Die klassische Pille verliert bei jungen Frauen immer mehr an Bedeutung: Der Anteil der GKV-versicherten Mädchen und Frauen, die zur Verhütung kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) verschrieben bekommen, ist seit Jahren rückläufig. Diese Tendenz hat sich auch 2022 noch einmal verstärkt. Der Verordnungsanteil sank bundesweit um vier Prozentpunkte auf 28 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Analyse der GKV-Verordnungsdaten durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). Zeitgleich setzt sich der Trend zu risikoärmeren Pillen fort. Wurden in Niedersachsen im Jahr 2013 noch 64,3 Prozent jener Präparate mit einem höheren Risiko für tiefe Beinvenenthrombosen und Embolien verordnet, waren es 2022 nur noch 48,3 Prozent.

Die Gründe für diese Entwicklung sieht Dr. Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbandes, u.a. in einem größeren Bewusstsein der Mädchen und jungen Frauen um die Nachteile der klassischen Pille: „Dass eine hormonelle Verhütung auch Risiken hat, wird gerade in den sozialen Medien immer stärker thematisiert.“ Zudem würden Ärztinnen und Ärzte ihre Patientinnen auf Grundlage der medizinischen Vorerkrankungen und individuellen Lebensumstände beraten, und über Risiken, auch bezüglich Thrombose oder Embolie aufklären.

Kombinierte hormonale Verhütungsmittel (KOK) wie die Pille enthalten immer zwei Arten von Hormonen: Östrogene und Gestagene. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 110 unterschiedliche KOK-Präparate verordnet.

Das Verhältnis zwischen risikoreicheren und risikoärmeren Präparaten hat sich im Zeitverlauf zugunsten der Pillen mit niedrigerem Risiko verbessert. Als risikoärmer gelten kombinierte orale Kontrazeptiva, die unter anderem die Gestagene Levonorgestrel, Norethisteron und Norgestimat enthalten. In Bezug auf Schwangerschaftsverhütung sind sämtliche Gestagene gleich wirksam. 

Risiken und Nutzen stets abwägen

Die Entscheidung für ein Verhütungsmittel bleibt eine ganz individuelle Entscheidung, die nur unter gründlicher Abwägung der Risiken und des Nutzens getroffen werden sollte. Dazu gehört aber auch der Fakt, dass die Pille seit mehr als 60 Jahren als eines der wirksamsten Verhütungsmittel gilt.

Die Pille wird für gesetzlich versicherte Mädchen und Frauen bis zum vollendeten 22. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen.

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Die AOK ist die größte Krankenversicherung in Niedersachsen (Marktanteil 38 Prozent). Rund drei Millionen Versicherte können sich auf den Schutz einer starken Gemeinschaft verlassen. Zwischen Nordsee und Harz ist die Gesundheitskasse an über 100 Standorten vertreten. Die AOK beschäftigt landesweit rund 6800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Haushaltsetat beträgt in der Kranken- und Pflegeversicherung 14 Milliarden Euro.

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