ADRA und AWW betonen, ihre Arbeit sei überparteilich und orientiere sich an Grundwerten wie Menschenwürde, sozialer Gerechtigkeit und Solidarität. Eine Wahlempfehlung sprechen sie ausdrücklich nicht aus – wohl aber ein klares Bekenntnis zu den demokratischen Grundwerten, die ihre Arbeit erst ermöglichten.
Zivilgesellschaft als demokratische Infrastruktur
Im Zentrum des Papiers steht die These, eine lebendige Demokratie sei auf eine starke, unabhängige und vielfältige Zivilgesellschaft angewiesen. Vereine, Kirchen, Wohlfahrtsverbände und humanitäre Organisationen bildeten das soziale Nervensystem der Gesellschaft. Versuche, die kritische Stimme von Nichtregierungsorganisationen einzuschränken oder Gemeinnützigkeitsrecht politisch zu instrumentalisieren und öffentliche Mittel an einseitige weltanschauliche Wohlgefälligkeit zu koppeln schwächten nicht nur die Träger selbst, sondern die demokratische Kultur insgesamt, heißt es in dem Papier.
Die unterschiedliche Ausrichtung der Träger sei dabei kein Nachteil, sondern Voraussetzung dafür, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zu erreichen – von Familien in Krisensituationen über Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund bis zu ehrenamtlich Engagierten im Umwelt- und Katastrophenschutz. Eine bürokratische Gleichmacherei oder die Einschränkung von Förderbereichen wie Diversität, Migration oder Klimapolitik würde diese Brücken zur Bevölkerung gefährden, warnen ADRA und AWW.
Drei Handlungsfelder von strategischer Bedeutung
Das Positionspapier benennt drei Bereiche, in denen zivilgesellschaftliches Engagement laut den Verbänden zunehmend an Bedeutung gewinnt: die Krisenvorsorge und der lokale Katastrophenschutz, die soziale Integration und der gesellschaftliche Zusammenhalt sowie die globale Verantwortung durch internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe.
Vier Kernforderungen an die künftige Landespolitik
An die künftigen Landesregierungen und Parlamente in Magdeburg, Schwerin und Berlin richten ADRA Deutschland und das Advent-Wohlfahrtswerk vier zentrale Forderungen: verlässliche und langfristige Finanzierungsstrukturen statt kurzfristiger Projektförderung, die Wahrung der inhaltlichen und politischen Unabhängigkeit zivilgesellschaftlicher Interessenvertretung, eine frühzeitige Einbindung von Trägern und Verbänden in Gesetzgebungs- und Planungsprozesse sowie eine Stärkung des Ehrenamts durch unbürokratische Unterstützung und verlässlichen Versicherungsschutz.
Zum Abschluss rufen beide Organisationen alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Sie selbst stünden bereit, auch unter veränderten politischen Vorzeichen Verantwortung zu übernehmen und den konstruktiven Dialog mit der künftigen Landespolitik zu suchen.
Der vollständige Text des gemeinsamen Positionspapiers ist auf der Website des AWW abrufbar.
Über die unterzeichnenden Organisationen
Das Advent-Wohlfahrtswerk e. V. (AWW) mit Sitz in Hannover wurde als Sozialwerk der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten 1897 in Hamburg gegründet. Es ist in Deutschland Träger von Kindertagesstätten, einer Heilpädagogischen Tagesstätte, einer Einrichtung für Suchtberatung und Suchtbehandlung sowie einem Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen. Darüber hinaus ist das Advent-Wohlfahrtswerk e.V. Hauptgesellschafter etlicher gemeinnütziger Gesellschaften, zu denen Seniorenheime, Hospize, eine Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung und eine Schule gehören. Zudem trägt das AWW zahlreiche ehrenamtlich geführte Projekte der Flüchtlings- und Integrationshilfe sowie ehrenamtliche Helferkreise. Auch Selbsthilfegruppen für abhängigkeitskranke Menschen befinden sich in Trägerschaft des adventistischen Sozialwerks. Informationen: https://aww.info/.
ADRA Deutschland e. V. mit Sitz in Weiterstadt bei Darmstadt wurde 1987 gegründet, hat 61 Angestellte und steht der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten nahe. Es ist Teil des weltweiten ADRA-Netzwerks, das 1956 gegründet wurde, aus 119 eigenständigen nationalen Büros besteht und weltweit Projekte der Entwicklungszusammenarbeit sowie der humanitären Hilfe in Katastrophenfällen durchführt. ADRA steht für Adventist Development and Relief Agency. ADRA Deutschland ist unter anderem Gründungsmitglied des Verbands Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO), der „Aktion Deutschland Hilft“ und „Gemeinsam für Afrika“. Informationen: https://adra.de.
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