Die Inflationsrate in Deutschland ist im November auf 3,2 Prozent gesunken. Damit war die Teuerung einerseits immer noch deutlich höher als von der Europäischen Zentralbank (EZB) in ihrer Zielinflationsrate angestrebt, andererseits fast sechs Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor. Ebenfalls relativ niedrig ist aktuell die Spanne der Inflationsbelastung zwischen verschiedenen Haushaltstypen, die sich nach Einkommen und Personenzahl unterscheiden. Der Unterschied zwischen der höchsten und der niedrigsten haushaltsspezifischen Rate betrug im November 0,6 Prozentpunkte, während es 3,1 Prozentpunkte im Oktober 2022 und im März 2023 noch 2,4 Prozentpunkte waren. Den dritten Monat seit Beginn der drastischen Teuerungswelle waren im November ärmere Haushalte, unabhängig von ihrer Größe, nicht mehr am oberen Rand der haushaltsspezifischen Inflationsraten zu verorten, sondern nun am unteren Ende. Familien mit niedrigen Einkommen hatten im November eine Inflationsrate von 2,4 Prozent zu tragen, bei Alleinlebenden mit niedrigen Einkommen waren es 2,5 Prozent. Da ärmere Singles und ärmere Familien über den größeren Teil des Jahres 2023 mit zum Teil deutlich überdurchschnittlichen Teuerungsraten konfrontiert waren, dürfte trotzdem auch ihre Jahresrate ebenfalls überdurchschnittlich ausfallen. In den kommenden Monaten dürfte sich der Trend zu sinkenden Inflationsraten fortsetzen, allerdings unterbrochen durch einen zeitweiligen Ausschlag nach oben im Dezember und möglicherweise im Januar, prognostizieren Dr. Silke Tober und Prof. Dr. Sebastian Dullien im neuen IMK Inflationsmonitor, den das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung vorlegt.*

Die Inflationsexpertin und der wissenschaftliche Direktor des IMK berechnen seit Anfang 2022 jeden Monat spezifische Teuerungsraten für neun repräsentative Haushaltstypen, die sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen unterscheiden (mehr zu den Typen und zur Methode unten und in der Abbildung in der pdf-Version dieser PM; Link unten).

Ärmere Haushalte waren während der aktuellen Teuerungswelle bis in den Herbst hinein besonders stark durch die Inflation belastet, weil sie einen großen Teil ihres schmalen Budgets für Güter des Grundbedarfs wie Nahrungsmittel und Haushaltsenergie ausgeben müssen. Diese waren die stärksten Preistreiber. Im Laufe der letzten Monate hat die Preisdynamik aber vor allem bei der Energie deutlich nachgelassen, so dass sich die einkommensspezifischen Differenzen seit dem Höhepunkt im Oktober 2022 stark verändert haben. Damals hatten Familien mit niedrigen Einkommen die höchste Inflationsrate im Haushaltsvergleich mit 11,0 Prozent. Dagegen waren es bei Alleinlebenden mit sehr hohen Einkommen 7,9 Prozent. Doch auch wenn die Inflationsraten seitdem stark gesunken sind und die Werte für die verschiedenen Haushalte sich angenähert haben, wird das Problem steigender Preise vor allem für Menschen mit niedrigen Einkommen dadurch verschärft, dass viele nur geringe finanzielle Rücklagen haben und die Alltagsgüter, die sie vor allem kaufen, kaum zu ersetzen sind.

Dass die allgemeine Inflationsrate von Oktober auf November um 0,6 Prozentpunkte zurückgegangen ist, liegt unter anderem daran, dass die Energiepreise niedriger lagen. Zudem verteuerten sich Lebensmittel zwar noch einmal um knapp sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, das stellt aber eine weitere Verlangsamung gegenüber den Monaten zuvor dar.

