Das Frühjahr hat die Erwartungen der Handwerksbetriebe in der Region erfüllt. Die Prognose fällt allerdings verhalten aus. Vor allem der Einbruch beim Wohnungsneubau bereitet zunehmend Sorgen.

„Die Geschäftslage hat sich saisonal typisch verbessert, wenn auch nur in geringem Umfang. Denn die Herausforderungen durch Inflation und steigende Zinsen sind ja nicht kleiner geworden. Im Baubereich sind die Folgen geradezu dramatisch. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau landesweit um 20 Prozent gesunken, im April gegenüber dem Vormonat sogar um 39 Prozent. Insgesamt hat die Verunsicherung zugenommen“, kommentiert Präsident Harald Herrmann die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Reutlingen.

67,6 Prozent der befragten Betriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb bewerteten die Geschäftslage im ersten Quartal mit der Note „gut“. Unzufrieden waren 8,9 Prozent, etwas weniger als vor zwölf Monaten (10,6 Prozent). Die Prognose für den Sommer fällt dennoch verhalten aus. Zwar erwartet die große Mehrheit der Betriebe (73,2 Prozent) eine stabile Entwicklung, die Chance auf einen nachhaltigen Aufschwung sehen aktuell nur 13,4 Prozent. Genauso viele Unternehmer äußerten sich pessimistisch. Der Konjunkturindikator der Handwerkskammer, der Lagebeurteilungen und Erwartungen zusammenfasst, verbessert sich gegenüber dem Vorjahr geringfügig auf +27,5 Punkte (Vorjahr: +25,8 Punkte).

Dabei hat sich die Auftragslage zuletzt schlechter als erhofft entwickelt. 27,7 Prozent der Betriebe meldeten mehr Bestellungen, rund sieben Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. In derselben Größenordnung stieg der Anteil der Betriebe, die Rückgänge verzeichneten, von 15,7 Prozent auf nunmehr 24,4 Prozent. Damit bleiben die Betriebe in der Region hinter dem Landesdurchschnitt zurück.

Dass die Auslastung der Betriebe im zweiten Quartal dennoch gestiegen ist, dürfte daher auf den soliden Auftragsbestand und Engpässe, die durch unbesetzte Stellen entstehen, zurückzuführen sein. Der Auftragsbestand liegt über alle Branchen hinweg derzeit bei durchschnittlich 11,2 Wochen (Vorjahresquartal: 12,5 Wochen). 31,0 Prozent der Betriebe konnten ihre Kapazitäten zu mindestens 90 Prozent ausschöpfen (Vorjahr: 31,7 Prozent), 25,1 Prozent gingen darüber hinaus (Vorjahr: 18,3 Prozent).

Das Bauhauptgewerbe liegt, was Auftragspolster und Auslastung betrifft, nach wie vor über dem Branchendurchschnitt. Allerdings macht sich die abgekühlte Baukonjunktur bemerkbar. Wurden vor einem Jahr noch rund 35 Prozent der Umsätze im Wohnungsneubau erzielt, hat sich dieser Anteil nunmehr auf 17,9 Prozent halbiert. Noch deutlicher fällt der Rückgang bei den Ausbaubetrieben aus. Bei den Stuckateuren, Malern und Heizungsbauern sank dieser Umsatzanteil von 22 Prozent auf 6,5 Prozent. Das hohe Preisniveau und die Zinswende seien wesentliche Gründe für diese Entwicklung, aber nicht die einzigen, betont Herrmann. „Verbraucher brauchen Planungssicherheit. Dazu zählt eine verlässliche Förderpolitik. Das Durcheinander zum Thema Heizungstechnik, das wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, ist das Gegenteil davon.“

Die Erwartungen im Bauhandwerk haben sich entsprechend abgeschwächt. Der Index fällt auf -3,2 Punkte (Vorjahr: +7,7 Punkte). Nur noch 6,5 Prozent der Befragten rechnen mit einer besseren Geschäftslage, halb so viele wie vor einem Jahr. Auch die gewerblichen Zulieferer (-2,0 Punkte; Vorjahr: +3,9 Punkte) und die Gesundheitshandwerker (-4,2 Punkte; Vorjahr: +4,8 Punkte) stellen sich auf schwierigere Zeiten ein. Optimistischer als vor einem Jahr äußerten sich drei Branchen: das Kfz-Gewerbe (+2,8 Punkte; Vorjahr: -11,9 Punkte), die Nahrungsmittelbetriebe (+3,7 Punkte; Vorjahr: 0,0 Punkte) und mit Blick auf den hohen Nachholbedarf bei der energetischen Sanierung von Gebäuden das Ausbauhandwerk (+3,1 Punkte; Vorjahr: -1,1 Punkte).

Die 13.700 Handwerksbetriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb erwirtschaften einen Umsatz von über 10,5 Milliarden Euro, beschäftigen rund 80.000 Mitarbeiter und bilden über 4.500 junge Menschen aus.

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