Trotz des Abkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich steht fest: Es wird ein harter und teurer Bruch. „Für die Textil- und Bekleidungsbranche kann trotz Deal von Freihandel keine Rede sein“, sagt Silvia Jungbauer, Hauptgeschäftsführerin des Branchenverbandes Gesamtmasche.  

„Sicher besser als nichts, aber viel zu wenig“, fasst Jungbauer das Ergebnis aus Branchensicht zusammen. Ihr Verband hält es zwar für wichtig, dass die Verhandler überhaupt noch eine Lösung gefunden haben. Doch von Freihandel könne keine Rede sein. „Ein großer Teil unserer Aus- und Einfuhren erfüllt die restriktiven Regeln des Abkommens nicht, erhält also keine Handelserleichterungen. Jeden, der mit dem Vereinigten Königreich Geschäfte macht, trifft jetzt zusätzliche Bürokratie.“

Textilien und Bekleidung gehören zu den Gütern, die weltweit immer noch hohen Zöllen unterliegen. Auch die EU und das Vereinigte Königreich bitten Importeure zur Kasse: Für textile Fertigwaren werden in der Regel 12 Prozent des Warenwertes fällig. Bei Stoffen sind es immerhin noch satte 8 Prozent. „Die EU-Kommission ist leider nicht auf unsere Vorschläge zu zeitgemäßen Ursprungsregeln eingegangen“, kritisiert Jungbauer. „Das belastet unsere Branche ohne Not im Wettbewerb. Die Expertise der Wirtschaft war in den Verhandlungen ohnehin wenig gefragt. Wir dürfen nur die Suppe auslöffeln.“

Das Vereinigte Königreich gehört zu den großen Handelspartnern der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie und steht für Branchenausfuhren von gut 1,5 Mrd. Euro. Das sind immerhin 4,5 Prozent des gesamten deutschen Textil- und Bekleidungsexports. Die deutschen Branchenimporte aus dem Vereinigten Königreich belaufen sich auf gut 746 Mio. Euro. Damit zählt das Land auch zu den wichtigen Lieferanten (Handelsdaten 2019). 

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