Die Ereignisse der letzten Wochen haben die Menschen weltweit geschockt. Der Krieg gegen die Ukraine führt uns neben der Aggressivität des russischen Präsidenten gegen ein souveränes Land und seine Menschen auch die großen Risiken einer Abhängigkeit im Energie- und im Nahrungsmittelsektor vor Augen. Überall spricht man nun von einer Zeitenwende, von der Notwendigkeit, alte Muster und Politiken zu überdenken und zu ändern.

Auf Ebene der EU-Landwirtschaft rückt eine autonome Versorgungsmöglichkeit, weniger Abhängigkeit von anderen Ländern und damit eine stabile Ernährungssouveränität stark in den Fokus. Während wir alle mit großer Sorge den schnellen Anstieg von Energie-, Futter- und Lebensmittelpreisen beobachten, steigt die Angst vor Nahrungsmittelknappheit aufgrund von externen Konflikten und Abhängigkeiten. Es werden Forderungen an die einheimischen Landwirte laut, mehr und unabhängiger zu produzieren.

Allerdings: Mit dem aktuellen System kann es keine stabile Ernährungssouveränität geben!

Das European Milk Board fordert daher einen politischen und ökonomischen Systemwandel, um wichtige Weichen hin zu einer weitaus unabhängigeren EU-Nahrungsmittelproduktion zu stellen.
„Das aktuelle System hat die Landwirtschaft, hat die Erzeuger förmlich heruntergewirtschaftet. Preise, die seit vielen Jahren die Kosten bei weitem nicht decken, haben eine große Zahl von Erzeugern in die Verschuldung und viele komplett aus der Produktion getrieben. Ernährungssouverän zu produzieren ist so nicht möglich“, so die Vorsitzende des European Milk Board (EMB), Sieta van Keimpema.

Eine kürzlich erschienene Studie zur Entwicklung der Margen im Milchsektor dokumentiert den starken Absturz, der seit mehreren Jahrzehnten stattfindet. So lag beispielsweise die Nettomarge, die noch nicht das Einkommen des Landwirts und der mithelfenden Familienmitglieder mit einbezieht, 1989 noch bei 12,36 Cent pro Kilogramm Milch, während sie 2019 nur noch bei 4,17 Cent angesiedelt war. Nimmt man ein geringes Einkommen der Landwirte mit in die Berechnung, so unterstreicht auch diese sogenannte Net Economic Margin I (Nettowirtschaftsleistung I) die ökonomische Katastrophe für die Höfe: Von 3,79 Cent im Jahr 1989 stürzt die Marge auf -4,96 Cent pro Kilogramm Milch im Jahr 2019. Und in diesen Zahlen sind noch nicht einmal die aktuellen extremen Kostensteigerungen einbezogen. So haben sich beispielsweise in Dänemark (Stand Februar 2022) die Stromkosten seit Herbst verdreifacht sowie die Diesel- und Düngerpreise verdoppelt. Diese gravierende Entwicklung reißt die Schere zwischen Preisen und Kosten momentan noch weiter auf.

Diese eindeutigen Daten bescheinigen einmal mehr EU-Politik, vielen Banken und multinationalen Konzernen, dass sie in den vergangenen 20 Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen und damit eine Landwirtschaft geschaffen haben, der die junge Generation jetzt den Rücken kehren muss.

Eine stabile Ernährungssouveränität ist nur möglich bei einem Systemwechsel in der Landwirtschaft:

  • Erzeugerpreise müssen die Kosten decken
  • Stabile und faire Einkommen für die Landwirte müssen in der Kostendeckung enthalten sein
  • Den Krisen im Landwirtschaftssektor muss durch das Einsetzen solcher Programme wie dem Marktverantwortungsprogramm (MVP) ein Ende bereitet werden

Eine stabile Ernährungssouveränität führt nur über stabile Höfe

Wie auch der Vizevorsitzende des EMB, Kjartan Poulsen, unterstreicht, muss jetzt ein Rahmen etabliert werden, der kostendeckende Preise ermöglicht, damit die Landwirte in der EU die notwendige Grundlage haben, angemessen arbeiten und produzieren können. Es dürfe dabei aber nicht bei leeren Versprechungen wie bei der COVID-Pandemie bleiben. Poulsen dazu: „Während der Pandemie haben die ErzeugerInnen die Union trotz erschwerter Lage zuverlässig mit Nahrungsmitteln versorgt. Die schlechten ökonomischen und sozialen Agrarbedingungen wurden aber weder von Politik noch Industrie tatsächlich adressiert, geschweige denn verbessert.“

Nur über den Systemwechsel können wir in der EU eine stabile Ernährungssouveränität herstellen und auch zu Nachhaltigkeitsbedingungen produzieren. Sieta van Keimpema fordert dafür entschlossenes Handeln von allen relevanten Akteuren in Politik und am Markt: „Die langjährige Orientierung auf billige Exporte und die Importabhängigkeit – während die heimischen LandwirtInnen mit einer Krise nach der nächsten kämpfen – bieten keine gesunde Grundlage für die Bewältigung der Aufgabe, die nun auf uns in der EU zukommt: Die Landwirtschaft muss wieder autonomer werden und die Betriebe müssen dafür in der Europäischen Union viel besser aufgestellt sein. Wir müssen alles dafür tun, die externen Risiken für unsere Bürger, für uns alle in der Europäischen Union zu minimieren.“
 

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