Die mittel- und langfristige Entwicklung des Milchsektors in Deutschland ist stark abhängig von kommenden politischen Weichenstellungen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die am
11. November in Berlin im Rahmen eines Parlamentarischen Milchfrühstücks des Verbands der Deutschen Milchwirtschaft vorgestellt wurde. Aus der Studie geht hervor, dass sich die deutsche Milchproduktion schon heute in einem massiven Transformationsprozess befindet, der durch Entwicklungen in den Bereichen Tierhaltungskennzeichnung, Düngeverordnung, Klimabilanzierung oder z.B. Antibiotikaeinsatz weiter beschleunigt werden könnte.

Angesichts der heterogenen Vielfalt von Einflüssen auf die Milchbranche wurden in der vorliegenden Studie „Perspektiven der Milchproduktion und -verarbeitung in Deutschland bis 2030“ die wesentlichsten Faktoren analysiert. Auf die folgenden Empfehlungen zu den Einflussfaktoren weisen die Initiativverbände der Strategie 2030 der deutschen Milchwirtschaft hin:

  1. Energieversorgung: Molkereien (und deren Zulieferer) müssen als kritische Infrastruktur und systemrelevant eingestuft werden. Bei möglichen Energieengpässen sind diese zu priorisieren.
  2. Haltungsmanagement: Ein staatlicher Eingriff in die Tierhaltungskennzeichnung darf nur der Förderung der etablierten privatwirtschaftlichen Kennzeichnung dienen. Die Kombinationshaltung muss auch zukünftig als Haltungsform erhalten bleiben.
  3. Klima: Der Klimaschutz und Emissionsreduktionen sind global zu betrachten. Eine Extensivierung auf Gunststandorten wie Mitteleuropa ist klimaschädlich, da die Produktion in andere Regionen mit höheren Kohlenstoff-  Opportunitätskosten verlagert wird.

Der Präsident des Verbands der Deutschen Milchwirtschaft, Karsten Schmal, zu den Ergebnissen der Studie: „Der deutsche Milchsektor trägt durch seine Anpassungsfähigkeit auch in Ausnahmesituationen zur krisenfesten Versorgung mit heimischen Lebensmitteln bei. Es gilt, diese Strukturen der Milchproduktion und -verarbeitung zu unterstützen und nicht durch zusätzliche Auflagen einzuschränken.“ Schmal hofft, dass sich politische Entscheidungsträger die wichtigsten Empfehlungen der Studie dementsprechend zu eigen machen. Der Trend der abnehmenden Zahl an Milchviehbetriebe, Milchkühen und Milchmenge in Deutschland dürfe durch falsche politische Weichenstellungen nicht noch weiter verstärkt werden.

Der Verband der Deutschen Milchwirtschaft e.V. ist der Runde Tisch der deutschen Milchbranche. Unter diesem Dach wurde die „Strategie 2030 der deutschen Milchwirtschaft“ erarbeitet, die im Januar 2020 veröffentlicht wurde. Hauptbestandteil der Strategie 2030 ist ein Maßnahmenkatalog, welcher von mehr als hundert Entscheidungsträgern der Branche – darunter Vertreter der Initiativverbände Bundesverband der Privaten Milchwirtschaft, Deutscher Bauernverband, Deutscher Raiffeisenverband, Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft, Milchindustrie-Verband – erarbeitet wurde. Einige der gemeinsam gesetzten Ziele konnten bereits zur Umsetzung gebracht werden, z.B. in den Bereichen Branchenkommunikation, Standardsetzung und Lieferbeziehungen. In einigen Bereichen ist der Sektor auf die Aktivität von Dritten – auch von Regierungsinstitutionen – angewiesen.

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