In Hamburg arbeitet das pädagogische und therapeutische Fachpersonal in den Schulen im Unterricht, der außerunterrichtlichen Bildung, der Beratung, der Pflege und der ergo- und physiotherapeutischen Versorgung der Schüler*innen. Pädagogisches und Therapeutisches Fachpersonal (kurz PTF) sind u. a. Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Ergotherapeut*innen und Physiotherapeut*innen, das bedeutet unterschiedliche Professionen mit unterschiedlichen Fachbereichen.

Eines der gravierendsten Probleme bei dieser Gruppenbezeichnung ist die Fachlichkeit. „Oft“, so Manuela Wrede, Sozialpädagogin an einer Schule und aktiv in der GEW-Fachgruppe PTF, „scheint es so, dass die Schulbehörde nicht wirklich weiß, was die Kompetenzen der einzelnen Berufsgruppen sind. Die jeweilige pädagogische fachspezifische Expertise wird häufig nicht erkannt. Dies zeigt sich schon daran, dass die Behörde eine einheitliche Arbeitsanweisung für mehrere absolut unterschiedliche Professionen herausgibt.In der Realität wird PTF-Personal häufig als Lückenstopfer für die Lehrkräfte genutzt.“

„Die Kolleg*innen sind häufig im Vertretungseinsatz und schaffen es nicht mehr ihrer eigentlichen, geplanten Arbeit nachzukommen. Ein weiteres Problem ist dann, dass ihr Vertretungseinsatz zwar laut Anweisung der Schulbehörde als Unterrichtsausfall statistisch erfasst werden müsste, dies aber an den meisten Schulen nicht geschieht. Die Begründung dafür lautet, dass das an allen Schulen genutzte Verwaltungstool Untis, es nicht hergebe. Vertretungseinsatz von PTF für Lehrkräfte wird somit verschleiert und Unterrichtsausfall von außen nicht erkannt,“ ergänzt Daniel Heitmann, Erzieher an einer Schule und aktiv in der GEW-Fachgruppe PTF.

Weitere Informationen zum Thema Vertretungsunterricht finden sich hier.

Die GEW fordert, dass die Schulbehörde ihre eigenen Anweisungen einhält. Das PTF-Personal darf nur im äußersten Notfall für Lehrkräfte eingesetzt werden und dies muss auch statistisch erfasst werden.

„Seit Jahren müssen wir Lehrkräfte zum Nulltarif vertreten und vernachlässigen dadurch unsere eigentlichen pädagogischen und therapeutischen Aufgaben an den Schulen. Damit findet wichtige soziale Arbeit nicht statt. Große Arbeitsfelder im Rahmen der Inklusion an Schulen liegen brach. In der Rolle der Lehrkraft fordern wir Leistung von den Schülerinnen und Schülern, anstatt sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen und individuell zu fördern. Dabei können Vertrauensverlust und Irritationen entstehen. Schule ist mehr als nur ein Bildungsort für formalen Unterricht“, so Manuela Kirschbaum, Erzieherin an einer Schule und aktiv in der GEW-Fachgruppe PTF.„Unserem Wissen nach gibt es in anderen Bundesländern bereits die Möglichkeit für Fachkräfte, sich für eine Lehrbefähigung weiter zu qualifizieren. Die Schulbehörde scheint dies abzulehnen, weil sie um die Schwächung des Lehrer*innenberufs fürchtet. Schaut man auf den bestehenden und fortschreitenden Lehrkräftemangel, ist das nicht ernst zu nehmen. So entsteht aber der Eindruck, dass die Schulbehörde die Billigvariante weiterhin und gerne in Anspruch nimmt.“

„Eine der Hauptforderungen der GEW ist daher eine eigene Fachaufsicht für das pädagogische und therapeutische Fachpersonal. Sie muss sich mit der jeweiligen Expertise dereinzelnen Professionen auskennen, den Einsatz von PTF-Personal an Hamburger Schulen überprüfen und bei Fehleinsatz auch den Schulleitungen gegenüber eingreifen, sprich weisungsbefugt sein. Warum legt die BSB eine Regelung fest und macht sich keine Gedanken wie diese Regelung umgesetzt wird?“ kritisiert Bodo Haß, stellvertretender Vorsitzender GEW Hamburg.

Hintergrund

Dass Lehrkräfte bundesweit fehlen, ist bekannt. Dass an den Schulen Sozialpädagog*innen, Erzieher*innen, Therapeutinnen*innen, Heilerziehungspfleger*innen etc. rar werden und z. T. den Lehrkräftemangel kompensieren, liest man nicht. Beim GEW-Fachtag PTF „Fachkräftemangel – auch bei uns!“ am 22. Juni im Curiohaus stand dieses Thema im Mittelpunkt. Ein Thema war, ob PTFler*innen Unterricht vertreten sollen, und falls ja, zu welchen Bedingungen. Ein weiterer Aspekt war der unterschiedliche Einsatz an den verschiedenen Schulformen.

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