Vor dem morgigen Bund-Länder-Treffen, auf dem über neue Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie beraten werden soll und dem Homeoffice-Gipfel des Landes am Donnerstag, fordern der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) und der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) eine Perspektive für die Südwestwirtschaft, die den Weg zurück in das wirtschaftliche Leben für alle Branchen aufzeigt.

„Unsere Unternehmen haben die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bisher umfänglich mitgetragen. Sie verlangen jedoch zu Recht mehr Berechenbarkeit in den politischen Entscheidungen und eine verlässliche Planungsgrundlage. Getroffene Maßnahmen müssen auf klaren Evidenzen basieren, ansonsten wird die Akzeptanz in den Betrieben gefährdet. Wir erwarten, dass die Politik künftig differenziertere Lösungen als nur pauschale Schließungen präsentiert. Wo es tragfähige Hygienekonzepte gibt, müssen auch Lockerungen mittelfristig möglich sein“, fordern der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages, Wolfgang Grenke und Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold gemeinsam.

Es sei unbedingt notwendig, die Wirtschaft am Laufen zu halten, so Grenke weiter. „Die Grenze der Zumutbarkeit an Belastungen ist für viele Betriebe schon lange erreicht. Eine Ausweitung des Lockdowns auf weitere wirtschaftliche Bereiche würde dem Standort noch tiefere Schäden zufügen. Solche Gedankenspiele bereiten mir große Sorge. Vielmehr sollte beim Bund-Länder-Gipfel darüber gesprochen werden, wie den geschlossenen Betrieben schnell und unbürokratisch geholfen wird. Zu lange muss auf die versprochenen Gelder gewartet werden. Zu viele Unternehmen fallen durch das Raster bei den Förderkriterien. Es ist gut, dass das Bundeswirtschaftsministerium hier Änderungen angekündigt hat. Das muss jetzt schnell beschlossen werden!"

Auch die Debatte um eine Ausweitung von Homeoffice-Arbeit oder gar eine Pflicht gehe für viele Betriebe leider an der Realität vorbei, ergänzt Reichhold. „Gerade im Handwerk kommt aufgrund der Tätigkeit häufig kein Homeoffice in Betracht. Selbstverständlich müssen Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht jederzeit eingehalten werden, auch bei anstrengenden Tätigkeiten. Und selbstverständlich appellieren wir auch an die Betriebe, ihren Beschäftigten in dieser Situation Homeoffice anzubieten – wo immer möglich. Wir wissen, dass Homeoffice für viele Unternehmen eine finanzielle, organisatorische und auch datensicherheitstechnische Belastung darstellt. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann Homeoffice eine soziale und emotionale Belastung sein.“

Beim Thema Impfen muss die Geschwindigkeit erhöht werden, so Reichhold und Grenke weiter. Gesundheitsminister Spahn lasse gerade bundesweit nach bestehenden Produktionsstätten für Impfstoffe suchen, die schnell umgerüstet werden könnten. „Die Südwestwirtschaft steht bereit, sich weiter in die Gespräche rund um die Impfstoffproduktion einzubringen. Viele Betriebe sind hier schon in der Logistikkette aktiv. Es muss alles dafür getan werden, der Wirtschaft eine Perspektive zu geben, wieder zu öffnen und selbst Geld zu verdienen. Permanente Hilfsgelder, die nur unzureichend ankommen, sind keine Dauerlösung.“ Kammern und Verbände würden jederzeit bei der Erarbeitung einer Exitstrategie unterstützen, appellieren die Präsidenten abschließend an die Politik.

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