Der EZB-Rat entscheidet morgen über den weiteren Kurs der Geldpolitik in der auslaufenden Pandemie. Während bei den Leitzinsen auf absehbare Zeit, keine Änderungen anstehen, steht die Zukunft der Anleihekäufe im Rahmen des Krisenprogramms PEPP im Mittelpunkt der Debatte. Prof.  Dr.  Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Das Umfeld der Geldpolitik verändert sich derzeit schnell. Der erwartete Inflationsschub in der Phase der wirtschaftlichen Erholung hat tatsächlich eingesetzt. Zwar ist es zu einer Erhöhung der langfristigen Zinsen gekommen, die Rendite auf zehnjährige Bundesanleihen ist von ihrem Niveau bei minus 0,6 Prozent auf aktuell minus 0,2 Prozent gestiegen. Da die Inflationsrate aber deutlich rascher steigt, sacken die langfristigen Realzinsen immer tiefer in den stark negativen Bereich ab. Zudem ist deutlich erkennbar, dass die Geldpolitik keinen Einfluss auf die aktuellen Hindernisse für eine noch raschere Erholung der Wirtschaft hat. Staatsanleihekäufe der Zentralbanken und Niedrigzinsen sind kein Mittel, um den Mangel an Mikro-Chips oder Bauholz zu bekämpfen. Noch dazu sind mit der Ratifikation des EU-Eigenmittelbeschlusses in allen Mitgliedstaaten nun die letzten Hindernisse für das 750-Milliarden-Corona-Paket der EU weggeräumt. Damit sinkt ein Stück weit die Abhängigkeit der Finanzminister von der Unterstützung der EZB. Auch deshalb wäre der Zeitpunkt sehr günstig, jetzt erste Signale für einen Ausstieg aus den auf Dauer hochgradig problematischen Staatsanleihekäufen durch das Eurosystem zu setzen. 

Insgesamt haben die Falken im EZB-Rat, die sich für ein allmähliches Abschmelzen der Anleihekäufe einsetzen, derzeit die immer besseren Argumente. Die Allianz der Tauben im EZB-Rat aus Direktorium und den Vertretern der hoch verschuldeten Euro-Staaten verfügen jedoch über eine stabile Mehrheit. Daher ist vorerst noch mit keinen Korrekturen zu rechnen.“

Über ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

Das ZEW in Mannheim forscht im Bereich der angewandten und politikorientierten Wirtschaftswissenschaften und stellt der nationalen und internationalen Forschung bedeutende Datensätze zur Verfügung. Das Institut unterstützt durch fundierte Beratung Politik, Unternehmen und Verwaltung auf nationaler und europäischer Ebene bei der Bewältigung wirtschaftspolitischer Herausforderungen. Zentrale Forschungsfrage des ZEW ist, wie Märkte und Institutionen gestaltet sein müssen, um eine nachhaltige und effiziente wirtschaftliche Entwicklung der wissensbasierten europäischen Volkswirtschaften zu ermöglichen. Durch gezielten Wissenstransfer und Weiterbildung begleitet das ZEW wirtschaftliche Veränderungsprozesse. Das ZEW wurde 1991 gegründet. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Derzeit arbeiten am ZEW Mannheim rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen rund zwei Drittel wissenschaftlich tätig sind.

Forschungsfelder des ZEW

Arbeitsmärkte und Personalmanagement; Digitale Ökonomie; Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik; Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement; Marktdesign; Soziale Sicherung und Verteilung; Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement; Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft, Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik.

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