Ausstellung: 19. März – 5. Mai 2022
Eröffnung: 18. März 2022, 18.30 Uhr, nähere Information erfolgt über den Newsletter
Ort: Aedes Architekturforum, Christinenstr. 18–19, 10119 Berlin
Öffnungszeiten: Di–Fr 11–18.30 Uhr, So–Mo 13–17 Uhr, Sa 19. März 2022, 13–17 Uhr
Presselunch: Freitag, 18. März 2022, 14 Uhr

Die bergige Landschaft in Jinyun in der chinesischen Provinz Zhejiang ist seit Jahrzehnten geprägt von in Handarbeit betriebenem Abbau von Naturstein. Für die zerklüftete und nur schwer zugängliche Region sollte die Pekinger Architektin Xu Tiantian und ihr Team zunächst für neun der über 3000 kleinen brachliegenden Steinbrüche Strategien für Neunutzungen entwickeln, die eine Bühne für kulturelle und soziale Aktivitäten bieten, gleichzeitig eine ökologische Verbesserung anstreben sowie neue ökonomische Perspektiven für die Landbevölkerung schaffen. Die mit neuen Funktionen versehenen Gruben werden Teil einer öffentlichen Infrastruktur, die über tausend Jahre zurückreichende historische Aspekte und das alltagskulturelle Erbe in einen neuen Kontext stellen. Die Ausstellung, die uns auf dem möglichst nachhaltigen Transportweg, nämlich mit der Bahn, aus Peking erreicht hat, vermittelt in einer großmaßstäblichen Installation das atemberaubende Raumgefühl in den Steinbrüchen von Jinyun. Raumgreifende transluzente Modelle, Fotos, Pläne und Filme veranschaulichen das komplexe Gefüge der in den Fels geschlagenen Räume.

2021 erhielt die Pekinger Architektin Xu Tiantian mit ihrem Büro DnA_Design and Architecture den Auftrag, neue Nutzungskonzepte für die alten und heute aufgelassenen Steinbrüche im nördlichen Teil des Kreises Jinyun in der Provinz Zhejiang zu entwickeln. Gelegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Songyang, wo Xu Tiantian bereits unter großer internationaler Aufmerksamkeit und überaus erfolgreich Revitalisierungsprojekte für den ländlichen Raum realisieren konnte, liegen heute über 3000 kleine Steinbrüche brach, die bis vor Kurzem noch in Handarbeit ausgebeutet wurden. Die von Xu Tiantian und ihrem Team seitdem bearbeiteten neun Steinbrüche befinden sich im Xiandu Tal, das mit seiner beeindruckenden Naturlandschaft und bizarren Vulkanfelsen schon heute eine Attraktion für den Tourismus ist. Um die Regionalentwicklung zu unterstützen zielt das Projekt auf eine ökologische Verbesserung, während mit den Maßnahmen gleichzeitig soziale und kulturelle Orte geschaffen werden, die sowohl der Bevölkerung wie auch Besucher:innen dienen. Die umgebauten und mit neuer Nutzung versehenen Steinbrüche werden Teil einer öffentlichen Infrastruktur, die über tausend Jahre zurückreichende geschichtliche Aspekte und das alltagskulturelle Erbe in einen neuen Kontext stellen.

Die Transformation der Steinbruchlandschaft von Jinyun

Die Landschaft aus steilen Bergen und engen Tälern im Kreis Jinyun ist heute durch Jahrzehnte lang betriebene kleinteilige Ausbeutung lokaler Steinbrüche geprägt, die erhebliche Eingriffe in die Naturlandschaft zur Folge hatte. Die Region ist mit der Xiandu Scenic Area bereits heute touristisch sehr attraktiv. Über die Region hinaus wirkt der Tempel für den legendären Gelben Kaiser (Huangdi), der schon seit über 3000 Jahren als Gründer der chinesischen Nation verehrt wird. Der Legende nach stieg er vom lokalen Berg Dinghu auf einem Drachen in den Himmel auf, nachdem er die Unsterblichkeit erlangt hatte. Der in der Ming-Dynastie (1368–1644) zerstörte Tempel wurde 1994 wiederaufgebaut und wird seitdem für regelmäßige Gedenkfeiern genutzt, die 2011 in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden. Dazu kommen in natürlichen und künstlich angelegten Höhlen 125 bedeutende Steinkaligrafien, deren älteste aus der Tang-Dynastie (617–907) stammt und die seit 2001 als nationales Kulturerbe gelistet sind.

Der Kreis Jinyun liegt in der südlichen Mitte der Provinz Zhejiang. Die Region ist zu fast 80 Prozent mit Wald bedeckt, wobei landwirtschaftliche Produktion auf dem felsigen Untergrund mit wenig fruchtbarer Erde schwierig ist. Die Bewohner:innen hatten sich deshalb auf den schweren Beruf der Steinmetze verlegt, und bis vor Kurzem in Handarbeit das Material aus dem Felsen gehauen. Die massiven Steinblöcke verwendete man regional für den Bau von Häusern, deren Höhe jedoch durch das hohe Gewicht des Materials begrenzt war. Seit einigen Jahren liegen nun die Steinbrüche brach, wurden teils zur Hühnerzucht, teils als Fischteiche genutzt oder sie verfielen. 

Wegen der andauernden gesellschaftlichen Transformation und den sozio-ökonomischen Herausforderungen im Hinblick auf neue Perspektiven gegen die Landflucht sucht die Administration einerseits nach neuen Möglichkeiten zum Umgang mit den Hinterlassenschaften der archaischen Bergbauindustrie und andererseits auch nach neuen Einkommensquellen für die Bevölkerung. Zudem klaffen die Steinbrüche heute wie Wunden in der Naturlandschaft, die dringend einer ökologischen Verbesserung bedürfen.

