Das UNIONHILFSWERK schreibt sich Validation® in der Pflege auf die Fahnen. Was genau der Begriff bedeutet und wie der praktische Weg dahin aussieht, erfahren wir von Katharina Schäfer, die gerade die Ausbildung zur Validationsbegleiterin absolviert.

Katharina Schäfer ist gern Pflegekraft im UNIONHILFSWERK. Nachdem sie ursprünglich in der Gastronomie gearbeitet hatte, wollte sie Veränderung. Ihr Weg führte sie 2008 in die Pflege – und da blieb sie dann: „Als alleinerziehende Mutter war die Jobsuche damals nicht einfach, ich brauchte einfach flexible Arbeitszeiten. Das UNIONHILFSWERK kam mir dabei  entgegen. In den Spätdienst wurde ich nur eingeteilt, wenn wirklich alle Stricke rissen.“

Arbeiten in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz

In der Ambulanten Pflege in Neukölln ist Frau Schäfer seit 2010 und wechselte vor zwei Jahren in eine Demenz-WG. Das gefällt ihr gut: „Die Arbeit im Ambulanten Dienst ist körperlich schwerer, während wir hier in der Wohngemeinschaft kognitiv stark gefordert sind. Wir haben weniger Klient*innen, auf die wir uns dann intensiver konzentrieren und mit denen wir wirklich geduldig arbeiten.“

Dieses konzentrierte Arbeiten mit wenigen Bewohner*innen gefällt ihr besonders, es ist ganzheitlich und sie hat Zeit, die Menschen wirklich kennenzulernen. Alle sieben Bewohner sind an Demenz erkrankt.

Validation – was ist das eigentlich?

Validation® erlebte Katharina Schäfer erstmals durch einen Workshop mit Naomi Feil – der Begründerin dieser Methode. Der Workshop wurde durch das UNIONHILFSWERK organisiert und hat sie tief beeindruckt: „Das war eine ganz andere Herangehensweise, mit Menschen mit Demenz umzugehen. Und die zeigte auch wirklich Wirkung.“

Demenz ist für Außenstehende oder im im Alltag oft schwer nachvollziehbar. Frau Schäfer versucht, die Situation mit einem Beispiel fassbarer zu machen:
„Stell dir vor, du bist mit einer Reisegruppe auf einem Marktplatz unterwegs – in einer unbekannten Stadt, ohne Stadtplan oder Handy. Jetzt verlierst du deine Gruppe und fühlst dich hilflos. Wenn du in dieser Situation von Passanten angesprochen wirst und die dann sagen ‚Ach komm Schätzchen, wir trinken jetzt erstmal `nen Kaffee, dann wird schon alles wieder gut‘ fühlst du dich ja auch nicht ernstgenommen – du willst ja schließlich keinen Kaffee, sondern deine Gruppe wiederfinden. Kein Wunder, wenn du dann traurig oder aggressiv wirst.“

Hier setzt die Methode der Kommunikationsmethode der Validation® an. Eine oft verwendete Metapher zur Erklärung heißt, „in den Schuhen des anderen Laufen“ – damit konnte Frau Schäfer allerdings nicht so viel anfangen: „Validation ist für mich der Unterschied zwischen Sympathie und Empathie. Ich kann etwas nachempfinden, wertschätzen, OHNE es zu bewerten. Ich nehme mein Gegenüber ernst, auch wenn er oder sie vielleicht orientierungslos ist.  Das macht im Alltag einen großen Unterschied – wenn Menschen sich ernstgenommen fühlen, reagieren sie ganz anders!

Viele alte Menschen konnten Erlebtes aus der Vergangenheit nicht aufarbeiten – wir alle kennen ja die Haltung, „bloß nicht zum Therapeuten, sowas macht man ja nicht!“ – und das obwohl gerade diese Generation so viel Traumatisches erlebt hat. Deshalb ‚ticken‘ die  Menschen eben so, wie sie ticken. Das nehmen wir in der Validation® einfach an.”

Die Fortbildung zeigt Wirkung

An der Fortbildung zur Validation nimmt Frau Schäfer seit Januar teil. Diese läuft über ein knappes Jahr und Corona-bedingt natürlich online, was schade ist: „Gerade die nonverbale Kommunikation spielt in der Validation eine große Rolle und das ist online einfach schwerer einzuschätzen. Die Körperhaltung ist da ein gutes Beispiel. Wir üben die Praxis in Rollenspielen, das ist online am Bildschirm einfach nicht so gut darstellbar, wie in einer Livesituation“.

In den ersten Monaten hat sie bereits viel gelernt: „Mir war zu Beginn beispielsweise noch nicht klar, wo der Unterschied liegt zwischen Validation und Smalltalk. Da macht schon die Fragestellung sehr viel aus. Als Mensch tendieren wir zu der Frage „Warum geht es Ihnen denn heute nicht gut?“  Dieses „Warum“ streichen wir in der Validation® komplett. Wichtiger ist da: „Was macht Sie denn gerade traurig? Was kann ich tun, damit es Ihnen bessergeht?“

So strich sie als einen der ersten Impulse aus der Fortbildung das „Warum?“ aus ihrem Wortschatz. Validation® braucht viel Übung – „den ganzen Tag kann ich die Methode nicht anwenden, das wäre wirklich sehr anstrengend. Für Validation nehme ich mir explizit Zeit. Aber: Ich hinterfrage meine Arbeit mehr und mein Alltag verändert sich dadurch ganz automatisch.“

Die Fortbildung macht Frau Schäfer gemeinsam mit einer Kollegin und freut sich über den Austausch im Team – vieles kann so noch einfacher umgesetzt werden. Insgesamt arbeiten 10 Kolleginnen und Kollegen in der WG: „Das Team funktioniert wirklich sehr gut. Unsere Fachkraft leitet uns an und wir helfen uns gegenseitig, wo wir können“.

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