Am Montag gab US-Präsident Joe Biden bekannt, dass er Fed-Chef Jerome Powell für eine weitere Amtszeit berufen hat. Natürlich wird jetzt darüber spekuliert, was die jüngsten Nachrichten für die US-Geldpolitik bedeuten. Positiv sei laut Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments, zunächst, dass die Nachricht der Fed die Unsicherheit bezüglich der personellen Zusammensetzung der Fed verringere. Die noch offenen Sitze im Fed-Komitee sollen laut Joe Biden ebenfalls in Kürze besetzt werden. Hauptsächlich bedeute die Wiederernennung Powells jedoch, dass der Status quo fortgeschrieben werde. „Die Fed unter Powell war größtenteils eine Fortsetzung der Fed unter Vorgängerin Janet Yellen, die wiederum die Politik ihres Vorgängers Ben Bernanke fortführte. Alle drei arbeiteten mit denselben Mitteln zur quantitativen Lockerung und ließen das traditionelle Instrumentarium der Fed weitgehend unangetastet“, sagt Grüner.

Alte Besetzung, neuer Kurs?

Einige Marktteilnehmer würden laut Grüner argumentieren, dass die Wiederernennung Powells mit Veränderungen einhergehe. So seien viele der Meinung, dass Powell sich mit Zinserhöhungen zurückhielte, um die Wahrscheinlichkeit einer Wiederernennung zu erhöhen. Jetzt, da sein Job gesichert sei, wäre der Weg frei für eine Straffung der Geldpolitik. Diese Prognosen würden größtenteils auf der Annahme beruhen, dass Powell von Natur aus höheren Zinsen zugeneigt sei. Aber das sei ein Ruf, den er sich vor seiner Zeit als Fed-Chef gemacht habe. Sprichwörtlich hätte der Fed-Chef allerdings zu Beginn seiner Amtszeit eine „kleine Pille“ eingenommen und vergäße dadurch alles, was er vorher wusste oder sagte. Zugeschrieben würde dieses Zitat dem früheren Fed-Chef William McChesney Martin, und viele seiner Nachfolger hätten sich zuverlässig an diese Redensart gehalten.

„Wie immer ist es empfehlenswert, sich als Anleger auf das zu konzentrieren, was die Fed-Offiziellen tun, nicht was sie sagen“, betont Grüner. In diesem Sinne hätte Powell bereits einen langsamen Abbau (Tapering) des QE-Programms eingeleitet. Was bedeute das für eine Zinserhöhung, fragt Grüner. Beim letzten Mal hätte die Fed unter Janet Yellen ihre erste Zinserhöhung mehr als ein Jahr nach dem Ende des QE-Programms vorgenommen. Vielleicht warte Powell in ähnlicher Weise ab, vielleicht auch nicht. Aber wenn die Vergangenheit ein Anhaltspunkt sei, würde er wahrscheinlich jeden Schritt weit im Voraus ankündigen, wie er es bei der Reduzierung des QE-Programms bereits getan hätte.

Keine Prognose möglich

Jerome Powell sei natürlich kein geldpolitischer Diktator. Die Fed stimme in einem Ausschuss ab, der in den kommenden Monaten noch personellen Wechseln unterläge. Jeder Fed-Mitarbeiter bringe seine eigenen Standpunkte, Prognosen und Interpretationen in die Runde mit ein. Jeder Marktbeobachter, der eine feste Prognose für die zukünftige Fed-Politik abgäbe, prognostiziere also im Grunde, wie ein zum Teil noch unbekannter Personenkreis mit zukünftigen Informationen umgehen werde. Aus Grüners Sicht sei dies ein relativ sinnloses Unterfangen.

Fazit

„Die erneute Ernennung von Jerome Powell nimmt den Märkten etwas an Unsicherheit. Darüber hinaus sind positive oder negative Auswirkungen zum aktuellen Zeitpunkt nicht seriös abzuschätzen. Die gute Nachricht für Anleger ist, dass es für den Anlageerfolg nicht entscheidend ist, ob die Vorhersage zur Fed-Geldpolitik zutrifft oder nicht. Geldpolitische Änderungen wirken sich in der Regel erst mit einiger Verzögerung auf die Wirtschaft aus, oder umgekehrt: Die Entscheidungen der Fed geben den Märkten nicht die Richtung vor“, so Grüner.

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Über Grüner Fisher Investments

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