Professor Dr. Andrea Pfennig betonte in ihrem Eröffnungsvortrag, dass sich psychische Störungen bei 60 bis 75% der Betroffenen vor dem 25. Lebensjahr manifestieren. Möglichst frühzeitige Diagnostik und Therapie sind daher entscheidend, um den Erkrankungsbeginn zu verschieben und Chronifizierungen zu vermeiden. „Stigma, Scham und der Dschungel der Versorgungslandschaft treffen auf fehlendes Wissen um effektive Therapien“, konstatierte die Dresdener Chefärztin und warb für einen gesellschaftlichen Fokus auf junge Menschen und deren psychische Gesundheit. Prävention ist daher kein „nice to have“, sondern nutzt ein frühes „window of opportunity“ (Fenster therapeutischer Möglichkeiten), unterstrich auch Dr. Arne Bürger, Vorstand des Deutschen Zentrums für Präventionsforschung Psychische Gesundheit DZPP in Würzburg.
Weil sich psychische Belastungen häufig schleichend entwickeln und daher lange unerkannt bleiben, mahnte Dr. Karolina Leopold (Berlin) ganz grundsätzlich einen schnelleren Behandlungszugang und eine frühere therapeutische Intervention gerade während der „critical period“ der ersten drei bis fünf Erkrankungsjahre an. Pflegefachmann Dr. Gianfranco Zuaboni aus der Schweiz stellte mit den „Recovery Colleges“ in Bern ein vielversprechendes Bildungsprojekt vor, um Menschen nicht-stigmatisierend, niederschwellig und ihre Selbstwirksamkeit wie ihre Vernetzung stärkend, zu erreichen. Prof. Dr. Jens Benninghoff (München) warb angesichts des demographischen Anstiegs kognitiver Störungen für „Gedächtnisambulanzen“, um demenzielle Erkrankungen früher diagnostizieren und damit zielgerichteter therapieren zu können.
Weil in der Psychiatrie die Spannungslinien der Gesellschaft zusammenlaufen (Barbara Holzmann), ging Dr. Lieselotte Mahler im Abschlussvortrag auf das zunehmende Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft und die ordnungspolitischen Aufgaben der Psychiatrie ein: „Integration fordert die Anpassung betroffener Personen in bestehende Strukturen, eine inklusive Gesellschaft hingegen wird ihre Strukturen an die Bedürfnisse der Menschen anpassen“, warb die Chefärztin am Theodor-Wenzel-Werk Berlin für einen Perspektivwechsel. Sicherheit wachse durch Teilhabe, Prävention, niedrigschwellige Angebote und die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Die Psychiatrie sei daher nicht für die Gewaltprävention in der Gesellschaft zuständig, sondern müsse ihre Angebote an gesellschaftlicher Teilhabe und individuellem Lebensweltbezug ihrer Patientinnen und Patienten orientieren.
Die Verbindung von medizinischer, sozialer, gemeindenaher und sogar ordnungsrechtlicher Perspektive sei auch aus Präventionsgesichtspunkten möglich aber auch nötig, stellte die zweite Vizepräsidentin des Bezirketags, Barbara Holzmann abschließend fest.
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