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  • Umsatz legt 2021 um rund 2 Prozent zu
  • Starker Kostendruck und andauernde Materialengpässe
  • Prognose 2022: Umsatzplus von rund 10 Prozent aufgrund von Preiseffekten

Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK), erklärt am 21. Februar 2022 zur wirtschaftlichen Situation der Branche: 

Trotz widriger Rahmenbedingungen hat sich die deutsche Möbelindustrie im Jahr 2021 gut behauptet. Der Umsatz legte um rund 2 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro zu und entwickelte sich damit besser als prognostiziert. Neben großen Auftragsüberhängen aus dem Jahr 2020 konnten die pandemiebedingten Schließungen des Möbelhandels im Frühjahr 2021 besser kompensiert werden als zu Zeiten des ersten Lockdowns Anfang 2020. Gleichwohl hat unsere Branche das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht (2019: 17,9 Milliarden Euro Umsatz).

Auch im zweiten Jahr der Pandemie stand das Thema Wohnen und Einrichten bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Viele Menschen investierten 2021 in ihre eigenen vier Wände. Zum einen, weil das eigene Zuhause in diesen Zeiten als sicherer Rückzugsort besonders geschätzt wird. Zum anderen, weil Urlaubs- und Freizeitaktivitäten coronabedingt teilweise eingeschränkt waren. Bei den Neuanschaffungen besonders beliebt waren Küchen, Sofas sowie Möbel für das Homeoffice.

Die erfreuliche Nachfrage brachte für unsere Branche gleichzeitig große Herausforderungen mit sich. Bei vielen wichtigen Vormaterialien bestanden im vergangenen Jahr erhebliche Engpässe. Auch aktuell kämpfen unsere Hersteller weiterhin mit den Folgen der coronabedingten Störungen in den Lieferketten. In unserer jüngsten Verbandumfrage berichteten 44 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre Produktion im Januar 2022 aufgrund von Materialknappheiten eingeschränkt oder verzögert war. Während sich die Lage bei den Holzwerkstoffen und Polsterschäumen im Januar zumindest stabilisiert hat, verschärften sich die Engpässe insbesondere bei elektronischen Bauteilen und Verpackungsmaterialien weiter. Auch logistische Kapazitäten werden immer knapper.  Obwohl unsere Branche alles daransetzt, ihre Lieferfähigkeit sicherzustellen, sind derzeit aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen in einigen Bereichen verlängerte Lieferzeiten leider nicht auszuschließen.

Zu schaffen macht unseren Hersteller aber nicht nur die angespannte Materialversorgung. Zur Belastung wird die massive Verteuerung nahezu aller Materialen und Vorprodukte. Betroffen sind unter anderem Holzwerkstoffe, Beschläge und Metallkomponenten, Polsterschäume, Verpackungsmaterialien, elektronische Bauteile, Logistikkosten sowie Energie. Ein Beispiel: Die Preise für Holzwerkstoffe, als eine der Hauptkomponenten für Küchen- und Kastenmöbel, lagen nach amtlicher Statistik (Index der Erzeugerpreise Statistisches Bundesamt) im Dezember 2021 um 40,2 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Ein Ende dieser Entwicklung ist gemäß den Ergebnissen der jüngsten ifo-Konjunkturumfrage offensichtlich noch nicht erreicht. Die Preise für Rohstoffe und Vormaterialien sind weiterhin in Bewegung und werden in immer kürzeren Zeiträumen angepasst. Angesichts der Größenordnung der schon erfolgten bzw. prognostizierten Erhöhungen können diese Mehrbelastungen von der Möbelindustrie nicht „weggeatmet” werden. Wie in anderen Branchen auch, wird eine Weitergabe in der Wertschöpfungskette unumgänglich sein. Aufgrund der aktuell sehr dynamischen Preisentwicklung bei den Zulieferprodukten und den traditionell langen Preislaufzeiten zwischen Industrie und Handel, die oftmals ein Jahr betragen, steuert die Branche auf ein massives Problem zu. Hier muss es zu einer Veränderung der Preislaufzeiten und zu unterjährigen Mechanismen kommen, um den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

Als Folge der Fragilität der Lieferketten beobachten wir bei den deutschen Möbelherstellern das Bestreben, in der Beschaffung stärker zu diversifizieren und dabei auch den Einkauf auf dem Heimatmarkt sowie innerhalb der EU noch weiter auszudehnen. Als besonders problematisch erweist sich den befragten Unternehmen zufolge derzeit die Beschaffung in der Region Asien.

Darüber hinaus gestalten sich die Logistikkapazitäten immer enger. Als Hauptursache gilt hier der eklatante Mangel an LKW-Fahrern. Auch ist die Anlieferung an den Handel unter Corona-Bedingungen mit größerem Aufwand verbunden als sonst.

