Lagewerte verbessern sich hingegen weiter, während sich der Erwartungsindex auf erhöhtem Niveau um zwei Punkte setzt. Ein nennenswertes Gefahrenelement ergibt sich hieraus bislang nicht, trotzdem ist die Rezession noch nicht überwunden. Für Deutschland sieht es etwas besser aus als für das gesamte Euro-Wirtschaftsgebiet.
  • Positive Entwicklungen gibt es vor allem aus Asien ex Japan zu berichten. Dort verzeichnen die Konjunkturindizes weiterhin dynamische Zuwächse. Auch für die USA lichten sich die Wolken, was dem Trump-Lager im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl gelegen kommen dürfte.

Kommentierung der Umfrageergebnisse von Oktober 2020

Asien zieht weiter an, Euroland stagniert

Die konjunkturelle Erholung in Euroland legt im Oktober eine Verschnaufpause ein. Nach zuletzt fünft Verbesserun-gen in Folge gibt der sentix Konjunktur-Gesamtindex für Euroland marginal um -0,3 Punkte auf -8,3 Punkte nach. Die Lagewerte verbessern sich hingegen weiter und erreichen den höchsten Stand seit März 2020. Ein nennenswertes Gefahrenelement ergibt sich aus den Daten kurzfristig nicht, da sich die Erwartungsindex trotz Rückgang um 2 Punkte auf erhöhtem Niveau behaupten. Für Deutschland sieht es etwas besser aus als für das gesamte Euro-Wirt-schaftsgebiet. Positive Entwicklungen gibt es vor allem aus Asien ex Japan und den USA zu berichten.

Euroland: Erholung eingebremst? Nein!

Der Aufholprozess der Konjunktur in Euroland kann im Oktober nicht seine Rallye der letzten Monate fortsetzen. Nach zuletzt fünf Anstiegen in Folge gibt der Gesamtindex um -0,3 Punkte ab. Das Ergebnis erscheint auf den ersten Blick enttäuschend, die Serie scheint gestoppt. Trotzdem sollte die anhaltende Erholung der Lagewerte Mut machen. Denn die hohen Erwartungswerte der letzten Monate haben Fantasie für eine kommende Verbesserung geschaffen, die nicht enttäuscht werden darf. Umso wichtiger ist also auch, dass die Lagekomponente ihren eingeleiteten Erholungspfad fortsetzt und die angekündigten Entspannungssignale auch in der Realwirtschaft ankommen. Ebenfalls konstruktiv zeichnet sich auch das Bild der Erwartungswerte, die sich auf erhöhtem Niveau behaupten können und damit die eingeleitete Wiederbelebung der Wirtschaft für die kommenden Monate nicht in Frage stellen. Die seit Monaten andauernde Seitwärtsentwicklung in den Erwartungswerten ist vielmehr als Bestätigung und klares Votum der Investoren zu sehen, dass sich ausgehend von einer Erholung der aktuellen Lage die Aussichten weiterhin positiv gestalten.

Damit bleiben die Parallelen der aktuellen Erholungsbewegung zum Nachkrisenjahr 2009 erhalten. Auch damals stellten wir eine kontinuierliche Verbesserung fest, welche die Anleger überraschte und sich auf die Aktienmärkte positiv auswirkte. Die fundamentalen Fakten wurden dann 2010 als „Beweis“ nachgeliefert. Auch aktuell zweifeln viele Volkswirte an einer nachhaltigen Gesundung der Wirtschaft. Zu stark sind die Ängste vor Corona und erneut negativer Folgen für die Realwirtschaft. Der „first mover“ unter den Frühindikatoren unterstreicht jedoch, dass die Chancen für eine positive Konjunktur-Überraschung durchaus gegeben sind.

Deutschland: Sechster Anstieg in Folge

Die sentix Konjunkturindizes für Deutschland entwickeln sich positiver als die Werte für Euroland. Der Gesamtindex liegt legt um 1,5 Punkte zu und markiert damit nicht nur den sechsten Anstieg in Folge, sondern notiert sogar erstmals seit Februar 2020 oberhalb der Nulllinie. Die Lagewerte befreien sich deutlich dynamischer als in der gesamten Eurozone, der Teilindex legt um 3,5 Punkte zu, flankiert durch anhaltend stabile Erwartungswerte. Die deutlich niedrigeren Corona-Fallzahlen in Deutschland werden auch auf die relative Wirtschaftsdynamik in der Eurozone übertragen. Geringere Gefahren eines Lockdowns sorgen für Zuversicht. Insgesamt zeigen die Oktober-Daten auch hier in die richtige Richtung.

USA: Trump-Administration erhält Argumente

Deutlich dynamischer gestaltet sich die Erholung der Konjunkturindizes für die USA. Die Lage verbessert sich um +6,8 Punkte, der Erwartungsindex bestätigt sein bereits ansprechendes Niveau. In rund vier Wochen wählt das amerikanische Volk den nächsten US-Präsidenten. Traditionell hat die wirtschaftliche Entwicklung erheblichen Einfluss auf den Ausgang einer Präsidentschaftswahl. Donald Trump dürfte daher die Aufwärtstendenz als Rückenwind für seine Wiederwahl interpretieren. Ob die Dynamik und das Ausmaß reichen wird bleibt fraglich.

Asien: Anhaltende Aufwärtsdynamik

Asien ex Japan behält die Führungsposition in der weltweiten Konjunkturerholung. Der Gesamtindex belegt mit +10,3 Punkten den höchsten Stand seit Januar 2020. Zudem peilen die Lagewerte die magische Nulllinie an, wobei die Erwartungswerte stramm positiv bleiben und ein Überschreiten in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich machen.

Die Anleger reflektieren das zunehmend bessere Konjunkturbild in China. Dies sollte in Summe auch eine positive Rückkopplung auf die Weltwirtschaft haben. Der sentix Global Aggregate Index quittiert dies bereits mit dem sechsten Anstieg in Folge auf einem Indexstand von -0,5 Punkten.

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