Die Projekte

In der Ausstellung werden die bereits für neue Nutzungen fertiggestellten und die in Planung befindlichen insgesamt neun ehemaligen Steinbrüche dargestellt. Die einzelnen Orte sind jeweils durch sehr individuelle und zufällige Felsformen geprägt und über einen Fußweg verbunden, der wegen der Höhenunterschiede über Treppenanlagen geführt wird. Die Steinbrüche liegen in einem Umkreis von einem Kilometer und tragen als Pilotprojekt mit kleinstmöglichem Eingriff zur Revitalisierung der Landschaft und der Region bei. Die einfachen, sehr vorsichtigen Interventionen der Architektin stehen im Gegensatz zur vielerorts in China üblich gewordenen verkitschten Romantisierung oder Disneyfizierung des ländlichen Raums.

Neue Nutzungen der Steinbrüche

Die zufällig beim Abbau der Steine entstandenen, gewaltigen – oft kathedralartigen – Räume im Fels, die bis zu 38 Meter hoch sind, besitzen zum Teil eine gute Akustik. Sie eignen sich für Aufführungen der traditionellen Wu-Oper oder als Vortragsräume. An einer weiteren Station demonstrieren die ehemaligen Steinmetze in Live Vorführungen den Abbau der Steine. Dazu gibt es gewaltige Steinkammern, die als Teehaus genutzt werden, oder Plattformen, von denen die Besucher den Sonnenuntergang durch ein spektakuläres Loch in der Felswand beobachten können.

Die neun Steinbrüche sind über ein Tal mit einem kleinen Dorf miteinander verbunden. Dort ist ein Informationszentrum mit einem Steinbruchpark mit Wasserflächen geplant, in dem den Besucher:innen ein Einblick in Geschichte, Flora und Fauna gegeben werden soll. Neben neuen Orten für soziale und kulturelle Infrastruktur entstehen auch Möglichkeiten für wirtschaftliche Entwicklung, wie z.B. ein Restaurant zur Bewirtung der Besucher:innen und ein Bildungszentrum zur Natursteinverarbeitung.

Die Architekt:innen transformieren mit ihren Eingriffen die Relikte einer von schwerer körperlicher Arbeitskultur geprägten Landschaft in ein Zeichen für den wirtschaftlichen und kulturellen Wandel im ländlichen Raum, der zur sozio-ökonomischen und ökologischen Verbesserung beiträgt. Die Raumerfahrung in den amorphen Kavernen, die dramatische natürliche Beleuchtung und die Akustik bieten ein Erlebnis, das im normalen Alltag der ländlichen und städtischen Bevölkerung so nicht möglich ist. Eingebettet in die Natur- und Kulturlandschaft vergangener Jahrhunderte fügt sich mit diesem Projekt eine notwendige Maßnahme zu einer zeitgenössischen Erlebniswelt, die verschiedene Erwartungen und Möglichkeiten zusammenführt.

Die Ausstellung

So wie das gesamte Projekt die Versöhnung mit der Natur in den Mittelpunkt stellt, wurde auch bei der Entstehung der Ausstellung auf einen respektvollen Umgang mit der Umwelt geachtet. Beispielsweise kamen die in China gefertigten Modelle per Zug über die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn nach Deutschland und alle weiteren Bestandteile der Ausstellung sind in Berlin gefertigt worden, teilweise mit Materialien vorangegangener Ausstellungen. In einer raumgreifenden Installation wird das ungewöhnliche Raumgefühl in den Steinbrüchen von Jinyun szenografisch dargestellt und für die Besucher:innen erlebbar gemacht. Die Steinbrüche werden durch spektakuläre transluzente Modelle veranschaulicht und geben einen Eindruck von den komplexen Raumgefügen der in den Fels geschlagenen Räume. Die Projekte werden zudem in großformatigen Fotos, Plänen und Beschreibungen präsentiert. Filme vermitteln einerseits die historische Situation, als die Steinbrüche noch in Betrieb waren, andererseits wie die Bevölkerung, die Handwerker:innen und die Administration heute die neu entstehenden Infrastrukturen aufgreifen und bewerten. 

Das Architekturstudio

Xu Tiantian ist die Gründerin des Büros DnA_Design and Architecture in Peking. Sie studierte an der Tsinghua Universität in Peking und an der Harvard Graduate School of Design in Boston. Das Büro arbeitet interdisziplinär und seit einigen Jahren an innovativen Strategien für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Zuletzt stand Xu Tiantian mit ihrer Strategie einer „Architectural Acupuncture“ im Fokus der Debatten zur Revitalisierung der ruralen Dörfer und Landschaften in Songyang, die in einer vom Aedes Architekturforum konzipierten Ausstellung in Berlin zuerst 2018 gezeigt wurde, dann auf der 16. Architekturbiennale in Venedig sowie später am Architekturzentrum Wien ausgestellt wurde. 2020 erschien das von Hans-Jürgen Commerell und Kristin Feireiss herausgegebene Buch THE SONGYANG STORY Architectural Acupuncture as Driver for Rural Revitalisation in China. Projects by Xu Tiantian, DnA_Beijing bei Park Books in Zürich. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Xu Tiantian 2019 den Moira Gemill Prize for Emerging Architecture.

Further information:
www.aedes-arc.de

Zur Eröffnung sprechen

Hans-Jürgen Commerell Aedes, Berlin
Friederike Meyer Chefredakteurin, Baunetz, Berlin
Dr. Eduard Kögel Stadtplaner, Berlin
Xu Tiantian DnA_Design and Architecture, Peking (Videobotschaft)

Wir danken den Aedes Kooperationpartnern

Zumtobel, Cemex, Camerich, Erwin Hymer Group

Großzügig unterstützt durch
Xiandu Scenic Area

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