Unter Druck sieht sich unsere Branche durch die zunehmende Marktmacht des Möbelhandels. Der vom Bundeskartellamt im Januar genehmigte Beitritt der Krieger-Höffner-Gruppe zur Einkaufskooperation Begros (u.a. Porta) bedeutet ein gemeinsames Einkaufsvolumen in hoher einstelliger Milliardenhöhe. Die Konzentration auf Seiten der Möbelhändler nimmt damit weiter zu – zu Lasten der mittelständischen Hersteller und ohne sichtbaren Nutzen für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Denn durch stärkere Konzentration nimmt die Angebotsvielfalt ab, ohne dass die Endverbraucherpreise nachvollziehbar sinken.

Vor Herausforderungen sieht sich unsere Branche auch bei der Gewinnung von Nachwuchs- und Fachkräften gestellt. Mehr als die Hälfte der Hersteller gaben in der Verbandsumfrage an, dass sie ihre Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen können. Rund 80 Prozent berichten von Engpässen bei Fachkräften und sehen in den kommenden Jahren einen weiter steigenden Personalbedarf. Dem Fachkräftemangel entgegenwirken wollen wir mit der im vergangenen Jahr gegründeten Lehrfabrik der Möbelindustrie in Löhne. Das 2800 Quadratmeter große, mit modernsten Anlagen ausgestattete Ausbildungs- und Qualifizierungszentrum wird in Zukunft verschiedene Bildungsmodule anbieten und jährlich rund 200 interessierte Nachwuchskräfte aus- und weiterbilden.

Als Wachstumstreiber erwies sich im vergangenen Jahr das Auslandsgeschäft mit einem Umsatzplus von rund 5 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Der Inlandsumsatz zog vor dem Hintergrund der langen Phase der Handelsschließungen – der zweite Lockdown währte von Mitte Dezember 2020 bis Mai 2021 – nur um 0,5 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro an.

Die einzelnen Segmente der deutschen Möbelindustrie entwickelten sich höchst unterschiedlich. Nach Angaben der amtlichen Statistik verzeichneten die Küchenmöbelhersteller einen kräftigen Umsatzanstieg von knapp 9 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Ein überdurchschnittliches Wachstum registrierten auch die Hersteller von Polstermöbeln, deren Umsätze um knapp 13 Prozent auf rund 1 Milliarde Euro zulegten. Auch das kleinste Segment der Branche – die Matratzenindustrie – wies ein Umsatzplus in Höhe von 3,5 Prozent auf rund 780 Millionen Euro aus. Dagegen fiel die Umsatzentwicklung beim größten Segment der Möbelindustrie – den sonstigen Möbeln (darunter Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel) sowie Möbelteilen – mit minus 7,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro deutlich negativer aus als im Branchendurchschnitt. Die Büromöbelindustrie verbuchte mit einem Umsatz von rund 2 Milliarden Euro ein Plus von knapp 4 Prozent. Die Hersteller von Laden- und sonstigen Objektmöbeln lagen um 8 Prozent über dem Vorjahreswert und erzielten einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro.

Auch bei der aktuellen Auftragslage zeigt sich ein gemischtes Bild. Nach internen Erhebungen der Fachverbände stieg der Auftragseingang in der deutschen Küchenmöbelindustrie von Januar bis Dezember 2021 um knapp 7 Prozent. In der Polstermöbelindustrie wurde ein Zuwachs um 1,5 Prozent registriert. In der Wohnmöbelindustrie jedoch gab es einen deutlichen Rückgang von 12 Prozent. Die im Vergleich zur amtlichen Statistik deutlich negativeren Ergebnisse sind vor allem auf das zeitliche Auseinanderfallen zwischen Auftragseingang und Umsatz und den guten Auftragsbestand zum Ende des Jahres 2020 zurückzuführen. Ein weiterer Grund ist die Einbeziehung der ausländischen Produktionsstätten deutscher Hersteller sowie der deutschen Vertriebsgesellschaften ausländischer Hersteller, die von der amtlichen Statistik nicht erfasst werden.

Ein Blick auf die Beschäftigtendaten der Branche zeigt, dass in den aktuell 459 Betrieben (minus 1,9 Prozent) mit mehr als 50 Beschäftigten im Jahresdurchschnitt 79.168 Beschäftigte arbeiten (minus 4 Prozent). Dieser Rückgang ist eher auf statistische Effekte als auf eine Personalreduzierung zurückzuführen.

