Am 27. Juni startet die neue Sonderausstellung „Geschmacksfragen“ in der experimenta. In der selbst konzipierten Schau können Besucherinnen und Besucher an 24 Stationen ihre eigenen Vorlieben bei den Themen Essen, Musik, Wohnen, Liebe und Mode ergründen. Die App „Unite in Taste“ basiert auf der Ausstellung, bietet jedoch auch unabhängig vom Besuch Spielspaß und Wissen.

Ob beim Essen, der Mode oder in der Liebe – warum mögen Menschen, was sie mögen? Dieser Frage geht die experimenta mit der selbst entwickelten Sonderausstellung „Geschmacksfragen“ auf den Grund. Vom 27. Juni 2022 bis zum 8. Januar 2023 können die Besucherinnen und Besucher den eigenen Geschmack erkunden und gewinnen eine neue Sicht auf die vielen Entscheidungen, die sie täglich treffen. „Mit Geschmacksfragen wollen wir bewusst eine Brücke von der Wissenschaft in die eigene Lebenswelt schlagen“, erklärt Dr. Christian Sichau, Leiter des Ausstellungsteams in der experimenta.

Entdeckungstour in bunter Shoppingmall
Die neue Sonderausstellung ist im Stil einer bunten Shoppingmall gestaltet, in der die Gäste in fünf Abschnitten zu den Themen Essen, Musik, Wohnen, Liebe und Mode auf Entdeckungstour gehen. An den 24 Mitmachstationen stehen sie vor der Wahl: Welche Speisen sind lecker, welche eklig? Wie sieht der eigene Lieblingsstuhl aus – überzeugt er mit Design oder durch Funktion? Welche Schönheitsideale existieren in den Köpfen und welche Stimmen werden als attraktiv wahrgenommen? Doch nicht nur Entscheidungen sind beim Besuch der Ausstellung gefragt, sondern auch Kreativität: Im Themenfeld Mode können die Besucherinnen und Besucher einen Sneaker selbst designen und auf der Musikfläche einen Hit zum Mittanzen komponieren.

Mit jeder gespielten Station verfeinert sich ein individuelles Profil, das den Besuchenden zeigt, was ihren persönlichen Geschmack ausmacht und was sie mit anderen verbindet – oder von anderen unterscheidet. Durch das entstehende Geschmacksmuster erfahren die Gäste Neues über sich selbst und können speziell beim Vergleich mit anderen Profilen herausfinden, wie einzigartig der eigene Geschmack wirklich ist. „Eine wichtige Erkenntnis ist jedoch: Es gibt nicht den einen richtigen Geschmack“, betont Dr. Christian Sichau. Unterschiedliche Vorlieben seien ganz normal und nichts Negatives.

Geschmack im Wandel der Zeit
Amaranth, Gojibeeren oder Kurkuma – nicht nur bei Lebensmitteln erscheinen ständig neue Positionen auf der Einkaufsliste und zählen plötzlich zum populären Geschmack. Spielten früher noch Fernsehserien oder Musikvideos eine wichtige Rolle beim Entstehen von Trends, ist es heute die digitale Welt in Form von Likes, Influencern, Bewertungsportalen oder Dating-Apps. Die ganze Welt ist zum Greifen nah und Entscheidungen werden vielfach anhand von Bewertungen und Likes getroffen. Digitalkonzerne nutzen längst Algorithmen und machen den Nutzerinnen und Nutzern Vorschläge, was ihnen als nächstes gefallen könnte. Die Sonderausstellung greift diese Punkte auf und beantwortet die Frage, wie stark die digitale Welt unseren Geschmack beeinflusst.

Manchmal lohnt ein Perspektivenwechsel, um den eigenen Geschmack zu reflektieren und Gewohnheiten, die durch das soziale Umfeld geprägt sind, zu durchbrechen. Ein ideales Vehikel dafür liefert die Kunst. Sie zieht in Form eines Mini-Kinos in die Sonderausstellung ein. Passend zu den fünf Themen Essen, Musik, Wohnen, Liebe und Mode werden dort Projekte internationaler Künstlerinnen und Künstler präsentiert. Mit ihren Fotografien halten sie den Besuchenden einen Spiegel vor und zeigen ihnen, wie merkwürdig es sich manchmal mit dem eigenen Geschmack verhält.

