Die globale Erwärmung führt in den USA wahrscheinlich zu einer Häufung besonders schwerer Hurrikane und einem deutlichen Anstieg der damit verbundenen Schäden. Ein umfassenderer Versicherungsschutz könnte dabei helfen, die zunehmenden wirtschaftlichen Folgen zu verringern. Das zeigt eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die die Wirksamkeit von Klimarisikoversicherungen in den USA untersucht.

In den USA verursachten Hurrikane im Zeitraum 1980-2014 direkte wirtschaftliche Schäden von über 400 Milliarden US-Dollar. Das bisherige Maximum an Schäden wurde 2005 erreicht, dem Jahr von Hurrikan Katrina mit einem Schaden von über 150 Milliarden US-Dollar. „Nach schweren Stürmen, die hohe direkte Schäden verursachen, kann die Wirtschaft mehrere Jahre brauchen, um sich zu erholen. Manchmal reicht die Zeit zwischen zwei Ereignissen dazu nicht aus. Unser Modellrechnungen berücksichtigen diese Langzeiteffekte auf die ökonomische Entwicklung, die deutlich größer sein können als die direkten Schäden”, erklärt Christian Otto, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und einer der Leitautoren der Studie, die im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht wird.

Verluste des Wirtschaftswachstums durch Hurrikane könnten sich mehr als verdoppeln

„Es gilt als gesichert, dass unter fortschreitendem Klimawandel der Anteil besonders schwerer Hurrikane zunimmt. Selbst wenn die Erderwärmung auf unter 2° Celsius begrenzt wird, zeigen unsere Computersimulationen, dass sich in den USA die Verluste des Wirtschaftswachstums durch Hurrikane im Vergleich zu dem historischen Zeitraum mehr als verdoppeln könnten. Ohne wirksamen Klimaschutz könnte dieses Erwärmungslevel bereits Mitte dieses Jahrhunderts erreicht werden”, verdeutlicht PIK-Wissenschaftler Kilian Kuhla, ebenfalls Leitautor der Studie.

In ihrer Studie untersuchen die Forschenden auch die Wirksamkeit von Klimarisikoversicherungen als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine umfassende, steuerfinanzierte Klimarisikoversicherung die wirtschaftliche Erholung beschleunigt und so ein effektives Instrument darstellt, um klimabedingte wirtschaftliche Verluste zu begrenzen. In den USA könnte solch eine Versicherung die erwartete Zunahme der Wachstumsverluste durch Hurrikane kompensieren, zumindest wenn die globale Erwärmung auf 2°C begrenzt werden kann”, erläutert Mitautor Tobias Geiger, Wissenschaftler beim Deutschen Wetterdienst und am PIK.

Die Ergebnisse der Studie könnten auch für die gerade in Deutschland geführte Diskussion wichtig sein, ob eine verpflichtende Elementarschadenversicherung gegenüber Naturgefahren als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel eingeführt werden sollte.

Nationale Versicherungslösungen für Entwicklungsländer unzureichend

Für stark betroffene Entwicklungsländer sind nationale Versicherungslösungen jedoch schon heute unzureichend, um die wirtschaftlichen Folgen von Extremwettereignissen ausreichend abzufedern. So konnten die Forschenden für Haiti als Beispiel eines kleinen und stark von Hurrikanen betroffenen Entwicklungslandes zeigen, dass selbst wenn die Versicherungsabdeckung so gut wäre wie in den USA die Wachstumsverluste trotzdem sechsmal größer wären. „Unsere Ergebnisse belegen die Wichtigkeit internationaler Hilfszahlungen, um stark betroffene Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Schäden durch den Klimawandel zu unterstützen. Ebenso sollten sie durch ein breites Portfolio weiterer Anpassungsmaßnahmen ergänzt werden, wie zum Beispiel Investitionen in bessere Bebauungsstandards und resilientere Infrastruktur”, so Christian Otto.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass neben diesen Anpassungsmaßnahmen auch eine schnelle und massive Reduzierung von Treibhausgasemission essentiell ist, um Klimaschäden langfristig zu verringern: „Die gegenwärtigen Klimaschutzmaßnahmen reichen nicht aus, um die Erderwärmung wie im Pariser Abkommen beschlossen auf deutlich unter 2° Celsius zu begrenzen. Sie lassen uns eher auf eine Erwärmung von 2,7°C zusteuern. In den USA könnten sich dadurch die Wachstumsverluste durch Hurrikane gegenüber Emissionspfaden im Einklang mit dem Pariser Abkommen mehr als verdoppeln und gegenüber heute mehr als versechsfachen“, sagt Katja Frieler, Leiterin der Forschungsabteilung Transformationspfade des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Mitautorin der Studie.

Studie: Christian Otto, Kilian Kuhla, Tobias Geiger, Jacob Schewe, Katja Frieler (2023): Better insurance could effectively mitigate the increase in economic growth losses from US hurricanes under global warming. Science Advances. [DOI: 10.1126/sciadv.add6616]

Weblink zur Studie: http://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.add6616

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