Europa hat in Konkurrenz zum chinesischen Markt nur eine Chance, wenn der europäische Binnenmarkt stärker dereguliert wird und die wuchernde Bürokratie endlich eingedämmt wird. Nach Meinung des weltweit agierenden Prüfungsunternehmens Dekra hat Europa zwar gute Voraussetzungen, doch der Markt sei nicht gut integriert, bürokratische Hürden zu hoch, kritisiert Dekra-CEO Stan Zurkiewicz im Interview mit der Zeitschrift auto motor und sport. „Wir sind ein sehr großer Binnenmarkt, die Kaufkraft der Europäer ist hoch, und wir haben eine sehr hohe Sparquote“, so der Dekra-Chef. Doch es gebe erhebliche Probleme. „Übermäßige Regulierung bremst Innovationen, und sie belastet Unternehmen auch mit unnötigen Kosten. Wir sind in Deutschland überreguliert, wir sind als Europa insgesamt überreguliert.“

Hinzu komme das hohe Innovationstempo in China als enorme Herausforderung. „Angesichts des Tempos des technologischen Fortschritts wird Geschwindigkeit immer wichtiger“, unterstreicht Zurkiewicz. „Ob wir das erreichen können? Ich weiß es nicht. Sollten wir danach streben, es zu erreichen? Auf jeden Fall!“ Aber dafür müsse eben die Bürokratie abgebaut werden. Was Europa brauche, seien „harmonisierte Standards. Das gilt genauso für Sicherheit, Cybersicherheit oder Nachhaltigkeit. Schlanke, gut durchdachte Regulierung ist essenziell, um die gewünschten gesellschaftlichen Ergebnisse zu erreichen. Und sie ist die Grundlage dafür, dass Innovation wirken kann.“

Dann habe Europa Chancen, sich gegenüber dem hohen Innovationstempo Chinas zu behaupten, denn auch China habe Probleme. „China hat viele eigene Herausforderungen. Aus westlicher Perspektive schauen wir auf das dortige „Wirtschaftswunder“ und sind beeindruckt davon, was das Land erreicht hat – doch diese Entwicklung hatte auch ihren Preis“, so Zurkiewicz. „Die wirtschaftliche Situation in China ist komplex: Die Binnennachfrage ist gedämpft, der Immobilienmarkt steht seit mehreren Jahren unter Druck, und es gibt eine hohe Jugendarbeitslosigkeit.“

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