Die nachlassende Preisdynamik, die über den Grundbedarf hinaus viele andere Güter und Dienstleistungen betraf, wirkte sich auch bei den übrigen untersuchten Haushaltstypen aus, allerdings weniger stark als bei den ärmeren: So betrug die Preissteigerung bei Paaren mit Kindern und hohen Einkommen im November 3,0 Prozent, bei Paaren ohne Kinder mit mittleren Einkommen und bei Alleinlebenden mit sehr hohen Einkommen je 2,9 Prozent. Paare mit Kindern und mittleren Einkommen waren mit 2,8 Prozent Teuerungsrate konfrontiert. Singles mit mittleren und mit höheren Einkommen verzeichneten Inflationsraten von jeweils 2,6 Prozent. Bei Alleinerziehenden mit mittleren Einkommen schlug die Inflation mit 2,5 Prozent zu Buche (siehe auch die Abbildung in der pdf-Version). Dass aktuell die spezifischen Inflationsraten der einzelnen Haushaltstypen etwas unter der allgemeinen Rate liegen, beruht darauf, dass das IMK bei der Gewichtung der Warenkörbe die repräsentative Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) heranzieht, während das Statistische Bundesamt seit Jahresanfang auf die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zurückgreift.

Ab März zügiger Rückgang Richtung zwei Prozent Teuerungsrate

Für die kommenden Monate erwarten Tober und Dullien einen weiteren Rückgang der Inflationsrate, wobei der Dezember wegen der staatlichen Abschlagsübernahme für Erdgas- und Fernwärme-Haushalte im Vorjahr einen Ausreißer darstellen wird. Im Januar dürfte sich die Tendenz zu einer sinkenden Teuerung zunächst abschwächen, analysieren die Fachleute. Bremsend wirkten zum Jahresanfang die Normalisierung des Mehrwertsteuersatzes auf Speisen in Gaststätten sowie die Anhebung des CO2-Preises. Das Auslaufen der Energiepreisbremsen zum Jahresende und die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer bei Gas und Fernwärme voraussichtlich zu Ende Februar dürften im ersten Quartal den weiteren Rückgang der Inflation ebenfalls verzögern. Ab März „wird sich die Inflationsrate aber zügig in Richtung zwei Prozent bewegen“, betonen Tober und Dullien. Denn die hohen Preissteigerungen der Vergangenheit fallen sukzessive aus der Inflationsberechnung, die Entwicklung der Gas- und Strompreis dürfte dämpfend wirken.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der wirtschaftlichen Schwäche im Euroraum und insbesondere in Deutschland werde immer deutlicher, dass die EZB mit ihren starken Leitzinserhöhungen überzogen agiert habe: „Da sich die Zweitrundeneffekte durch erhöhte Lohnsteigerungen in Grenzen halten und im kommenden Jahr zurückbilden dürften, war die konjunkturschädliche geldpolitische Restriktion zur Inflationsbekämpfung nicht nur unnötig, sondern erschwert zudem klimapolitisch erforderliche Investitionen und riskiert mittelfristig ein Unterschreiten des Inflationsziels“, schreiben Tober und Dullien.

Informationen zum Inflationsmonitor

Für den IMK Inflationsmonitor werden auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts die für unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster ermittelt. So lässt sich gewichten, wer für zahlreiche verschiedene Güter und Dienstleistungen – von Lebensmitteln über Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen – wie viel ausgibt und daraus die haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im Inflationsmonitor werden neun repräsentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit zwei Kindern und niedrigem (2000-2600 Euro), mittlerem (3600-5000 Euro), höherem (mehr als 5000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen; Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind und mittlerem (2000-2600 Euro) Nettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro), mittlerem (1500-2000 Euro), höherem (2000-2600 Euro) und hohem (mehr als 5000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3600 und 5000 Euro monatlich. Der IMK Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.

*Sebastian Dullien, Silke Tober: IMK Inflationsmonitor: Inflation trotz noch stark steigender Nahrungsmittelpreise im November auf 3,2 % gefallen. IMK Policy Brief Nr. 162, Dezember 2023. Download: https://www.imk-boeckler.de/…

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