Am Ende der Ausstellung erhalten die Gäste eine Zusammenfassung mit ihren persönlichen Geschmacksentscheidungen. Ist es wirklich so, dass Jazz-Liebhaber automatisch auch skandinavisches Design mögen? So sehr sich über Geschmack streiten lässt, so deutlich zeigen die entstandenen Geschmacksmuster, dass gemeinsame Vorlieben auch verbinden.

Daten für die Wissenschaft

Wer möchte, kann seine Geschmacksentscheidungen und das daraus resultierende Profil der Forschung zur Verfügung stellen. Die experimenta arbeitet für „Geschmacksfragen“ mit Forschenden der Hochschule Heilbronn, der Bergischen Universität Wuppertal und dem Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt zusammen. Ziel ist es, mithilfe der anonymisierten Besucherdaten wissenschaftlich mehr über das Phänomen Geschmack herauszufinden. Durch die gesammelten Daten möchten die Forschenden erfahren, welche Faktoren und Aspekte die individuelle Geschmacksbildung beeinflussen.

Dabei kann jede und jeder sich beteiligen, nicht nur in der Sonderausstellung, sondern auch über die eigens entwickelte App „Unite in Taste“. Sie basiert auf den Themen der Ausstellung, kann aber auch unabhängig von ihr genutzt werden. Darin erkunden Nutzerinnen und Nutzer auf spielerische Art ihren persönlichen Geschmack, indem sie einen digitalen Avatar gestalten. Durch Aussehen, Kleidungsstil, Essgewohnheiten, Wohnungseinrichtung oder Lieblingsmusik wird die Spielfigur zum Ausdruck des eigenen Geschmacks. Der kreierte Avatar muss außerdem kleine Spielaufgaben lösen. Und wer möchte, kann mit anderen Spielfiguren in Kontakt treten und so mehr über die Vorlieben anderer Menschen erfahren. So wird die Ausstellung Geschmacksfragen in Verbindung mit der App „Unite in Taste“ zu einem großen Experiment, das so manchen Aha-Effekt und auf jeden Fall ein einzigartiges Geschmackserlebnis garantiert.

Heilbronn zeigt Geschmack
Auch die Stadt Heilbronn lässt sich von der Sonderausstellung „Geschmacksfragen“ inspirieren und greift das Thema auf. Noch bis zum 18. September präsentiert sich die Stadt am Neckar farbenfroh und vielfältig: mit Blumen, Fähnchen und Schmuckbändern sowie zahlreichen Veranstaltungen und Mitmach-Aktionen. Passend zu den fünf Ausstellungskategorien Essen, Mode, Liebe, Wohnen und Musik bieten Handel, Gastronomie und Kultureinrichtungen ein buntes Programm. So bringt das Theater Heilbronn mit „Romeo und Julia“ eine der berühmtesten Liebesgeschichten aller Zeiten auf die Bühne. Verschiedene Stadtführungen greifen die Heilbronner Architektur im Wandel der Zeit auf, von den alten Villen im Osten bis zum neuen Stadtteil Neckarbogen. In der Kategorie Essen und Trinken dreht sich natürlich viel um den Wein, sei es am Weinausschank auf dem Wartberg, dem Weinsommer oder natürlich dem Weindorf, was gleichzeitig den Abschluss von „Heilbronn zeigt Geschmack“ markiert. 

Öffnungszeiten und Preise

Die Sonderausstellung „Geschmacksfragen“ ist vom 27. Juni 2022 bis 8. Januar 2023 im Science Center experimenta in Heilbronn zu sehen. Sie ist montags bis freitags von 9:00 bis 17:00 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung ist im Eintrittspreis der experimenta enthalten, Karten für „Geschmacksfragen“ können aber auch vor Ort an der Kasse einzeln gekauft werden. Dann kostet ein Ticket für Erwachsene 7,00 Euro und ermäßigt 4,00 Euro. Weitere Informationen gibt es online unter: www.experimenta.science/geschmacksfragen.

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