Der jetzt erneut verschärfte Lockdown dürfte viele Menschen aktuell dazu verleiten, Reisepläne zu schmieden, um die jetzige Entbehrungszeit zumindest mit Vorfreuden auf einen schönen, künftigen Urlaub überbrücken zu können, sobald das Reisen wieder möglich sein sollte. Wie gefährlich in Zeiten von Corona sind aber Reisen mit dem Flugzeug? Virologen des Universitätsklinikums Frankfurt haben Reisende einer Passagiermaschine befragt und getestet, die Anfang März 2020 mit 102 Passagieren an Bord von Tel Aviv nach Frankfurt (Flugzeit: 4 Stunden und 40 Minuten) geflogen ist, als es noch keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor einer Übertragung gab, wie zum Beispiel das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. 24 Personen gehörten einer Reisegruppe an, die vor dem Abflug einen Risikokontakt hatte (mit einem Hotelangestellten in Israel, der später an Covid-19 erkrankte). Nach der Ankunft in Frankfurt wurden 7 Mitglieder dieser Reisegruppe SARS-CoV-2positiv getestet, waren also zum Zeitpunkt des Fluges bereits infiziert. Außerdem wurde bei zwei weiteren Passagieren, die nicht der Reisegruppe angehörten, eine SARS-CoV-2-Infektion festgestellt, bei denen die ursächliche Ansteckung im Flugzeug als sehr wahrscheinlich gilt.

Luftfilteranlage kann Übertragung reduzieren, aber nicht vollständig verhindern
Aufgrund dieser Studienergebnisse lassen sich folgende Schlussfolgerungen für die Sicherheit im Flugverkehr ziehen. „Hinsichtlich 7 infizierter Ausgangspatienten war die beobachtete Anzahl der Virus-Übertragungen mit nur zwei Personen niedriger als angenommen. Das weist darauf hin, dass die Luftfilteranlagen im Flugzeug Virusübertragungen zwar reduzieren, diese aber nicht vollständig verhindern können“, erklärt Prof. Prof. Adrian Gillissen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie von der Ermstalklinik Reutlingen-Bad Urach. „Die 7 Infizierten der Reisegruppe hatten in einer der letzten Sitzreihen gesessen. Die zwei zusätzlich Infizierten saßen in deren unmittelbarer Nähe – in der gleichen Reihe wie die SARS-CoV-2-Positiven, aber auf der anderen Seite des Mittelganges. Das zeigt, dass eine Übertragung im näheren Umfeld der Infizierten am wahrscheinlichsten ist.“

Mund-Nasen-Schutz auch im Flugzeug dringend empfehlenswert
Klimaanlagen im Flugzeug sorgen dafür, dass frische Luft von Öffnungen in der Decke und von vorne nach hinten strömt. „Wäre die Reisegruppe mit den Infizierten weiter vorne gesessen, hätte es eventuell auch mehr Ansteckungen gegeben. Aus früheren SARS-Epidemien (mit SARS-CoV-1-Viren) weiß man, dass es im Flugzeug bei aerogenen Erregern auch über den üblichen Zwei-Reihen-Sicherheitsabstand hinweg zu Infektionen kommen kann, da die Reichweite von Aerosolen größer ist als die von Tröpfchen. Deshalb sind zusätzliche Schutzmaßnahmen – wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes dringend empfehlenswert. Ein aktueller negativer Coronatest oder das Tragen einer höherwertigen Maske (z. B. FFP2) wären Optionen zur weiteren Minimierung des Infektionsrisikos“, betont Prof. Gillissen. Welchen präventiven Einfluss Lüftungssysteme der verschiedenen Flugzeugtypen, frei gelassene Sitze oder Modifikationen der Ein- oder Aussteigevorgänge besitzen, wurde in der Studie nicht untersucht.

Quelle: JAMA Network Open, Online-Veröffentlichung am 18.8.20

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