Die deutschen Möbelexporte legten im vergangenen Jahr um knapp 15 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro zu. Der Exportwert ist in der Regel höher als der Auslandsumsatz der Industrie, denn im Gegensatz zum Auslandsumsatz schließt der Exportwert auch die an ausländischen Produktionsstandorten hergestellte Ware mit ein. Erfreulich ist die Steigerung der Ausfuhren nach Frankreich, dem wichtigsten Exportmarkt der deutschen Möbelindustrie, mit einem kräftigen Plus von fast 26 Prozent. Die Schweiz belegte Platz zwei im Ranking der wichtigsten Exportländer mit einem Plus von gut 9 Prozent, gefolgt von Österreich und den Niederlanden mit einem Plus von jeweils knapp 13 Prozent. Auf dem britischen Markt gab es nach der Unterzeichnung des Handelsabkommens mit der EU einen kräftigen Zuwachs von 16 Prozent. In fast allen anderen europäischen Exportmärkten wurden ebenfalls deutliche Steigerungen verzeichnet.

Eine positive Entwicklung war auch auf den außereuropäischen Exportmärkten zu verbuchen. So kletterten die deutschen Möbelexporte in die USA um rund 13 Prozent. In China gelang ein Zuwachs von gut 5 Prozent, die deutschen Möbelexporte nach Russland legten um knapp 8 Prozent zu.

Die Industrieexportquote – dies ist der Anteil der von den heimischen Möbelherstellern direkt ins Ausland gelieferten Ware am Gesamtumsatz der Branche – lag bei 32,2 Prozent und damit über dem Niveau des Vorjahres (Gesamtjahr 2020: 31,2 Prozent).

Die internationalen Messeaktivitäten sind wieder angelaufen. Auf der Küchen- und Badfachmesse KBIS in Orlando präsentierten sich Anfang Februar mehrere deutsche Küchenmöbelhersteller auf einem Gemeinschaftstand dem amerikanischen Fachpublikum. Angesichts der guten Resonanz soll der German Pavilion auf der KBIS 2023 in Las Vegas deutlich ausgebaut werden. Auch in Deutschland und in weiteren EU-Ländern finden vereinzelt wieder Fachmessen statt. Unsere mit Abstand wichtigste Branchenschau, die imm cologne, konnte zu unserem großen Bedauern auch in diesem Jahr coronabedingt wieder nicht stattfinden. Wir arbeiten derzeit zusammen mit der Koelnmesse intensiv an der nächsten Ausgabe der imm cologne im Januar 2023. Im Ausland plant der VDM im Jahr 2022 Gemeinschaftsbeteiligungen an insgesamt acht Auslandsmessen in den USA, China, Russland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Schweden. Im Jahr 2023 soll Japan als weiterer Messestandort dazukommen.

Die deutschen Möbelimporte legten im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf annähernd 10,2 Milliarden Euro zu. Mit einem stattlichen Zuwachs von wertmäßig 41 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro zogen die Einfuhren aus China überdurchschnittlich stark an. Betrachtet man die mengenmäßige Entwicklung, liegt der Anstieg nur etwa halb so hoch, was auf einen starken Preisanstieg der chinesischen Importware schließen lässt. China löste damit Polen (plus 7 Prozent) als das bisher wichtigste Möbelherkunftsland ab. Die Importe aus Italien – auf Rang drei der Lieferländer platziert – stiegen um 1,5 Prozent. Auf Rang vier folgt Rumänien mit einem Plus von 7,5 Prozent. Auch die Einfuhren aus Vietnam (plus 27 Prozent), der Türkei (plus 38 Prozent) und Frankreich (plus 10 Prozent) erhöhten sich deutlich.

Für das laufende Jahr sind wir grundsätzlich optimistisch gestimmt. Die Erwartungen unserer Industrie in Bezug auf die Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten haben sich laut Ifo-Institut im Januar stark verbessert. Zwar werden uns die Störungen in den Lieferketten wohl noch einige Monate begleiten. Auch bestehen Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Pandemie. Doch bei den Verbrauchern ist das Interesse am Thema Möbel weiterhin hoch.

In Bezug auf die Absatzmenge erwarten wir in diesem Jahr in etwa eine Seitwärtsbewegung auf dem Niveau des Vorjahres. Bei einer nominalen Betrachtung des Umsatzes rechnen wir mit erheblichen Effekten aufgrund notwendiger Preisanpassungen vor dem Hintergrund einer enormen Verteuerung der Zulieferer- und Energiepreise, die in der Kette weitergegeben werden müssen. Vor diesem Hintergrund prognostizieren wir für die deutsche Möbelindustrie im Gesamtjahr 2022 ein nominales Umsatzplus von rund 10 Prozent.

Neben VDM-Geschäftsführer Jan Kurth sprachen heute Christian Haeser, Geschäftsführer des Handelsverbands Möbel und Küchen (BVDM), und Matthias Pollmann, Geschäftsbereichsleiter Messemanagement der Koelnmesse GmbH, zur aktuellen Lage der Möbelbranche und zum Stand des Messegeschäfts.

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